WM Kolumne

Mit der richtigen Dosis Härte

Bob Hanning über das WM-Viertelfinale

Jetzt also Spanien. Das wird ein sehr hart umkämpftes und enges Duell. Auf allen Positionen gibt es keine allzu gravierenden Unterschiede, so dass beide Mannschaften in etwa auf Augenhöhe agieren. Im Tor haben wir mit Silvio Heinevetter und Arpad Sterbik zwei überragende Torhüter. Beide sind Weltklasse und können ein Spiel an guten Tagen alleine entscheiden. Während andere Nationalteams gegen Sterbik verlieren, passiert den Deutschen das im Duell der Schlussleute sicher nicht. Das ist schon einmal ein guter Trumpf.

Auf den Außenpositionen spielen Deutsche und Spanier auf gleich hohem Niveau. Der vielleicht entscheidende Vorteil der Gastgeber liegt bei dem Weltklassemann Julen Aguinagalde, er ist am Kreis ein Ausnahmekönner. Die Deutschen gewinnen auf jeden Fall das Duell auf Rückraum rechts, verlieren es nicht in der Mitte und im rechten Rückraum. Das Glanzstück der Gastgeber ist ihre Abwehr. Sie verbinden verschiedene Systeme miteinander, das ist attraktiv und erfolgreich. Und bislang ist diese neue Defensive auch das Highlight der ganzen WM.

Die große Gefahr besteht im Gegenstoßspiel. Wir dürfen nicht zu viele einfache Fehler machen und die Spanier dann zu einfachen Toren einladen. Das heißt: Machen wir weniger technische Fehler als die Spanier und kriegen wir ein gleiches Zeitstrafenverhältnis, dann haben wir gute Chancen.

Natürlich muss es Zeitstrafen geben, denn die deutsche Auswahl muss gleich von Beginn an eine natürliche Härte ins Spiel bringen. Aber das dürfen keine dummen Zeitstrafen wie etwa durch Frustabbau sein. So etwas wäre tödlich. Die Zeitstrafen müssen sich lohnen, sie müssen eine kompakte Abwehrarbeit und Grundhärte zur Folge haben. Außerdem ist die Auswahl von Martin Heuberger in der Breite besser aufgestellt als alle anderen Mannschaften bei der WM, das kann uns jetzt wirklich helfen. Und natürlich liegt der Druck zu null Prozent bei uns. Gegen uns aber spricht die Emotionalität der Spanier im eigenen Land.

Dass acht europäische Mannschaften nun im Viertelfinale stehen, ist nicht überraschend. Mit Ausnahme der Polen haben es die üblichen Verdächtigen in die Runde der letzten Acht geschafft, jetzt kann die Europameisterschaft beginnen. Gleichwohl ist das Niveau des Turniers nicht überragend. Aber das liegt an den Nachwehen von Olympia, das hat schon die Vergangenheit gezeigt. Was mich ein wenig überrascht, ist das Weiterkommen der Russen und Slowenen. Im Gegensatz dazu haben sich die Franzosen sehr schwer getan, ehe sie die Isländer in die Knie zwangen. Das zeigt aber auch, dass die Equipe Tricolore immer noch nicht ihren Rhythmus gefunden hat. Wobei die glorreichen Zeiten dort eh vorbei sind.