Lionel Messi

Der Größte kennt keine Grenzen

Lionel Messi zum vierten Mal Weltfußballer. Wieder eine Spitzenmarke für den kleinen Argentinier

- Am liebsten wollte er sich verstecken, den Anschein hatte es jedenfalls gestern Abend im Kongresshaus am Zürichsee. Es bedurfte schon eines kleinen Schubses von Jerome Valcke, des Generalsekretärs des Fußball-Weltverbandes Fifa, ehe sich Lionel Messi (25) allein in die Mitte der Bühne wagte. Mit dem Ballon d'Or, dem goldenen Ball, in den Händen, nahm er die Ovationen für die Auszeichnung zum Weltfußballer des Jahres 2012 entgegen. Zum vierten Mal in Folge ist der 1,69 Meter kleine Argentinier zum Größten seiner Zunft gewählt worden. Das hat es in der seit 1991 offiziell durchgeführten Wahl noch nicht gegeben

"Es ist einfach unglaublich, hier zum vierten Mal zu stehen", sagte der sichtlich gerührte Messi, der sich mit 41,60 Prozent der Stimmen gegen den Portugiesen Cristiano Ronaldo (23,68) von Real Madrid und seinen Teamkollegen Andres Iniesta (10,91) durchsetzte: "Ich danke vor allem meinem Team, den Spielern und Trainern für die Unterstützung, und meiner Familie und den Fans." Die Abstimmung wurde weltweit unter Journalisten sowie den Spielführern und Trainern der Nationalmannschaften durchgeführt. Messi selbst war sich jedoch nicht "sicher, ob das wirklich das beste Jahr war" und blieb gewohnt bescheiden. "Mich interessieren individuelle Titel nicht so sehr", sagte er. Wichtiger sei ihm das Team.

"Er erzielt nicht nur viele Tore, sondern viele großartige Tore. Und jedes ist schöner als das vorige", sagte sein früherer Trainer beim FC Barcelona, Pep Guardiola: "Es tut mir leid für diejenigen, die ihn entthronen wollen - das ist unmöglich."

Deutsche Profis spielten bei dem Festakt in der Schweiz keine Rolle. Als bester Deutscher belegte Mesut Özil (Real Madrid) mit 0,41 Prozent der Stimmen Rang 14, Torhüter Manuel Neuer (Bayern München/0,21) belegte Rang 19. Damit bleibt Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus der einzige deutsche Weltfußballer des Jahres (1990 inoffiziell, 1991).

Messi hatte mit 91 Toren im Kalenderjahr 2012 den 40 Jahre alten Torrekord von Gerd Müller (85 Tore) gebrochen. In Spanien gewann Messi mit Barcelona zwar "nur" den Landespokal - dafür verewigte sich der Argentinier bereits im März als erfolgreichster Torschütze in der Geschichte der Katalanen. In der Champions-League-Partie gegen Bayer Leverkusen (7:1) erzielte er zudem als erster Spieler überhaupt fünf Tore in einem Spiel der Königsklasse. Für den Argentinier scheint es weiter keine Grenzen zu geben.

Ohne Ehrung einer deutschen Fußball-Ikone kam die Gala jedoch nicht aus. Franz Beckenbauer erhielt für seine außerordentlichen Verdienste um den Fußball den Präsidenten-Preis aus den Händen von Fifa-Boss Joseph S. Blatter. Beckenbauer war auf der Bühne sichtlich bewegt nach der Auszeichnung. "Ich bin natürlich sehr gerührt, wenn man einen solchen Preis erhält", sagte Beckenbauer: "Ich habe in den letzten Jahrzehnten sehr viele Auszeichnungen bekommen, als Spieler, als Trainer oder als OK-Chef. Aber den Fifa Presidential Award zu bekommen, das gibt es nur einmal. Deshalb möchte ich dem Präsidenten danken, dass er an mich gedacht hat."

Wambach bei den Frauen vorn

Zur Weltfußballerin des Jahres wurde die US-amerikanische Olympiasiegerin Abby Wambach gewählt. Ähnlich wie Messi prägte Wambach das Spiel ihrer Nationalmannschaft. Die Stürmerin ist nach Mia Hamm (2001 und 2002) die zweite US-Amerikanerin, die mit dem prestigeträchtigen Titel ausgezeichnet wird. Der Dank galt vor allem ihrer Familie. "Meine Mutter hat mich im ganzen Land herum gefahren. Ich habe meinen eigenen Weg einschlagen dürfen", sagte Wambach, die mit 20,67 Prozent der Stimmen vor der Brasilianerin Marta (13,50) und ihrer US-Kollegin Alex Morgan (10,87) triumphierte: "Meine Familie war alles für mich und hat mich hierhin gebracht." Die 1,83 Meter große Wambach debütierte 2002 im Team der USA und erreichte seitdem in 198 Länderspielen mit 152 Treffern die beste Torquote der Geschichte. Einzige deutsche Weltfußballerin bleibt Birgit Prinz (2003 bis 2005).

Bei der Wahl zum Welttrainer hatte der spanische Nationalcoach Vicente del Bosque die Nase vorn. Del Bosque setzte sich mit 34,51 Prozent der Stimmen vor Jose Mourinho (Real Madrid/20,49) und Ex-Barcelona-Coach Guardiola (12,91). Zur Frauen-Welttrainerin wurde Pia Sundhage für ihre Verdienste als US-Nationaltrainerin gekürt. Die Schwedin bedankte sich mit einem Loblied auf ihre Spielerinnen für die Auszeichnung.

In die Mannschaft des Jahres wurde - wie schon in den vergangenen beiden Jahren - kein deutscher Spieler berufen. "Das kann ich nicht verstehen", sagte Lothar Matthäus nach der Gala über die Zusammenstellung des Teams, in dem ausschließlich Spieler aus der spanischen Primera Division gewählt wurden. "In den ersten Reihen waren einige, die den Kopf geschüttelt haben." Alle elf Geehrten spielen beim FC Barcelona oder Real Madrid, mit Ausnahme des Kolumbianers Ramadel Falcao (Atletico Madrid).