Wintersport

Bereit für ein Wintermärchen

Die Weltcupsiege von Viktoria Rebensburg, Felix Neureuther und den Biathletinnen wecken WM-Vorfreude in Deutschland

- Dass es kaum ein Weltcuprennen gibt, in dem die deutschen Rodler nicht vorn liegen, daran hat man sich längst gewöhnt. Auch die Bob-Besatzungen aus Bayern und Thüringen reihen nach schwächerem Saisonstart inzwischen wieder Sieg an Sieg. Doch am vergangenen Wochenende zeigte sich, dass die Wintersportnation Deutschland ein Jahr vor den olympischen Winterspielen in Sotschi und kurz vor den Weltmeisterschaften in noch anderen wichtigen Disziplinen bereits in prächtiger Verfassung ist. Ob Felix Neureuther und Viktoria Rebensburg bei den Alpinen, die Staffel der Biathletinnen oder Kombinierer Eric Frenzel - alle grüßten am Sonntag von ganz oben auf dem Podest.

Perfekte Motivation

So strahlte Andrea Henkel als Schlussläuferin schon weit vor der Ziellinie in Antholz, griff sich eine deutsche Fahne und wurde wenig später von ihren glücklichen Teamkolleginnen in die Arme genommen. Mit ihrem ersten Staffel-Saisonsieg haben sich die Biathletinnen beim Weltcup in Südtirol nach zuletzt durchwachsenen Leistungen in glänzender Form präsentiert und ihre Ambitionen auf die Titelverteidigung bei der WM in gut zwei Wochen in Tschechien untermauert. "Das war ein richtig guter Tag, wir können jetzt mit einem super Gefühl nach Nove Mesto fahren", sagte Miriam Gössner, in diesem Winter schon zweimal Sprintbeste in Weltcuprennen: "Es ist eine perfekte Motivation für die Weltmeisterschaften. Es macht im Moment richtig viel Spaß mit der Staffel. Wir wollen da weitermachen." Die 22-Jährige aus Garmisch setzte sich gemeinsam mit Franziska Hildebrand (Clausthal-Zellerfeld), Nadine Horchler (Willingen) und Andrea Henkel (Großbreitenbach) nach viermal sechs Kilometern souverän vor Russland und Frankreich durch. Enttäuschend verlief dagegen der Auftritt ihrer männlichen Kollegen, die beim Sieg Frankreichs nur auf Rang sieben landeten.

Exzellent war ebenfalls die Stimmung im Lager der Skirennläufer. Felix Neureuther brüllte seine Freude durch den Zielraum von Wengen, Viktoria Rebensburg schlenderte in Cortina d'Ampezzo beseelt von Gratulant zu Gratulant. "Das ist ein ganz besonderes Wochenende für uns, da gehen Träume in Erfüllung", jubelte Alpindirektor Wolfgang Maier. Binnen eineinhalb Stunden hatten Rebensburg mit ihrem überraschenden Sieg beim Super-G und Neureuther mit dem Triumph beim Slalom-Klassiker nicht nur Maier große Hoffnungen auf eine erfolgreiche WM gemacht. Und das, obwohl Maria Höfl-Riesch, die über Jahre beste deutsche Skirennläuferin, zwei Wochen vor Beginn der Titelkämpfe in Schladming/Österreich arg schwächelt.

Cortina d'Ampezzo in Italiens Dolomiten und Wengen in der Schweiz - zwei verkorkste Abfahrten am Sonnabend, zwei Siege am Sonntag. Maier hatte Mühe, das Gefühlschaos in Ordnung zu bringen. "Dass der Felix in Wengen gewinnt, ist eine Sensation. Das ist das erste Mal, dass er den Hirscher in freier Wildbahn erlegt." Die Sache mit Marcel Hirscher meinte Maier scherzhaft, aber sie hatte auch einen sportlichen Kern. Bei seinem vierten Weltcup-Sieg profitierte Neureuther nicht von einem Fehler des besten Torläufers. Diesmal war es auch kein von den Athleten geringer geschätztes Parallel-Rennen wie in München, wo Neureuther im Finale über Hirscher siegte. Es war ein richtiger Slalom, ein echter Klassiker noch dazu. "Es ist wichtig, den Marcel mal geschlagen zu haben", sagte Neureuther über seinen Erfolg zur rechten Zeit.

Der war auch Rebensburg 90 Minuten zuvor gelungen. "Das ist kein schlechter Zeitpunkt, um ein Rennen zu gewinnen", sagte sie. In der Tat: Es war der letzte Super-G vor der WM. Bis zu deren Beginn stehen noch drei Torläufe an, am 5. Februar geht es für die Frauen los - mit einem Super-G. Bis zu Rebensburgs zehntem Weltcup-Sieg, dem zweiten im Super-G, galten die Deutschen dort nicht gerade als Medaillen-Anwärterinnen, zu schwach waren die Leistungen zuvor. "Das ist Balsam auf die Wunden", sagte Maier deshalb erleichtert, "mit den Mädels hatten wir zuletzt ja nicht gerade Traumergebnisse." Rebensburg war bei ihrem Erfolg im Riesenslalom von Are/Schweden die letzte Rennläuferin des Deutschen Skiverbandes (DSV) auf einem Weltcup-Podium, es folgten acht Rennen ohne "Stockerl"-Platz - bis Rebensburg jetzt zuschlug.

Doppeltriumph in Seefeld

Getoppt wurden diese Leistungen allerdings noch von einem Weltmeister. Beim Weltcup der Nordischen Kombinierer in Seefeld schlug Eric Frenzel aus Oberwiesenthal gleich doppelt zu. Erst stürmte er im Alleingang zum ersten Weltcupsieg seit über einem Jahr, dann ließ er der Konkurrenz auch im Kampf Mann gegen Mann keine Chance. Mit dem Doppeltriumph für Frenzel und den Plätzen drei und vier für Tino Edelmann haben sich auch die Kombinierer vier Wochen vor den Weltmeisterschaften in Italien in die Favoritenrolle katapultiert. "Wir stehen momentan richtig gut da. Wir haben uns aus einem kleinen Loch herausgezogen und kommen pünktlich zur WM in Form. Die wollen wir jetzt noch weiter steigern und dann in Val di Fiemme richtig zuschlagen", sagte Frenzel. Björn Kircheisen als Achter und Fabian Rießle auf Rang neun machten das hervorragende Abschneiden der DSV-Mannschaft perfekt. "Wir werden jetzt aber kein Nachlassen dulden", betonte Bundestrainer Hermann Weinbuch.