Fifa

Wieder Wirbel um die Vergabe der WM 2022

Führt die Fifa-Reform im Mai zu neuer Abstimmung?

Die Abstimmung über die Vergabe der Fußball-WM 2022 wird möglicherweise wiederholt. Über entsprechende Hinweise aus dem Exekutiv-Komitee des Weltverbandes Fifa berichtet die „Sport-Bild“. Demnach soll auf Empfehlung der Fifa-Ethikkommission angesichts der anhaltenden Bestechungsvorwürfe gegen Wahlsieger Katar beim Fifa-Kongress im Mai auf Mauritius eine erneute Abstimmung über den WM-Gastgeber stattfinden. Katar hatte im Dezember 2010 den Zuschlag für 2022 erhalten.

Eine Annullierung der Entscheidung wäre eine drastische Konsequenz aus bislang noch nicht bekannten Erkenntnissen von Fifa-Chefermittler Michael Garcia (USA). Die Ethikkommission hatte die Untersuchungen von Umständen der Entscheidung für Katar wegen Berichten über Unregelmäßigkeiten aufgenommen. Im Blickfeld der Spekulationen standen bislang besonders vermeintliche Stimmenkäufe des damaligen Fifa-Vizepräsidenten Mohammed Bin Hamman für sein Heimatland. Zuletzt war allerdings auch Uefa-Präsident Michel Platini wegen seines Votums für die Araber ins Zwielicht geraten.

„Erst einmal muss Herr Garcia seinen Bericht präsentieren. Dann stellt sich die Frage, ob andere Bewerber benachteiligt wurden. Alles andere ist pure Spekulation“, sagte Theo Zwanziger als deutsches Mitglied der Exekutive, ohne den Druck aus der Sache nehmen zu wollen: „Es ist richtig, dass Chefermittler Michael Garcia langsam zu Potte kommen muss, denn es stehen Anschuldigungen gegen Personen im Raum und die Öffentlichkeit will Antworten haben.“

Kritik von Jurist Pieth

Ähnlich ungeduldig zeigt sich auch der Fifa-Reformbeauftragte Mark Pieth. Der Schweizer Topjurist attackierte die Fifa-Spitzenkräfte und stellte den Erneuerungsprozess beim Fußball-Weltverband grundsätzlich infrage. Pieth sieht die Gefahr, dass die Fifa bei ihren Bemühungen um mehr Transparenz und Demokratie „noch einmal zehn Jahre verliert“, sagte der Vorsitzende der Kommission für Good Governance in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“.

Auch die Rolle der europäischen Führer – inklusive deutscher Vertreter – im Reformprozess wurde von Pieth harsch kritisiert. „Die denken nur an ihre eigene Macht, die denken nicht über ihre eigene Nasenspitze hinaus“, sagte der Professor für Kriminalrecht an der Uni Basel. Von der Uefa habe er sich mehr Unterstützung erhofft. „Ich bin enttäuscht von dem, was die Uefa hervorgebracht hat – mit der Hilfe der Briten und Deutschen“, sagte Pieth. Die 53 europäischen Verbandschefs waren kürzlich mit ihren Beschlüssen hinter den Fifa-Vorschlägen zu Amtzeitbeschränkungen und Leumundsprüfungen von Funktionären zurückgeblieben. Pieth: „Da ist es sehr, sehr suboptimal, dass jetzt ausgerechnet die Vertreter Europas sagen: Wir brauchen gar keine Reform!“