Torsten Mattuschka

„Ich bekomme jetzt schon eine Gänsehaut“

Union-Kapitän Torsten Mattuschka will so schnell wie möglich die 50-Punkte-Marke erreichen. Und peilt den Derby-Sieg an

Vier Schritte sind es gewesen. Vier Schritte, die Torsten Mattuschka für den Anlauf genutzt hat, ehe er den Ball auf die Reise schickte. Mit seinem rechten Fuß, durch die alles andere als massive Mauer von Hertha BSC, mitten hinein ins rot-weiße Glück. Dann gab es für den Kapitän des 1. FC Union kein Halten mehr. Laut schreiend, mit den Händen erst gegen die Brust schlagend, dann in den Berliner Himmel streckend, stürmte der Mittelfeldspieler in Richtung Union-Fankurve, wo ein Knäuel aus Tausenden von Fans frenetisch jubelte.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es nun her, dass Torsten Mattuschka sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern des Köpenicker Klubs sicherte. Ja sogar in der Berliner Fußball-Historie, besiegelte sein Freistoßtor zum 2:1 im Olympiastadion an jenem 5. Februar 2011 doch die kaum für möglich gehaltene Sensation.

Von derlei Glanz ist in jenem Moment, da der 32-Jährige durch das vom Regen völlig aufgeweichte Waldstück hinter dem Stadion an der Alten Försterei seinen Lauf beendet, nichts zu spüren. Von Vorfreude auf das zweite Derby im größten Stadion der Hauptstadt hingegen schon. In der Morgenpost spricht der Kapitän über…

…den Jahresauftakt gegen Sandhausen: „Ich finde, das Spiel war ganz okay. Es war sicher nicht unser bester Auftritt, aber wir haben nie etwas anbrennen lassen“, kommentierte Mattuschka das 3:1 gegen den Aufsteiger und Tabellenvorletzten aus der oberrheinischen Tiefebene: „Das war sehr, sehr souverän von uns. Unser Sieg war absolut verdient, darauf können wir aufbauen.“

...Unions neue Haupttribüne: „Die Stimmung in der Alten Försterei war ja ohnehin schon kaum zu toppen, sogar als die neue Tribüne noch nicht da war. Und wenn jetzt auch noch von der anderen Seite angefeuert wird…“ Mattuschka freut sich auf die sechs restlichen Heimspiele in dieser Saison: „Durch die Tribüne ist es noch enger, jetzt haben wir von allen Seiten die Unterstützung. Und wir wollten unbedingt den Arbeitern, die hier Tag und Nacht gearbeitet haben, die drei Punkte zum Auftakt schenken. Das ist uns gelungen, jetzt sind erst einmal alle zufrieden.“

…Aufstiegsträume:„Ob mit uns noch zu rechnen sein wird – warum denn nicht? Wir schauen von Spiel zu Spiel und werden dann sehen, was am Ende dabei herauskommt. Ich habe ja schon im Trainingslager gesagt, dass wir auf jeden Fall versuchen wollen, die 50 Punkte zu knacken“, gibt der Union-Kapitän das nächste Zwischenziel aus: „Je schneller wir die haben, desto schöner ist es für alle. Und dann werden wir sehen, wie viele Spiele noch Zeit sind, um vielleicht ganz oben anzugreifen. Aber wir werden nicht jetzt sagen: Wir greifen jetzt an. Aber mit uns ist zu rechnen, das sieht man an der Tabelle und an der Art, wie wir gegen Sandhausen gespielt haben.“

…die Vorbereitung auf das Derby: „Ich denke, dass in den nächsten Tagen noch ein, zwei erkrankte Spieler wieder zurückkommen werden. Aber die Woche läuft ja von ganz allein. Auf das nächste Spiel ist ohnehin jeder geil. Um solche Spiele erleben zu dürfen, dafür sind wir alle Fußballer geworden. Der Trainer wird da nicht viel zu machen brauchen und hat vielleicht sogar die Qual der Wahl bei der Aufstellung. Doch völlig egal, wer spielt – jeder wird sich zerreißen und alles geben, um das Spiel für uns erfolgreich zu gestalten.“

…Unions Chancen gegen Hertha: „Wir sind klarer Außenseiter und haben nichts zu verlieren. Hertha ist Zweiter und hat bislang eine richtig gute Saison gespielt. Jeder von uns soll Spaß an dem Spiel haben und mit Selbstvertrauen rangehen. Ich werde auch den jüngeren Spielern noch sagen, dass sie sich nicht beeindrucken lassen sollen. Da sind 76.000 Zuschauer im Olympiastadion, eine rot-weiße Wand von 20.000 bis 25.000 Fans. Die Spieler, die schon 2011 dabei gewesen sind, werden wissen, was da abgeht. Wenn ich daran denke, bekomme ich jetzt schon eine Gänsehaut. Wir müssen das Ganze einfach genießen und das raushauen, was wir können. Dann können wir das von vor zwei Jahren vielleicht noch einmal wiederholen.

…Freistoßtore: „Ich habe lange keinen mehr reingemacht. Ich hoffe, ich bin irgendwann mal wieder dran. Doch wichtiger ist, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Und wenn wir so spielen wie gegen Sandhausen, dann ist es schwer, uns zu schlagen.