FC Bayern München

Sammer: "Ich werde auch weiter dazwischenhauen"

Bayerns Sportdirektor über seine ersten Monate in München

- Mit Matthias Sammer (45) holte sich der FC Bayern erstmals seit Jahrzehnten einen Mann in eine verantwortliche Position, der nie selbst in dem Verein gespielt hatte. Im Gespräch mit Morgenpost-Mitarbeiter Florian Kinast äußert er sich zu seiner Zeit in München.

Berliner Morgenpost:

Was haben Sie in den ersten Monaten als Sportdirektor des FC Bayern über sich gelernt, Herr Sammer?

Matthias Sammer:

Dass ich mich so einbinden muss, dass es Bayern München dient. Der Anfangshype um meine Person war sicher nicht gut, vor allem für die Außendarstellung von Trainer Jupp Heynckes.

Doch Sie müssen zugeben, so richtig greifbar ist Ihr Aufgabengebiet nicht.

Das liegt daran, dass man mit der Funktion eines Sportdirektors im deutschen Fußball nicht viel anfangen kann. Es geht mir darum, den Verein von den Profis bis zur Jugend strategisch so aufzustellen, um nachhaltig und langfristig Leistung besser steuern zu können. Und wenn ich Leistung besser entwickeln kann, dann wird der Erfolg wahrscheinlicher. Meine Arbeit hier beim FC Bayern wird man frühestens in drei, vier Jahren richtig bewerten können. Dann ist hoffentlich das, was ich hier mache, erkennbar.

Damit machen Sie deutlich, dass Sie hier langfristig bleiben wollen.

Die Dinge, für die man mich beim FC Bayern München eingestellt hat, brauchen ihre Zeit. Das bedeutet nicht, dass ich keinen Druck spüre. Druck in der Zusammenarbeit mit so herausragenden Persönlichkeiten wie Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner und Jupp Heynckes ist überragend. Mich fasziniert die Möglichkeit, diesen besonderen Menschen jeden Tag den Beweis erbringen zu können, wie ich denke, dass ich verlässlich bin, was hinter meinen Ideen steckt.

Geht das wirklich gut, mit so vielen Alphatieren in der Führungsebene? Wie sind denn die Reibungen gerade mit Hoeneß und Rummenigge?

Ich spreche lieber von einer Direktheit, in der man die Dinge in diesem großen Verein anspricht. Diese Direktheit, ohne Umschweife schnell auf den Punkt zu kommen, ist hier stark ausgeprägt. Ich weiß nicht, wo es das sonst noch gibt. Allein so eine Kommunikationsebene zu erleben, das ist für mich einmalig.

Mit der Harmonie zwischen Ihnen und Heynckes war es aber nach dem Spiel in Bremen nicht weit her. Sie holten nach dem sechsten Sieg im sechsten Spiel zum großen Rundumschlag aus. Hatten Sie die Wirkung Ihrer Worte unterschätzt?

Die Reaktionen darauf waren für mich nur ein Beleg für die Oberflächlichkeit, mit der wir hier in Deutschland argumentieren. Ich habe nichts anderes gesagt als Spieler und Trainer. Überraschend war vielleicht der Zeitpunkt meiner Äußerung, weil ich bis dahin nicht viel gesagt hatte. Aber man hat mich genau deswegen geholt. Zu beobachten, zu mahnen, wenn ich das Gefühl habe, dass es uns zu gut geht.

Sie forderten bei Ihrem Antritt eine Aufbruchsstimmung ein. Spüren Sie die bei den Spielern?

Es bestand so ein bisschen die Gefahr, den Glauben an die eigene Stärke zu verlieren. Nur weil man Zweiter wird, darf man nicht anfangen, Titeln blindlings hinterherzurennen. Wenn wir an der Leistung konzentriert weiterarbeiten, mit höchsten Ansprüchen das Training umsetzen, dann kommen die Titel zu uns.

Sind die Spieler nicht irgendwann genervt, wenn sie ein Spiel nach dem anderen gewinnen, die Vorgesetzten aber unentwegt vor dem Schlendrian warnen?

Es sind Hinweise auf Dinge, die Normalität sein sollten. Stellen Sie sich mal vor, wir würden nicht darauf hinweisen, und am Ende erleben wir wie im Vorjahr die böse Überraschung. Dann würde jeder sagen: Warum habt ihr denn nicht gewarnt?