Motorsport

Weltmeister Vettel enthüllt seine neue Lila Lady

Red Bull peilt auch im RB9 wieder beide WM-Titel an

Sebastian Vettel strahlte wie ein Kind bei der Weihnachtsbescherung, als er seinen neuen Dienstwagen der Öffentlichkeit präsentierte. Während allen Anwesenden in der Red-Bull-Zentrale im englischen Milton Keynes das Fotografieren streng untersagt war, schoss der dreimalige Formel-1-Weltmeister vor lauter Begeisterung sogar ein Handybild von seinem neuen fahrbaren Untersatz. Nachdem er die kritischen Blicke der Offiziellen des Rennstalls bemerkt hatte, stopfte er das Mobiltelefon wieder in seine Hosentasche und lauschte brav den Worten seines Teamchefs Christian Horner. Als sechstes von noch elf verbliebenen Formel-1-Teams präsentierte Red Bull, woran die Ingenieure in der rennfreien Zeit seit Ende November gewerkelt hatten.

Ein Name wird noch gesucht

Einen Namen hat sein neuer Bulle noch nicht, dafür jedoch einen klaren Auftrag: Bei der Vorstellung des neuen RB9 hat Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel jenen Boliden enthüllt, der ihn zum vierten Weltmeistertitel in Folge tragen soll.

„Natürlich kann man zurückschauen auf das, was man erreicht hat. Aber für mich startet alles bei Null“, sagte der dreimalige Champion im Red-Bull-Hauptquartier. Unter dem Motto „Entfesselt den Bullen“ stellte der 25-Jährige gemeinsam mit seinem Teamkollegen Mark Webber (Australien) das neue Werk von Chefdesigner Adrian Newey vor. Neben dem erhofften erneuten WM-Triumph für einen ihrer Fahrer soll natürlich auch der vierte Team-Titel für die Roten Bullen eingeheimst werden.

Entsprechend selbstbewusst gab Christian Horner die Richtung vor. „Wir wollen die beiden Weltmeister-Pokale noch nicht aus unserem Trophäenkabinett hergeben“, sagte der Teamchef. Zurückhaltender war Chefdesigner Adrian Newey. „Wir wissen, was wir geleistet haben“, sagte der 54-Jährige, „aber wir wissen natürlich nicht, wo die anderen stehen. Da bleibt vieles ungewiss. Erst nach den ersten Rennen wird man sehen, auf welchem Niveau sich alle befinden.“ Schon traditionell zogen Vettel und Webber um kurz nach 14.00 Uhr das weiße Tuch von ihrem neuen Arbeitsgerät. Noch im Vorjahr war der RB8 in einem Clip via Internet präsentiert worden. Viel Violett zusätzlich zu dem üblichen Blau stach gleich ins Auge, zudem müssen die Fans sich erneut mit der Höckernase abfinden. Das Privileg der Jungfernfahrt genießt in diesem Jahr der Australier Webber.

Auffällig: Wie auch Ferrari und McLaren setzte Newey zwar eine kosmetische Blende über der Radaufhängung ein, welche der Weltverband Fia seit dieser Saison gestattet. Diese reicht allerdings nicht sehr weit nach vorn, so bleibt ein Höcker. Grund sei das Gewicht, sagte Newey. Bis zum Saisonstart am 17. März in Melbourne wird sich optisch auch noch einiges ändern. So gut wie alle Teams lassen sich bei den Präsentationen nicht komplett in die Karten schauen.

Zweifel im Winter

Für ein Novum sorgt zudem der neue Sponsor, dem auch die neue Farbgebung Rechnung trägt. Die Ausweitung des Deals mit einer japanischen Premium-Automarke bringt Vettels Team neben mehr Finanzkraft auch gut sichtbar einen neuen Titel: 2013 geht der Rennstall offiziell als Inifiniti Red Bull Racing an den Start.

Einen eigenen Namen trägt Vettels Ausgabe des Boliden noch nicht. „Wir müssen uns schließlich erst kennenlernen“, sagte der Weltmeister lachend. Im vergangenen Jahr hatte er seinen Boliden auf den recht schlichten Namen Abbey getauft, davor hatten ihn „Luscious Liz“ („Leckere Liz“) und „Kinky Kylie“ („Scharfe Kylie“) zu seinen ersten WM-Titeln getragen. Dass der RB9 noch vor den ersten Tests einsatzbereit sein würde, schien über den Winter fraglich. Schuld war sein letztlich erfolgreicher Vorgänger, der RB8, der im Zweikampf mit Fernando Alsonsos Ferrari bis zum Ende der vergangenen Saison die Aufmerksamkeit der Ingenieure brauchte. „Wir mussten uns bis zum letzten Moment auf die Entwicklung des RB8 konzentrieren, um die beiden Titel zu verteidigen“, sagte Newey.