Volleyball

Köpenicker Bundesliga-Team setzt auf Frauenversteher aus Kuba

Volleyball-Trainer Cutino vor Duell mit Meister Schwerin

Es stand nicht gut um den Köpenicker SC im Januar 2011. Der Klub dümpelte am Tabellenende der Volleyball-Bundesliga, in der Mannschaft brodelte es. Das Team funktionierte nicht, und Coach Jürgen Treppner konnte nichts daran ändern. Es brauchte jemand anderen auf der Trainerbank, einen Frauenversteher. Jemanden wie Gil Ferrer Cutino.

Der Kubaner verstand es auf Anhieb, auf die atmosphärischen Störungen einzugehen und die Wogen zu glätten. „Er ist der perfekte Trainer für eine Frauenmannschaft“, findet Burkhard Kroll, der beim KSC für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Spielerinnen in der Auszeit lauthals zusammenzustauchen – für Cutino undenkbar. „Dadurch würde bei ihnen nur der Kopf zumachen und sie könnten überhaupt nicht mehr reagieren“, sagt er. Frauen seien sensibler als Männer, darauf müsse er achten. „Ich versuche, den Mädels ein gutes Gefühl zu geben, selbst wenn es nicht so läuft.“ Die Spielerinnen honorieren das: „Gil ist ein sehr angenehmer Trainer und sehr motivierend“, sagt Außenangreiferin Pia Riedel: „Dadurch, dass er selbst so lange aktiv war, kann er sich gut in uns hineinversetzen.“

Am Sonnabend empfangen die Berlinerinnen, derzeit Achte, den Tabellenführer Schweriner SC (19 Uhr, Hämmerlingstraße). Auf dem Papier eine klare Angelegenheit: Schwerins Kader ist gespickt mit Nationalspielerinnen. Trotzdem sieht Cutino sein Team beim Duell gegen den Double-Gewinner der Vorsaison nicht chancenlos. „Frauenvolleyball ist eine Wundertüte. Da weiß man nie, was man bekommt. Wir müssen mutig spielen und dürfen keine Angst haben“, sagt der 38-Jährige. Jubeln durfte der Klub bereits vergangene Woche, mit einem 3:0 gegen Aachen sicherte man sich einen Platz im Pre-Play-off. Dort spielen die Teams auf den Rängen sieben bis zehn ab Mitte März die beiden letzten Play-off-Teilnehmer aus. Doch ein wenig liebäugelt der KSC noch mit Platz sechs, der die direkte Qualifikation für das Viertelfinale bedeutet.

Es wäre zugleich der vorläufige Höhepunkt in der Trainerlaufbahn von Gil Ferrer Cutino. Seit elf Jahren lebt der Kubaner in Deutschland. Den Weg hierher fand er einst der Liebe wegen. 2001 hatte er am Strand von Santiago eine Berlinerin kennengelernt, die gerade einen Spanisch-Kurs an der dortigen Universität belegte: Mandy. Die beiden heirateten. Sehen konnten sie sich allerdings nur, wenn Cutino, damals Beachvolleyballer, zu Turnieren in Europa weilte. 2002 hatte er genug davon, zumal die Olympiaqualifikation für Athen nach einer Verletzung seines Partners in weite Ferne gerückt war. Cutino blieb in Berlin, ohne vorher die Zustimmung des kubanischen Verbands eingeholt zu haben. Dieser reagierte prompt: mit einer weltweiten zweijährigen Sperre.

An Volleyballspielen war in dieser Zeit nicht zu denken. Cutino lebte von Sozialhilfe und war froh, beim SCC ein bisschen Unterstützung zu finden. Auch wenn der Verein ihn nicht einsetzen durfte, so ließ er ihn doch zumindest mittrainieren und half auch sonst, wo er konnte. „Sie haben alles für mich gemacht“, sagt Cutino. Noch heute bezeichnet er den SCC, der jetzt Berlin Recycling Volleys heißt, als „mein Zuhause“. Nach Ablauf seiner Sperre trug er von 2004 an noch zwei Jahre das Trikot der Berliner, ehe er für mehrere Klubs in der ersten und zweiten Liga spielte. 2010 kehrte er an die Spree zurück und wurde Assistenztrainer beim KSC.

Von Mandy hat er sich inzwischen getrennt. Auch seine Beziehung zu Kuba hat sich verändert. Seine Verwandten auf der Karibikinsel besucht er zwar regelmäßig, doch zu aktuellen Entwicklungen wie der jüngst erteilten Reisefreiheit hat Cutino kaum noch eine Meinung. „Ich bin einfach schon so lange weg“, sagt er. Seine zweite Heimat sei jetzt Deutschland. „Ich habe hier so viele Chancen bekommen“, sagt Cutino, „sowohl als Spieler als auch als Mensch.“