Köpenicker SC

Köpenicks Mama kann nicht vom Volleyball lassen

Ilona Dröger ist bei Berlins Bundesligist unersetzlich

- Der Weg von der Spielerkabine in den VIP-Raum ist eigentlich nicht weit, doch Ilona Dröger braucht für die paar Meter meist eine halbe Ewigkeit. Während sich ihre Mitspielerinnen beim Köpenicker SC bereits am Buffet bedienen, unterhält sich die 33-Jährige gern noch ausführlich mit den Fans.

Seit acht Jahren spielt sie für den Volleyball-Erstligisten, mittlerweile kennt sie dort jeden Kartenabreißer, jeden Wurstverkäufer und jeden Trommler auf der Tribüne beim Namen. Als einzige aus dem aktuellen Aufgebot hat Ilona Dröger alle Bundesliga-Spielzeiten seit dem Aufstieg der Köpenicker mitgemacht. Am Mittwoch (19 Uhr, Sporthalle Hämmerlingstraße) empfängt sie mit ihrer Mannschaft den Allianz MTV Stuttgart.

Von ihren Mannschaftskameraden wird die Polin liebevoll Mama genannt. Bei Problemen kommen vor allem die Spielerinnen aus Osteuropa gern zu ihr, um sich Rat zu holen. Wenn eine von ihnen interviewt werden soll, kann es vorkommen, dass Ilona Dröger selbst das Gespräch führt und übersetzt. "Ich bin eben die Kapitänin und kümmere mich um die Mädels", sagt sie.

Je älter, desto besser

Auch auf dem Feld können sich ihre Kolleginnen stets auf die nur 1,79 Meter große Außenangreiferin verlassen. Neben der Kanadierin Rebecca Pavan ist Ilona Dröger die fleißigste Punktesammlerin. Auf dem Feld ist sie omnipräsent. Fast scheint es so, als werde Ilona Dröger mit zunehmendem Alter immer besser - und das, obwohl sie seit einigen Jahren tagsüber als Lehrerin an einer Privatschule arbeitet. "Die Erfahrung macht viel aus", sagt sie. "Ich lese das Spiel und ahne voraus, wohin der Gegner den Ball schlagen wird. Wenn man aufmerksam ist, kann man bei vielen Spielerinnen erahnen, was sie als nächstes machen werden."

Wie wichtig Ilona Dröger für den Köpenicker SC ist, wurde in den vergangenen Wochen mehr als deutlich. Vier Spiele lang musste sie wegen eines Innenbandanrisses verletzt zuschauen - nur einmal, beim Berlin-Brandenburg-Derby gegen den SC Potsdam, konnte der KSC in dieser Zeit siegreich das Feld verlassen. Mittlerweile sind die Hauptstädter auf Rang acht der Tabelle abgerutscht. Auch das Hinspiel gegen die Stuttgarter ging glatt mit 0:3 verloren.

Das Play-off noch im Blick

Beim Rückspiel am Mittwoch soll Ilona Dröger nun ihr Comeback feiern. "Es wird wahrscheinlich aber noch nicht für ein ganzes Spiel reichen", sagt Teammanager Sven Dröger, mit dem die Spielerin seit Juli 2009 verheiratet ist. Sie glaubt trotz der jüngsten Durststrecke noch immer fest an den Einzug in das Play-off. "Ich bin fest überzeugt, dass wir in dieser Saison erstmals den Sprung in die Endrunde schaffen", so die Kapitänin. Eine Vorentscheidung könnte bereits in den kommenden Partien fallen: Bis Anfang Februar treffen die Köpenickerinnen auf fünf vermeintlich leichtere Kontrahenten, die in der Liga auf den Plätzen fünf bis zwölf liegen. Ilona Dröger weiß: "Jetzt kommen die Gegner, die wir schlagen müssen."

Auch mit 33 Jahren hat sie noch immer Lust auf Volleyball. "Ich fühle mich immer noch fit", sagt die Sportlerin, die in Skarysko-Kamienna im Südosten Polens geboren wurde. Seit drei Jahren ist es deshalb dasselbe Spiel: Zu Saisonbeginn kündigt Ilona Dröger an, dass diese Saison nun wirklich ihre letzte im Trikot des Köpenicker SC sein wird - nur um dann doch noch ein weiteres Jahr dranzuhängen. "Diesmal ist es aber definitiv meine letzte Saison", betont die 33-Jährige, die dem Verein aber gerne als Trainerin verbunden bleiben möchte. Den A-Trainerschein hat sie bereits, so dass sie sich in Zukunft ganz der Familienplanung widmen kann. Ihr Mann Sven und sie wünschen sich ein Kind. Der Spitzname Mama, den ihr die Mannschaft gab, bekäme dann eine ganz neue Bedeutung.