Nebojsa Novoselac

Beim Wasserball geht es um Spaß und Stolz

Spandaus Novoselac über den neuen Job als Bundestrainer

- Seit dem 1. Januar 2013 ist Nebojsa Novoselac Bundestrainer der deutschen Wasserball-Männer. Der 38-jährige Serbe ist Nachfolger von Spandau-Legende Hagen Stamm, der nach zwölf Jahren Amtszeit zurückgetreten war, und seit 2006 Vereinscoach bei den Wasserfreunden und seit 2009 zugleich auch Stamms Assistent in der Auswahl. Mit Spandau wurde Novoselac sechs Mal Meister und fünf Mal Pokalsieger.

Novoselac kommt aus der Wasserballschule von Partizan Belgrad, wurde dort als Aktiver Meister und Pokalsieger und sammelte als serbischer Auswahl-Assistenztrainer Titel und Medaillen bei Olympia, WM und EM. Schon das Engagement in Spandau war ein Abenteuer. Das als Bundestrainer ist es erst recht. Verglichen mit Serbien ist Deutschland wasserballerisches Niemandsland. Novoselac, der die laufende Saison bei Spandau parallel zum Bundestrainer-Job beenden und sich dann auf letzteren konzentrieren wird, schreckt das nicht. "Es ist eine Herausforderung, und ich liebe Herausforderungen, die mich an Grenzen treiben", sagt er. Der Auftrag ist klar und durch den Vertrag bis 2016 umrissen: Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Rio. "Ich bin einer, der gerne etwas aufbaut und Engagements nicht wechselt wie die Hemden", bekundet er. "Ich sehe meinen Lebensmittelpunkt für die Zukunft in Deutschland. Über kurz oder lang wird sich das in der Staatsbürgerschaft ausdrücken." Deutsch spricht er fließend und problemlos, mit Gattin Sasa und den dreijährigen Zwillingen Viktor und Filip fühlt er sich in Berlin "sauwohl".

Serbe wechselt Staatsbürgerschaft

Wie schwer der Weg nach oben sein kann, hat der Serbe in den vergangenen Jahren in Spandau erfahren. "Wir haben es nicht geschafft, uns international wieder in der Spitze zu etablieren", gibt er zu. Ganz ähnlich ist es mit der Auswahl. Nach Platz fünf bei der EM 2012, wo man den späteren London-Goldgewinner Kroatien ausschaltete, scheiterte das Team ein paar Wochen später in Edmonton an Mazedonien in der Olympiaqualifikation. "Hagen Stamm hat mal gesagt, wir können gegen alle gewinnen, aber auch gegen alle verlieren. Mein Ziel muss es sein, dies zumindest für den zweiten Teil der Feststellung zu verändern", gibt er vor. "Ich will das Maximale aus den Möglichkeiten herausholen. Einmal Fünfter werden, ist gut und schön - aber kontinuierlich vorn zu sein, zählt viel mehr." Dabei weiß Novoselac sehr wohl, "dass man keine Wunder binnen eines Jahres erreichen kann".

Novoselac weiß, dass er Unterstützung braucht. "Allein habe ich keine Chance! Man braucht klare Ansagen, wie mit jungen Leuten gearbeitet werden oder eine bessere Trainer-Ausbildung realisiert werden soll." Vertrauen, Ehrlichkeit und Offenheit nennt er als Säulen seines Tuns. "Den wichtigsten Punkt meiner Arbeit aber sehe ich darin, eine gute Stimmung im Team zu schaffen. Das ist neben Arbeit, Arbeit, Arbeit die Basis. Die Jungs müssen mit Spaß und Stolz ins Becken springen, wenn sie für ihr Land spielen."