Fußball

Dortmund holt Nuri Sahin nach Hause

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Oliver Müller

In der Saison 2010/11 machte er die Borussia zum Meister und ging zu Real Madrid. Nun ist der Türke wieder da

- Am Freitagabend um kurz nach 18 Uhr war Nuri Sahin wieder zu Hause, betrat erstmals wieder das Stadion, in dem er selbst vor anderthalb Jahren seinen kometenhaften Aufstieg zu einem der besten Mittelfeldspieler der Bundesliga so abrupt beendet hatte.

Mit einem breiten Lächeln im Gesicht setzte sich er sich auf das Podium, eingerahmt von Hans-Joachim Watzke, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, und Michael Zorc, dem Sportdirektor. Und es wirkte so, als ob die drei um die Wette strahlen.

"Nuri ist back", sagte Watzke stolz: "Und das ist auch gut so. Wir freuen uns sehr darüber." Der Kontakt zwischen den Verantwortlichen des Deutschen Meisters und des türkischen Nationalspielers sei nie abgerissen, seit der im Sommer 2011 den Verein verlassen hatte und für die damals in seinem Vertrag festgeschriebene Ablösesumme von zehn Millionen Euro zu Real Madrid gewechselt war. "Ich erinnere mich, was wir damals auf der Feier nach unserer Meisterschaft gesagt haben: `Nuri, Du bist unser Junge, wenn du irgendwann das Gefühl haben solltest, dass du zurück möchtest, dann steht unsere Tür für dich immer offen."

Vor einer Woche dann, erklärte Sahin, seien die ersten Gespräche über eine Rückkehr geführt worden. Trotzdem hatten Watzke und Zorc zum gleichen Zeitpunkt noch bestritten, dass Verhandlungen mit Sahin geführt werden. Erst vor "48 oder 49 Stunden", so Watzke, sei dann "ein Zeichen" von Real Madrid gekommen, dass ein Transfer möglich sei.

Jüngster Bundesligaspieler

Watzke bedankte sich ausdrücklich bei den Spaniern für ihre Kooperationsbereitschaft: "Real ist wirklich ein ganz großer Verein, die Verhandlungen sind sehr anständig gelaufen." So wird Sahin mit sofortiger Wirkung zunächst für sechs Monate bis Saisonende und dann für eine weitere Spielzeit ausgeliehen. Eine Kaufoption für die Zeit danach wurde zwar nicht offiziell bestätigt, gilt aber als wahrscheinlich. "Wir haben Stillschweigen vereinbart, aber wir haben das Lenkrad in der Hand", sagte Zorc.

Für Sahin geht durch diese überraschende Wendung eine anderthalbjährige Leidenszeit zu Ende. Bei Real konnte er sich auch aufgrund von Verletzungen nicht durchsetzen, absolvierte in seiner ersten Saison in der Primera Division gerade mal vier Spiele. Im August wurde Sahin dann an den FC Liverpool ausgeliehen, doch auch in England lief es nicht besser. Er brachte es nur auf sieben Spiele in der Premier League, erzielte dabei ein Tor.

"Ich bin überglücklich, wieder zu Hause zu sein", sagte er gestern bei der Pressekonferenz, zu der er auch von seiner Frau Tugba begleitet worden war. Er hätte die letzte Nacht vor Aufregung nur "drei, vier Stunden geschlafen". Beim BVB und in Dortmund kenne er jedes Gesicht, schließlich hat von seinem zwölften Lebensjahr an für den Verein gespielt. Hier ging er am 6. August 2005 als jüngster Spieler (16 Jahre, 355 Tage) in die Bundesliga-Geschichte ein, hier gewann er im Jahr 2011 seine erste Meisterschaft. "Als ich heute im Krankenhaus zum Medizincheck war und gesehen habe, wie sich die Krankenschwestern gefreut haben, wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe", sagte der mittlerweile 24-jährige Profi.

Am gleichen Tag gab es auch ein kurzes Telefonat mit Jürgen Klopp. Der Trainer und die Mannschaft von Borussia Dortmund weilen noch bis Sonnabend im spanischen La Manga. Erst nach deren Rückkehr wird Sahin ins Training einsteigen. Eine Einsatzgarantie fordern will er jedenfalls nicht. "Mir ist schon klar, dass sich die Jungs in den eineinhalb Jahren, in denen ich weg war, entwickelt und eine sehr erfolgreiche Zeit gehabt haben. Ich bin nicht hier, um jemand den Platz wegzunehmen."

Auf die Frage, was er Klopp in dem Telefonat gesagt habe, erklärte Sahin: "Ich habe ihm erklärt, dass er jetzt endlich wieder einen sicheren Elfmeterschützen hat." Bei allen technischen Fähigkeiten des Türken: Vom Elfmeterpunkt aus hatte er häufig versagt.

Seinen Vertrag in Dortmund vorzeitig bis 2017 verlängert hat Verteidiger Marcel Schmelzer (24). "Marcel ist ein wichtiger Baustein unserer nach wie vor jungen Mannschaft. Es entspricht der BVB-Philosophie, den eingeschlagenen Weg mit dem Kern dieses entwicklungsfähigen und identifikationsstiftenden Teams weiterzugehen", sagte Zorc.