Fußball

Neue rassistische Vorfälle in Italiens Fußball-Liga

Lazio-Fans verhöhnen kolumbianischen Spieler

- Nur zwei Tage nach der konsequenten Aktion von Kevin-Prince Boateng gegen Fremdenhass haben Rassismus-Vorfälle den Fußball in Italien erneut überschattet. Beim Serie-A-Spiel zwischen Lazio Rom und Cagliari Calcio (2:1) beschimpften die Lazio-Ultras den dunkelhäutigen Gästespieler Victor Ibarbo. Aus ihrer Kurve ertönten in der ersten Halbzeit Pfiffe und hämische Rufe gegen den Kolumbianer. Daraufhin wandte sich Cagliaris Generaldirektor Luciano Marroccu an den Schiedsrichter und drohte mit dem Abzug der Mannschaft, sollten die Pfiffe nicht verstummen. Ibarbo versicherte aber, dass er das Spielfeld nicht verlassen werde, selbst wenn die Schmährufe anhalten sollten. Das Match wurde fortgesetzt.

Der gebürtige Berliner Boateng hatte am Donnerstag im Testspiel gegen Pro Patria anders gehandelt und das Spielfeld verlassen, weil er und seine dunkelhäutigen Teamkollegen von gegnerischen Fans mit Affenlauten verhöhnt worden waren. Die Partie wurde abgebrochen, weil auch Boatengs Mitspieler aufhörten zu spielen. Für die Reaktion erhielten Boateng und sein Team europaweit viel Anerkennung. Im Nachrichtendienst Twitter bezeichnete Boateng die Zwischenfälle in Rom am Sonntag als "sehr traurig". Marroccu sprach von "verwerflichen Vorfällen". Er habe den Schiedsrichter angesprochen, weil die Rufe zu laut geworden seien. "Aber den Beschluss über den Abbruch des Spiels muss der Schiedsrichter fällen", sagte der Manager von Cagliari.

Klub-Präsident verteidigt Fans

Lazio-Präsident Claudio Lotito hielt sich mit Kritik an den eigenen Anhängern zurück. "Unsere Fans sind keine Rassisten. Ich denke, dass die Fan-Gemeinschaft insgesamt bewertet werden muss, und unsere ist intakt. Einige wenige Rassisten können nicht das Gesamtbild beeinflussen." Von "einigen wenigen" zu sprechen, ist allerdings gerade bei Lazio problematisch. Das Ultra-Lager der "Irriducibili" bleibt seit Jahrzehnten unverhohlen einer rechten Gesinnung treu. Im Jahr 2005 stellte sich Lazio-Kapitän Paolo di Canio nach dem 3:1-Sieg im Derby gegen den AS Rom vor die Kurve und zeigte den "römischen Gruß", dem Hitlergruß ähnlich.

Vorwürfen unter anderem durch den ehemaligen Milan-Star Clarence Seedorf, er habe durch seine Aktion der pöbelnden Minderheit zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, widersprach Boateng. Rassismus dürfe nicht mehr toleriert werden. Ibarbo handelte allerdings nach Seedorfs Sichtweise. Von vielen Seiten bekamen Boateng und Milan am Sonntag weiteren Zuspruch. Auch die Arbeits- und Sozialministerin Elsa Fornero rief an. "Sie hat uns allen zu unserer Entscheidung in Busto Arsizio gratuliert", berichtete Milan-Trainer Massimiliano Allegri. Juventus Turins Coach Antonio Conte fand die Entscheidung richtig, stellte aber auch die Frage, was in einem ähnlichen Fall in einem offiziellen Spiel passieren würde. "Wird das Spiel dann gegen das Team gewertet, dessen Fans sich daneben benommen haben, werden wir viele Abbrüche sehen", prophezeite Conte.