Deutsche Meisterschaft

Berlin soll zum Sprungbrett werden

BHC-Präsident Stiebitz erhofft sich von der Hallenhockey-Endrunde nicht nur Titel, sondern eine Initialzündungfür die Sportart

Die meisten Anhänger des Berliner HC und der Zehlendorfer Wespen wären vermutlich fürs Erste schon sehr zufrieden, wenn ihre Teams am Wochenende bei der Endrunde um die deutsche Hallenhockey-Meisterschaft den Finaleinzug schaffen würden. Das ist schwer genug. Die BHC-Frauen bekommen es am Sonnabend (14.15 Uhr) in der Vorschlussrunde mit dem defensivstarken Titelverteidiger Rot-Weiß Köln zu tun. Anschließend (16.30 Uhr) sind die Männer des Klubs gegen Nordmeister HTHC Hamburg gefordert. Und zum Abschluss des ersten Tages (18.45 Uhr) sehen sich die Männer der Zehlendorfer Wespen gegen Uhlenhorst Mülheim als Außenseiter.

Nur einer erwartet noch viel mehr von der zweitägigen Veranstaltung in der Schmeling-Halle als einen Titel für die Berliner Klubs. „Endlich einmal gab es im Vorfeld keine Querelen um die Abstellung von Nationalspielern für Lehrgänge oder andere Dinge“, sagt Michael Stiebitz, Präsident des veranstaltenden Berliner HC. „Hier sind die acht besten Hallenteams am Start, besser geht es nicht. Deshalb wünsche ich mir eine Initialzündung von der Endrunde.“ Das Turnier soll beweisen, wie attraktiv Hallenhockey ist.

Seit fünf Jahren leitet der Werbe-Profi den Verein und versucht unermüdlich, die Sportart vorwärts zu bringen. Dabei hat er nicht ausschließlich die Feldvariante im Blick, eher im Gegenteil. Es ärgere ihn, welche Möglichkeiten hier einfach liegen gelassen würden. „Hallenhockey hat auf jeden Fall das Potenzial, olympisch zu werden“, findet Stiebitz, „es hat doch einen ganz anderen Charme, ist schneller, es fallen mehr Tore. Man braucht keine Stadien mit Kunstrasen. Und leichter zu vermarkten ist es auch.“

Nur nicht so, wie es aktuell praktiziert wird. Von den vier regionalen Bundesligen nimmt kaum jemand Notiz. Bei Lehrgängen der Nationalmannschaften wird auf Hallenhockey wenig Rücksicht genommen. Im vergangenen Jahr entstand so die kuriose Situation, dass sich die BHC-Frauen zwar für die Endrunde qualifiziert hatten, aber als es um den Titel ging, fehlten fünf Nationalspielerinnen wegen der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London.

Vorbilder Handball und Volleyball

Stiebitz will, dass so etwas vom Deutschen Hockey Bund in Absprache mit den Vereinen besser koordiniert wird. Er befürwortet zudem eine einteilige Bundesliga mit zwölf Teams, „die besten drei aus dem Norden, Westen, Süden und Osten, so einfach ist das“. Im nächsten Schritt würde er statt fünf gegen fünf nur noch vier gegen vier Spieler neben dem Torwart zulassen, dann würden weit mehr Treffer fallen: „Und die Begeisterung lebt ja zum Beispiel auch beim Handball vom permanenten Torschrei.“

Der Handball habe es vor vielen Jahren vorgemacht – damals habe sich auch niemand vorstellen können, dass die Disziplin in der Halle ankommen könnte. Das würde, gerade bei den Olympia-Ambitionen des BHC-Präsidenten, aber wohl dem Feldhockey den Garaus machen, oder? Müsse nicht sein, kommt die prompte Antwort: Im Volleyball klappe es ja auch mit zwei Varianten, der klassischen plus Beachvolleyball. Und er findet, Hallenhockey gehöre in die Winterspiele, „da es ja ausschließlich im Winter gespielt wird“.

Ohnehin ist Volleyball ein Vorbild: „Was die BR Volleys hier in kurzer Zeit in der Stadt geschafft haben, finde ich toll. Ein paar tausend Zuschauer bei jedem Spiel! Aber das kriegen wir im Hockey auch hin!“ Ob wirklich das Interesse da ist, kann sich zunächst an diesem Wochenende erweisen. Bei der letzten Endrunde in der Schmeling-Halle vor drei Jahren kamen an beiden Tagen zusammen rund 7000 Zuschauer, diesmal sind 10.000 das ambitionierte Ziel. Damals waren aber auch nicht drei Berliner Teams mit je einem Olympiasieger (BHC mit Natascha Keller und Martin Häner, Zehlendorfer Wespen mit Florian Keller) am Start.

„Ich glaube, die Endrunde kann mehr Anerkennung bringen für unseren Sport“, pflichtet Natascha Keller ihrem Präsidenten bei. Häner sieht die Sache gelassen: „Ich finde gut, dass es Abwechslung gibt. Mir macht beides Spaß.“ Vor allem, wenn es mit dem Finaleinzug klappt.