DFB-Sieg

Khedira sorgt für neuen Mut

Treffer des Real-Stars zum 2:1 ermöglicht ersten deutschen Sieg in Frankreich seit nunmehr 78 Jahren

Als der italienische Schiedsrichter Paolo Silvio Mazzoleni um 22.51 Uhr das letzte Mal sein Arbeitsgerät in den Mund nahm, um das Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Deutschland abzupfeifen, war René Adler äußerlich nichts anzumerken. Der Torwart des Hamburger SV, der nach 812-tägiger Pause sein Comeback im Nationaldress gefeiert hatte, wollte nur bedingt zufrieden sein. Zwar siegte Deutschland bei seiner gelungenen DFB-Rückkehr hochverdient erstmals seit 1935 wieder in Frankreich gegen Frankreich mit 2:1, doch das angestrebte Ziel ohne Gegentor konnte der 28-Jährige eben nicht erreichen. Allzu lange geärgert wird sich der Hamburger aber nicht haben. „Das war brutal intensiv“, sagte Adler nach dem Spiel, „ich muss jetzt erst mal wieder runterkommen, das geht um so einfacher mit einem Sieg.“

Hinter Adler und den Kollegen lagen 90 äußerst unterhaltsame Minuten. Anders als bei früheren Länderspielen zu Beginn eines Jahres hatten sich beide Teams einen teilweise hochklassigen Schlagabtausch geliefert, mit etlichen schnell vorgetragenen Offensivaktionen auf beiden Seiten und technisch anspruchsvollen Szenen.

Dabei war es die deutsche Mannschaft, die die Anfangsphase dominierte und beim Test anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Elysée-Verträge mutig nach vorne spielte. So hätte Mesut Özil nach toller Vorarbeit von Thomas Müller bereits früh die Führung erzielen können, doch beim Versuch, Torwart Hugo Lloris zu umkurven, scheiterte der Wahl-Madrilene (6.).

Merkel mit Hollande zu Gast

Die Besucher im Stade de France, unter ihnen auch der französische Staatspräsident Francois Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel, staunten über den Unternehmungsgeist der DFB-Auswahl, die sichtlich bemüht war, nach über 25 Jahren mal wieder einen Sieg über Frankreich zu feiern. Und erstmals seit 2008 mal wieder mit einem Sieg ins Länderspieljahr zu starten.

So dauerte es bis zur 14. Minute, ehe erstmals ein Hauch von Gefahr vor Adlers Tor auftauchte, der 28-Jährige aber vor Karim Benzema klären konnte. So richtig auszeichnen durfte sich der Hamburger Keeper nach 27 Minuten, als Benzema völlig frei auf Adler zulaufen konnte. Doch der Profi von Real Madrid scheiterte mit seinem Schuss am DFB-Keeper.

In der 44. Minute, als alles auf ein 0:0 zur Pause hindeutete, war Adler ohne Chance. Nach Benzemas Freistoß, der von der Latte aufs Feld zurückprallte, konnte Valbuena zur 1:0-Führung für die Hausherren einköpfen. Ein ungerechtes Halbzeitresultat – aber nur von kurzer Dauer.

Kurz nach dem Wiederanpfiff war es Thomas Müller, schon vorher der beste Spieler auf dem Platz, der nach einem klugen Pass von Ilkay Gündogan den Ball unter die Latte wuchtete (51.). „Einfach rein die Kirsche“, beschrieb Müller sein Tor später ähnlich schnörkellos wie er zuvor auf dem Platz agierte. Der hochverdiente Ausgleichstreffer war der Startschuss zu einem weiteren Sturmlauf der Deutschen, der allerdings zunächst ohne Erfolg blieb. Bundestrainer Joachim Löw, der Mitte der zweiten Halbzeit an der Seitenlinie lautstark mit seinen bemühten Spielern schimpfte, schien als einziger nicht wirklich zufrieden zu sein.

Eine Viertelstunde vor Schluss wurde dann aber auch der Bundestrainer besänftigt. Eine königliche Kombination zwischen den Madrilenen Mesut Özil und Sami Khedira, der den Traumpass seines Real-Kollegen aus zehn Metern nur noch veredeln musste, sorgte für die gerechte Belohnung des DFB-Teams (74.).

„Zur Pause war es ein ungerechtes Ergebnis, weil wir schon in der ersten Halbzeit sehr guten Fußball gespielt haben. Das Gegentor war unnötig, aber 90 Minuten lang die Franzosen ausschalten kann man nicht“, analysierte Khedira. „In der zweiten Halbzeit haben wir die richtige Antwort gegeben. Das Siegtor war eine perfekte Kombination. Mesut kann den Ball so gut spielen wie fast kein Zweiter auf der Welt. Er kennt meine Laufwege.“

Perfekt war der historische Sieg in Paris aber erst, nachdem ein letztes Mal Adler kurz vor Schluss Kopf und Kragen riskieren musste, um gegen den anstürmenden Franck Ribéry zu klären. „Heute waren wir vorn sehr gut, hatten in der Endphase aber etwas Glück. Wir müssen die richtige Balance finden“, forderte Löw. Neuen Mut dürfte diese Partie aber auch ihm geschenkt haben.