TV-Kritik

Wenn Rahn den Hammer rausholt

Uwe Bremer über Christina Graf

Zugegeben – es hat gedauert. Die Bundesliga feiert gerade ihre 50. Saison. Und pünktlich zum Jubiliäum lässt sich feststellen: Der Trend geht zur Frau. Nachdem der Bezahl-Sender Sky im deutschen Fußball-Geschäft bereits fünf Moderatorinnen an den Spielfeldrändern der ersten und Zweiten Liga im Einsatz hat, gab nun Christina Graf ihren Einstand. Zum ersten Mal kommentierte eine Frau ein Profispiel in Deutschland live im Fernsehen. Als Fazit der 90 Minuten von Regenburg gegen Hertha bleibt eigentlich nur die Frage: Warum hat es 50 Jahre gedauert?

Christina Graf war bei der Premiere im Jahnstadion unaufgeregt. Fachlich hatte sie als ehemalige Bundesliga-Spielerin vom FFC Rheine und des SC Bad Neuenahr keine Probleme, das Spiel zu lesen. Zudem war sie gut vorbereitet. Die 27-Jährige verlegte sich nicht nur aufs Beschreiben, sie hatte auch den Mut zur Meinung. Ihre Einordung, dass der Auftritt von Hertha in der ersten Hälfte ideenlos war, sie habe sich da mehr erwartet, war absolut zutreffend. Zudem bewies die Kommentarin Mut zur Erfindung und etablierte die Formulierung „es beginnt zu schneeregnen“ im Sky-Wortschatz.

Wer live spricht, macht auch Fehler. Die Kommentatorin lobte Ramos für eine gute Flanke. Um sich im nächsten Moment zu korrigieren. „Entschuldigung, das war natürlich Ronny.“ Es wäre schön, wenn man das Einräumen eines Fehlers auch bei männlichen Kollegen öfters hören würde. Christina Graf hat zuvor im Radio Spiele kommentiert. Es bedarf wahrscheinlich ein wenig Erfahrung im Fernsehen, um zu spüren, wann Bilder für sich sprechen – und auch mal ohne Kommentar auskommen. Dennoch war Christina Graf in ihrer sachlichen Art weit entfernt von der nervtötenden Radio-Dampfplauderei, wie sie einst Werner Hansch versuchte, ins Fernsehen zu transportieren. Eine Frage des Geschmacks: Mir ist die Mikrofon-Stimme von Christina Graf etwas zu hoch. Und, klar, eine Premiere ist auch dazu da, um zu lernen. Wetten, dass Christina Graf diese Formulierung nicht ein zweites Mal verwenden wird: „30 Meter Torentfernung – da kann Christian Rahn seinen Hammer rausholen.“