Tennis

Kerber und Görges fliegen als letzte Deutsche raus

Tennis-Frauen scheitern im Achtelfinale von Melbourne

Als die Menge aufschrie, um die frühere French-Open-Siegerin Li Na zu beglückwünschen, hielt Julia Görges erst einmal inne und spielte sich mit der Hand am Zopf. Stiller Protest gegen einen Matchball zum 6:7, 1:6, den sie trotz des großen Rückstandes so nicht akzeptieren wollte. Es war ihr Aufschlag, den die Chinesin returnierte. Zu lang, wie Görges empfand. Doch sie stand einfach zu dicht am Ball und spielte ihn deswegen ins Netz. So klärte es jedenfalls der Computer auf. Er zeigte an, dass der Ball auf die Grundlinie prallte und machte so die an Nummer sechs gesetzte Li zur Siegerin. Jetzt akzeptierte Görges ihr Aus bei den Australian Open. Damit sind nach dem Achtelfinale alle 14 gestarteten Deutschen raus.

Denn zuvor war auch die an Nummer fünf gesetzte Kielerin Angelique Kerber gescheitert. Beim 5:7, 4:6 im Achtelfinale gegen Jekaterina Makarowa (Russland) waren ihr die Probleme im Lendenbereich deutlich anzumerken. "Ich habe das schon seit zwei, drei Tagen. Trotzdem will ich die Niederlage nicht auf den Rücken schieben. Ich hatte meine Chancen, habe sie aber nicht genutzt", sagte die Norddeutsche. Selbst eine fünfminütige Behandlungspause, das Tapen des unteren Rückenbereichs und zwei Schmerztabletten halfen während des Matches in der mit 13.000 Zuchauern gefüllten Rod-Laver-Arena nicht. Die Wimbledon-Halbfinalistin, die eine genaue Diagnose erst nach einer Untersuchung in Deutschland erhalten wird, war sichtlich niedergeschlagen: "Natürlich bin ich enttäuscht, denn ich wollte noch eine Runde weiter kommen." Dort hätte im Kampf um den Einzug ins Halbfinale die Russin Maria Scharapowa gewartet.

Fed-Cup-Kollegin Görges ärgerte sich derweil noch Stunden später über den wohl entscheidenden Schlag, als sie ihren einzigen Satzball beim Stand von 6:5 im Tiebreak aus zwei Metern Entfernung direkt ins Netz beförderte, nachdem Li die Filzkugel zuvor nur mit dem Rahmen getroffen hatte. "Dieser Punkt hat mir das Genick gebrochen. Es hätte einen großen Unterschied gemacht, wenn ich den ersten Satz gewonnen hätte", meinte die 24-jährige Görges, die damit weiter auf ihre erste Viertelfinal-Teilnahme bei einem Major-Turnier warten muss: "Aber das wird passieren, das weiß ich. Diese Erfahrung wird mir helfen. Ich bin aber spielerisch da angekommen, wo ich hin möchte."