Volleyball

BR Volleys bleiben auch ohne ihren Kapitän auf Erfolgskurs

Scott Touzinsky wollte wenigstens nach dem Spiel kurz auf dem Feld sein.

- Auf Krücken humpelte der kürzlich am Meniskus operierte Kapitän der BR Volleys also auf das Parkett, wo kurz zuvor seine Mannschaft auch ihr 13. Saisonspiel in der Volleyball-Bundesliga siegreich beendet hatte. 3:0 (25:20, 25:16, 25:21) hieß das Resultat nach 1:13 Stunden gegen den CV Mitteldeutschland, der zwar zuletzt dreimal in Folge gewonnen hatte, aber ohne Chance blieb, dem Tabellenführer die erste Niederlage zuzufügen. Vor knapp 4000 Fans in der Schmeling-Halle waren die Berliner hochüberlegen. Sie haben die zweiwöchige Weihnachtspause offenbar gut überstanden.

Einer, der besonders strahlte, war Roko Sikiric. Der Kroate durfte für den US-Amerikaner Touzinsky in die Startformation rücken und machte seine Sache sehr ordentlich, nicht nur, weil er den Matchball verwandelte. "Roko hat gut gespielt", fand Trainer Mark Lebedew. Überrascht war er davon nicht. "Er hat ja auch schon gegen Haching und Friedrichshafen ganz entscheidende Punkte für uns geholt." Der gewohnt zuverlässige Sikiric war bemüht, seine Leistung nicht zu hoch zu hängen. "Ich bin froh, die Chance bekommen zu haben", sagte er ausweichend, "wir haben immer gesagt, dass unsere Mannschaft aus zwölf Spielern besteht. Jeder hat seinen Anteil am Erfolg."

Das war gestern nicht anders. Die Ausgeglichenheit schien sogar besonders groß zu sein. Mit Robert Kromm (13), Sikiric, Tomas Kmet (je 12) und Felix Fischer (9) teilten sich die BR Volleys die Punkte sehr effektiv auf. Weil Paul Carroll nicht seinen besten Tag erwischt hatte, wurde mehr der Weg durch die Mitte gesucht, was insbesondere Fischer und Kmet nutzten. "Wir haben das als einen der Punkte ausgemacht, die es zu verbessern gilt", lobte Lebedew. Experiment geglückt.

Allerdings wurde trotz des klaren Erfolgs und obwohl die Mitteldeutschen nie die Chemie wie ihr Gegner fanden sichtbar, dass es einige Abstimmungsprobleme gab. Da fehlte als Organisator und Kommunikator der Amerikaner, der Anführer auf dem Feld. "Wir mussten erst unseren Rhythmus finden", sagte Sikiric. Der 31-Jährige wiederum brachte seine Stärken recht gut ins Spiel, vor allem variable und sehr gefährliche Aufschläge, während in der Ballannahme nicht alles nach Wunsch lief - dies allerdings nicht nur bei ihm.

Mit dem siegreichen Jahresauftakt gelang auch Schritt eins in Richtung der großen Herausforderung, die am 16. Januar auf die BR Volleys wartet: ihr Champions-League-Achtelfinalhinspiel gegen Zenit Kasan. Um diesem Kontrahenten, zurzeit beste Klubmannschaft Europas, wenigstens einen Satz abnehmen zu können, bedarf es sicher einer erheblichen Steigerung. Vorher hat Lebedews Team noch ein Auswärtsspiel in Moers zu bestreiten, um sich darauf einzustimmen. Zumindest scheint die Sorge, dass ohne Touzinsky die Aufgabe ein völlig hoffnungsloses Unterfangen werden dürfte, unbegründet zu sein. Nicht allein, aber auch durch die gute Leistung von Roko Sikiric.