Badminton

Sehnsucht nach Surabaya

Warum es Berlins Badminton-Ass Juliane Schenk nach Indonesien zieht

Sie konnte es kaum erwarten, ihre Reise nach Surabaya anzutreten. Es ist ja kein Katzensprung, aber Juliane Schenk freute sich darauf, „einmal aus dem Normalen herauszukommen“. Die beste Badmintonspielerin Deutschlands war schon mehrfach in Indonesien, man erkennt sie dort viel häufiger als in ihrer Heimat. Dort ist ihre Sportart die Nummer eins und nicht bloß Federball. All seine sechs olympischen Goldmedaillen hat das südostasiatische Land im Badminton gewonnen, die besten Spieler werden verehrt wie Popstars. Als die Olympiasieger von 1992, Susi Susanti und Alan Budikusuma, heirateten, stand das ganze Land kopf. Jetzt ist Juliane Schenk mittendrin.

Sie startet heute in Surabaya als Gastspielerin in die „Djarum Superliga“. Sechs Tage dauert die Veranstaltung, und Schenk ist keineswegs nur zum Lernen da. Denn die 30-Jährige ist keine Unbekannte am Netz, wurde WM-Dritte 2011 in London, hat vergangene Saison als erste Deutsche ein Turnier der hochdotierten „Super Series“ gewonnen, die Singapore Open. Auch bei anderen internationalen Turnieren besiegte sie viele in der Weltrangliste besser platzierte Gegnerinnen, belegte zwischenzeitlich selbst schon einmal Position vier in diesem Ranking. Bei den Indonesia Open erreichte sie zweimal das Viertelfinale. Und sie fällt natürlich auf zwischen all den Indonesierinnen, Südkoreanerinnen, Chinesinnen. Die zählen zu den allerbesten von Millionen Badmintonspielern in der Welt. So wie sie.

„Ich werde mit viel Freude an den Start gehen. Ich möchte neue Erfahrungen sammeln und natürlich bestmöglich abschneiden“, sagt die in Deutschland für den Bundesligisten SG Empor Brandenburger Tor antretende Berlinerin. Sicher wird sie auch ihr Konto aufbessern, denn in Asien gibt es viel Geld zu verdienen. Die Südkorea Open etwa sind mit einer Million Dollar dotiert, es ist das derzeit finanzstärkste Turnier der Welt. Sie hat auch schon ein paar Mal fünfstellige Prämien kassiert. In die „Djarum Superliga“ wurde Schenk eingeladen; sie war von den Veranstaltern angesprochen worden, als sie in Hongkong mal wieder ein Halbfinale erreicht hatte. „Die Verantwortlichen kamen auf mich zu und fragten erst mal, ob grundsätzliches Interesse besteht.“ Das bestand sehr wohl. Die Details waren auch bald geklärt. Über Summen wird nicht gesprochen, aber man darf annehmen, dass sich der Start lohnt.

Streit mit Verband beigelegt

Schenk hat für den Trip nach Asien auf die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Bielefeld verzichtet, wo heute eine andere den Titel gewinnen wird. Und sie kann auch ihrem Berliner Verein keine Punkte sichern, der am kommenden Wochenende in der Bundesliga auf Rosenheim trifft. „Mir lag es sehr am Herzen, in Indonesien dabei zu sein“, sagt sie und ist dem Deutschen Badminton Verband (DBV) und ihrem Klub deshalb dankbar. Denn ohne beider Einwilligung wäre ihre Reise nicht möglich gewesen.

Damit scheint auch ein Streit vom Tisch, der nach den Olympischen Spielen in London zwischen Schenk und dem Verband laut geworden war. Grund war eine angebliche Äußerung des DBV-Sportdirektors Martin Kranitz über die Zusammenarbeit zwischen Schenk und ihrer Mentaltrainerin Gaby Frey. Die Spielerin sei Frey hörig, soll Kranitz gesagt haben. Der streitet das jetzt ab, doch die Berlinerin fühlte sich vom Verband nicht genügend unterstützt. Inzwischen haben beide über das Thema gesprochen, und es sieht so aus, als seien die Wogen geglättet.

„Ich habe gemerkt, der DBV ist wieder bereit, mich zu unterstützen“, ist Juliane Schenk froh. Damit war auch der Weg nach Indonesien frei, in die Exotik. Weltranglistenpunkte gibt es dort für die ehrgeizige Sportlerin nicht zu gewinnen, aber neben vielen neuen Eindrücken vor allem den Vergleich mit der Weltspitze. Egal, „internationale Einladungen sind immer etwas Besonderes für mich“, eine Anerkennung dessen, was in Deutschland kaum jemandem auffällt: dass sie ein gefragter Star im Badminton ist. Und bei Auftritten wie jetzt in Asien kann die Sportsoldatin („Die Bundeswehr ist eine gute Absicherung für einen Athleten.“) etwas für einen besseren Lebensstandard tun.

Wobei nicht der Eindruck entstehen soll, dass Geld die entscheidende Rolle spielt. „Ich werde es einfach genießen“, sagt Juliane Schenk. Außerdem: „Als Topspielerin hast du auch eine gewisse Verpflichtung, Einladungen zu folgen und an bestimmten Turnieren teilzunehmen.“ Zu den Pflichtveranstaltungen gehören für sie unter anderem die zwölf „Super Series“-Turniere. Fünf von ihnen tragen den Zusatz „Premier“ – es sind neben den All England und Denmark Open die Turniere in China, Südkorea und – natürlich – in Indonesien. Dort werden sie im Sommer wieder komplett durchdrehen, weil Taufik Hidayat, vom Staat 2004 mit einer Million Dollar für seinen Olympiasieg in Athen belohnter Nationalheld Indonesiens, seinen Abschied geben will.

Wer weiß, vielleicht wird Juliane Schenk im Juni dann wieder die lange Reise nach Indonesien antreten.