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"Wir müssen den Wintersport zu den Stadtmenschen bringen"

Mit mehr Rennen wie in München wollen die alpinen Skifahrer Publikum locken. 17.000 Fans feiern Sieger Felix Neureuther

- Ein bisschen neidisch sei er ja auf Stefan Raab, sagt Günter Hujara: "Was der alles organisieren kann an verrückten Sachen. So etwas kann sich ein Sportverband nicht erlauben." Skirennen mit Bratpfannen an den Füßen nach Vorbild von Raabs Wok-WM oder so? Besser nicht! Die Alpinen sorgen aber auch so für Gaudi, jedenfalls mühen sie sich seit Jahren, ihren Weltcup anzureichern mit Veranstaltungen abseits der hohen Berge. Hujara ist Rennleiter im Ski-Weltverband Fis, mit Verve treibt er die Verbreitung sogenannter City-Events voran - Parallelslalom-Wettkämpfe in großen Städten wie jenem gestern auf dem Münchener Olympiaberg München.

Dort feierten rund 17.000 Zuschauer die Sieger Veronika Velez Zuzulova (Slowakei) und natürlich ganz besonders Felix Neureuther. "Es ist was anderes, wenn man einen Spezialslalom gewinnt oder einen Klassiker", sagte der Bayer. "Aber hier von der nervlichen Anspannung ist es fast noch schlimmer, deshalb ist es für mich ein echter Weltcup-Sieg." Erst am Freitag hatten die Veranstalter bestätigt, dass die zweite Auflage nach 2011 trotz hartnäckiger Plustemperaturen im Gegensatz zum Vorjahr überhaupt stattfinden konnte - 40 LKW-Ladungen Schnee aus Reit im Winkl sei dank. "Unsere Zielsetzung ist klar", sagt der 60-jährige Hujara: "Raus in die Städte, Interesse wecken bei den Leuten für alpine Skirennen."

Sogar 25.000 Menschen sahen vor zwei Jahren im Münchner Olympiapark zu, aber noch aus einem anderen Grund fühlen sie sich bei der Fis bestätigt in ihrem Bestreben, dauerhaft Stadtrennen im Rennkalender zu verankern: "Zwei Stunden Liveübertragung im Fernsehen am Neujahrstag - das ist eine hervorragende Situation. Auch deswegen kämpfen alle für das Event in München." Der zweite Parallelslalom dieses Winters soll am 29. Januar in Moskau ausgetragen werden, zweimaliger Gastgeber bereits 2009.

Kampf Mann gegen Mann

Unter den besten Skifahrern der Welt sind die Wettbewerbe im K.-o.-System mit je 16 Starterinnen und Startern nicht unumstritten. Während die einen hinter vorgehaltener Hand über ein sportlich zweifelhaftes Vergnügen murren, freuten sich andere wie die gestern früh gescheiterte Maria Höfl-Riesch oder Neureuther "extrem" auf München: "Die Premiere vor zwei Jahren war der Hammer. Ich habe jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an die Zuschauermassen denke." Der Österreicher Marcel Hirscher, im Finale Neureuther unterlegen, sieht die Sache pragmatisch: "Mehr Show als Rennen", sei so ein Event, aber es sei dennoch "enorm wichtig für uns. Wir müssen den Wintersport zu den Stadtmenschen bringen".

Die Wettkampfform des Parallelslaloms ist für Olympiasieger Markus Wasmeier "Unterhaltung auf hohem sportlichem Niveau". Er sagt: "Solche Aktionen hat es zu meiner Zeit auch schon gegeben. Wir sind in Wien gefahren, in München, in Berlin auf dem Teufelsberg. Das ist wie mit Rockkonzerten: Man kennt zwar das Lied, aber wenn man den Musiker live erleben kann, ist das noch mal was anderes."

Um tatsächlich die Besten zu locken, vergibt der Weltverband in dieser Saison in München und Moskau erstmals nicht bloß Punkte für die Gesamtweltcupwertung, sondern auch für die Slalom-Spezialwertung. Startberechtigt sind in den beiden Parallelwettbewerben des Winters die jeweils zwölf besten Slalomfahrer sowie die vier Erstplatzierten des Gesamtweltcups. Längst reichen die Pläne der Fis weit voraus. City-Events sollen dauerhaft im Kalender verankert werden. München hat vom Weltverband schon jetzt Planungssicherheit bis 2015 bekommen, andere scharren in den Startlöchern, maximal drei solcher Rennen soll es geben.

Circus Maximus als Austragungsort

Nicht ohne Stolz verweist Fis-Mann Hujara auf das Interesse weiterer Großstädte. Der italienische Skiverband etwa möchte 2014 oder 2015 in Rom ein Rennen aufziehen. Der spektakuläre Plan zielt auf den Circus Maximus ab, in den die Skiläufer mit Streitwagen gebracht werden könnten. Wann gefahren werden kann, hängt jedoch auch mit technischen Fragen zusammen. Etwa jener, wie reif die Möglichkeit effektiver Kühlschlangen unter dem Schnee ist. Zudem plant eine Gruppe von Investoren gemeinsam mit dem US-Skiverband ein City-Event in New York. "Die Pläne werden geprüft", sagt Günter Hujara. Er betont: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben." Er wisse allerdings nicht, juxte Fis-Präsident Gian Franco Kasper neulich, "ob der Papst dann in Rom den Vorläufer gibt oder nicht".