Motorsport

Rasender Buchhalter mit dem Hang zur Perfektion

Berliner Gottschalk startet heute in die Rallye Dakar

- Die Anreise verlief reibungslos, die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Timo Gottschalk, 2011 Sieger der Rallye Dakar, ist bereit für das nächste Abenteuer auf vier Rädern. In Lima (Peru) startet der 38-jährige Berliner heute in die erste Etappe der 34. Auflage des berühmt-berüchtigten Wüstenspektakels. Doch anders als bislang wird Gottschalk seine Fahranweisungen nicht dem Katarer Nassar Al-Attiyah per Mikrofon zurufen, sondern dem zweimaligen Rallye-Weltmeister und Dakar-Sieger Carlos Sainz, den er aus gemeinsamen Jahren als Werkspiloten bei Volkswagen kennt.

Sainz' bisheriger spanischer Co-Pilot Lucas Cruz (beide gewannen die Dakar 2010 - 2:10 Minuten vor Al-Attyiah/Gottschalk) lenkt dafür die Geschicke im Al-Attiyah-Auto. Man hat getauscht. "Ich kenne Timo sehr gut. Er ist vom Charakter einer wie ich. Immer penibel, immer zuverlässig im Auto. Wenn er etwas macht, dann immer mit hundert Prozent", erklärt der 50 Jahre alte Spanier Sainz, warum er diesmal mit dem Berliner Off-Road-Spezialisten zusammenspannt.

Bei Gottschalk klingt das etwas emotionaler. "Carlos ist im Rallye-Sport eine Legende. Allein das hätte für mich gereicht, mich auf die Dakar zu freuen, obwohl ich fast schon mit den Wüstenrennen abgeschlossen hatte." Ein Dakar-Sieg ist schließlich nicht zu toppen. Sainz/Gottschalk und Al-Attiyah/Cruz gehen 2013 für das Qatar Red Bull Rallye Team in einem neuen Renn-Buggy an den Start. Teile des Budgets für die 8400 Kilometer von Lima nach Santiago de Chile (14 Etappen) kommen aus der Schatulle von Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz (63).

Die Chancen auf eine erneute Fahrt zum Gesamtsieg schätzt Gottschalk aber nur als "dezent" ein. "Die Rallye ist eine riesige Herausforderung für das Team und natürlich auch für die Technik. Wir konnten den Buggy kaum testen, es kann eine Menge schief gehen. Aber natürlich werden wir versuchen, vorn mitzufahren." Als Mitglied der VW-Motorsportabteilung ist Gottschalk unter anderem in die Entwicklung des künftigen Rallye-WM-Fahrzeugs (dem Polo WRC) eingebunden gewesen. Zusätzlich bestritt er mit Nachwuchs-Pilot Sepp Wiegand (Zwönitz) Wettbewerbe. Wegen seiner Dakar-Zusage kann Gottschalk nicht mit Wiegand die Rallye Monte Carlo (ab 16.1.) bestreiten.

Karriere begann in Ruppiner Heide

Nicht sicher ist, ob sich Gottschalk wieder auf ein kleines Hufeisen als Glücksbringer verlassen will. Definitiv entschieden ist, dass sich Gottschalk wieder auf seine akribische Arbeit für das sogenannte Roadbook, die möglichst perfekte Streckenbeschreibung, verlassen kann. "Ich brauche in der Vorbereitung pro 100 Kilometer Strecke etwa eine bis eineinhalb Stunden", so der "rasende Buchhalter", dessen Liebe zum Geländesport als Junge auf einem knallroten MZ-Motorrad-Gespann in der Ruppiner Heide begonnen hatte.

Seinen berufsmäßigen Einstieg, von vornherein mit dem Ziel Co-Pilot, hat Gottschalk zielstrebig verfolgt. Als Pizzabote finanzierte er sein Ingenieurstudium der Fahrzeugtechnik, um das nötige Hintergrundwissen zu erlangen. Nach Einsätzen in der klassischen Rallye-WM, die immer noch seine eigentliche Liebe ist, wechselte er 2007 zu VW in den Marathon-Sport. Sein Dakar-Debüt 2009 mit Dieter Depping (Hannover) endete auf Platz sechs. Seine Rolle in der Öffentlichkeit beschreibt Gottschalk so: "Wenn der Co-Pilot einen Fehler macht, sieht man das sofort, denn meistens kostet es viel Zeit. Und wenn er keinen Fehler macht, dann heißt es, der Fahrer sei toll. Aber ein guter Fahrer mit einem schlechten Co hat keine Chance, vorne dabei zu sein." Und Gottschalk fügt hinzu: "Der Fahrer hat das Sagen, wie schnell wir fahren, ich habe das Sagen, wohin gefahren wird."