WM-Kolumne

Vertrauen ist der Anfang von allem

Bob Hanning wünscht sich weniger Wechsel

Die Niederlage unserer Mannschaft gegen Tunesien hat auch eine gute Seite. Das mag komisch klingen, aber es ist extrem wichtig, dass der Mannschaft aufgezeigt wird, dass Teamgeist das eine, Abrufen und Kreieren von Situationen unter Stress jedoch das andere ist.

Das Spiel hat deutlich gezeigt, dass der Weg, den wir zu beschreiten haben, kein einfacher ist. Unsere Mannschaft hat es nicht geschafft, Lösungen zu kreieren, die im Angriff dazu geführt haben, einzelne Spieler so in Position zu bringen, dass sie einen Vorteil haben.

Wir haben im Vorfeld gesagt, der Kader habe einen großen Vorteil, der in der Breite liegt. Keine Mannschaft kann sich gegen uns einen Spieler rausnehmen und sagen, der ist so überragend und allein Spiel entscheidend, den müssen wir unbedingt ausschalten. Der Nachteil dieses Systems ist aber auch, dass viele Spieler viele Wechselmöglichkeiten geben und man häufig versucht, viel zu probieren. Wie diesmal, als mit Christophersen, Fäth und Kneer gleich drei Spieler im linken Rückraum zum Einsatz kamen. Das tut dem Spiel allerdings nicht gut, weil du einfach keine Ruhe findest. Das System birgt also sowohl Risiko als auch Chance.

Wie können wir nun, gleich im wichtigen Spiel gegen Argentinien, erfolgreicher sein? Wir müssen - und nur das kann das Ziel sein - über die Abwehr in den Gegenstoß kommen. Funktioniert das, ist auch das Erreichen des Achtelfinals machbar.

Abseits des Sportlichen möchte ich noch etwas in eigener Sache anmerken: Es gab gleich vor unserem ersten WM-Spiel gegen Brasilien von einigen wie zum Beispiel Heiner Brand Kritik daran, dass ich mich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt öffentlich um das Amt des DHB-Vizepräsidenten beworben habe. Es hieß, mein Vorstoß käme zur Unzeit und störe die Konzentration der Mannschaft auf das Sportliche. Meine Bedeutung mit einem Ergebnis gegen Brasilien in Zusammenhang zu bringen, ist dann - mit Verlaub - doch ein bisschen zu hoch gegriffen. Das sind auch nur Scheingefechte, denen ich mich nicht stelle. In der Sache stelle ich mich hingegen immer jeder Diskussion.

Der Zeitpunkt ist von mir bewusst gewählt und auch der richtige, dazu stehe ich zu hundert Prozent. Genauso wie ich vor den Olympischen Spielen in London gesagt habe, es ist gut, wenn wir mal nicht dabei sind, weil wir dann mal reagieren müssen. Was wäre denn, wenn ich mich erst nach einem eventuellen Scheitern bei der WM äußern würde? Dann hieße es doch: Jetzt kommt er aus der Deckung...

Ich bin immer für klare Worte und Menschen mit Ecken und Kanten. Es gibt Menschen, die haben eine Meinung und es gibt eben Menschen, die haben keine Meinung. Die können dann natürlich auch nicht anecken. Ein solches Verhalten ist mir jedoch fremd.