2. Bundesliga

Herthas Konkurrenz rüstet auf

Im Morgenpost-Check hat neben Berlin und Braunschweig vor allem Cottbus Aufstiegschancen

Die Branchen-Weisheit wird Dieter Hoeneß zugeschrieben. Der hatte in seiner damalige Funktion als Manager von Hertha BSC stets wiederholt: Wer im Winter nachkaufen muss, hat im Sommer zuvor nicht ordentlich gearbeitet. An diesem Wochenende startet die Zweite Liga ins neue Jahr. Union beginnt morgen daheim gegen Sandhausen, Hertha BSC tritt am Sonntag in Regensburg an. Es hat sich eine Menge getan im Winter. Die Morgenpost hat sich jene Vereine angeschaut, die mehr oder weniger realistische Aufstiegschancen hegen. Und siehe da: Es gibt eine Menge klarer Signale.

Eintracht Braunschweig

Der Überraschungstabellenführer hat allen Grund, zufrieden zu sein. Manager Marc Arnold zog lediglich eine Sicherheitsleine ein. Für den verletzten Kapitän Dennis Kruppke wurde der Norweger Elabdellaoui Omar vom englischen Meister Manchester City bis Saisonende ausgeliehen. Ansonsten vertraut Trainer Torsten Lieberknecht seinem Kader.

Prognose: Braunschweig steigt als Zweiter auf.

Hertha BSC

Nach vielen Jahren, in denen in Berlin ständig im Winter nachgebessert werden musste, darf sich Manager Michael Preetz in dieser Saison bestätigt fühlen. Die Zusammenstellung des vergangenen Sommers geht auf, es wurde niemand geholt. Hertha verschlankte lediglich den Kader (Kachunga ging, Beichler und Radjabali-Fardi stehen vor einem Wechsel). Der Druck in der Stadt ist immens: Alle erwarten den Aufstieg. Wirtschaftlich kann Hertha den aktuellen Kraftakt, der die Verbindlichkeiten von 42 Millionen Euro weiter steigen lassen wird, nicht noch einmal wiederholen.

Prognose: Hertha steigt als Zweitliga-Meister auf.

1. FC Kaiserslautern

Beim Bundesliga-Absteiger ist man offensichtlich nicht zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf. Nach neun Neuen im Sommer meldet der Liga-Dritte im Winter erneut sechs Zugänge. Es ging quer durch den Garten: Talente wie Mitchell Weiser (FC Bayern) oder Chris Löwe (Borussia Dortmund) kamen, dazu erfahrene Profis wie Benjamin Köhler, Erwin Hoffer (beide Eintracht Frankfurt), der österreichische Nationalspieler Christopher Drazan (Rapid Wien) oder Markus Karl (1. FC Union). Vor dem Winter zeigte das Team von Trainer Franco Foda keine erkennbare Handschrift. Auch Kaiserslautern investiert im Vorgriff auf die erhofften Bundesliga-Millionen der kommenden Saison.

Prognose: Die Pfälzer haben zu viel Druck, der Aufstieg misslingt.

Energie Cottbus

In der Lausitz wird ebenfalls rotiert, verglichen mit Hertha und Lautern jedoch auf (finanzieller) Sparflamme. Ex-Unioner Mosquera wurde aus China zurückgeholt, er soll Energie-Torjäger Boubacar Sanogo entlasten. Dazu holte Sportdirektor Christian Beeck mit Michael Schulz (VfL Wolfsburg) und Andre Fomitschow (Fortuna Düsseldorf) zwei Bankdrücker aus der Bundesliga. Im Gegenzug trennte sich Cottbus von vier Profis. Trainer Rudi Bommer vermittelt seiner Mannschaft: Wir sind Außenseiter. Aber damit es klappt, muss alles passen.

Prognose: Energie wird seine Chance nutzen, falls Lautern patzt.

VfR Aalen/FC Ingolstadt

Beide Klubführungen lassen sich von der guten Platzierung nicht die Sinne vernebeln. Aalen hat den Japaner Takuma Abe aus Tokio verpflichtet, Ingolstadt Florian Heller vom FSV Mainz. Ansonsten vertrauen sowohl VfR-Trainer Ralph Hasenhüttl als auch sein FC-Kollege Tomas Oral ihren Kadern. Entwicklung statt Achterbahn-Fahrt heißt die Maxime.

Prognose: Beide Vereine werden in der oberen Tabellenhälfte einlaufen.

1860 München

Der Zweitligist sorgte im Winter für reichlich Aufsehen mit dem Schauspiel „Wie schlecht kann man einen Verein führen“. Das Theater um Geldgeber Hassan Ismaik und Beinahe-Trainer Sven-Göran Eriksson wird den derzeitigen Trainer Alexander Schmidt sicher nicht gestärkt haben. Dennoch griffen die „Löwen“, als Sechster fünf Punkte hinter Rang drei liegend, noch einmal tief in die Tasche. Der ehemalige Herthaner Rob Friend kam von der Tribüne bei Eintracht Frankfurt, dazu der Norweger Ola Kamara (IF Dramen).

Prognose: 1860 München hat mit dem Aufstieg nichts zu tun.

1. FC Union

Die Köpenicker liegen gleichauf mit den „Löwen“. Doch Trainer Uwe Neuhaus hat im Winter mit dem Verkauf von Markus Karl (zu Lautern) ein fatales Signal nach innen gesendet. Eigentlich gibt man im Winter keinen Leistungsträger an einen direkten Konkurrenten ab. Union hat keinen Druck, aufsteigen zu müssen. Aber das Rennen ist so eng, man muss es als Klub schon unbedingt wollen. Stattdessen lautet die Botschaft: Wir fahren lieber im Union-Modus weiter, sollen sich die anderen in das Tohuwabohu um den Aufstieg stürzen.

Prognose: Union wird einen Platz in der oberen Hälfte belegen.

1. FC Köln

Als Tabellen-Neunter hat es der Bundesliga-Absteiger mit Trainer Holger Stanislawski weit bis zu einem Relegationsplatz. Aber am Rhein wurde ebenfalls noch mal kräftig investiert. Der Brasilianer Bruno (GD Estoril) soll die wackligen Innenverteidiger stabilisieren. Und mit Stefan Maierhofer (von RB Salzburg) kam ein teurer Stürmer der Marke „Rammbock“. Der formulierte als Ziel klar den dritten Rang, den derzeit Kaiserslautern hält. „Wir haben noch das direkte Duell. Platz drei liegt im machbaren Bereich.“

Prognose: Der Klub sehnt sich nach dem Aufstieg und hat auch das Zeug dazu.