Premier League

Torwart Tremmel genießt die Saison seines Lebens

Der Ex-Keeper von Hertha BSC und Energie Cottbus fand bei Swansea City sein Glück. Morgen gegen Manchester United

- Gerhard Tremmel lebt gerade seinen Kindheitstraum. Mit 34 Jahren steht der langjährige Torwart von Hertha BSC (2004 bis 06) und Energie Cottbus in der Premier League zwischen den Pfosten. Und mit seinen "Schwänen" von Swansea City hat er mal eben an der Liverpooler Anfield Road gewonnen (3:1 im Achtelfinale des Ligapokals), im Emirates Stadium den FC Arsenal düpiert (2:0 in der Premier League). Morgen will er nun auch Manchester Uniteds Superstars Wayne Rooney und Robin van Persie stoppen (14.30 Uhr, Sky). "Es ist immer toll, gegen so talentierte Spieler und so große Vereine anzutreten", sagt "Big G". So nennen sie den 1,90-Meter-Mann in Wales - oder schlicht: "German".

Tremmel zeigt starke Leistungen, seit sich Stammtorwart Michel Vorm Ende Oktober an der Leiste verletzt hat. Der Oberbayer genießt "jeden Moment" seiner "tollsten Karrierezeit", wie er selbst sagt. Er ist ein Fußballprofi, der völlig bodenständig daherkommt. Über die Arbeit mit dem namhaften Trainer Michael Laudrup meint er: "Ich finde es grundsätzlich super, ihn auch als Persönlichkeit kennenzulernen. Solche Sportgrößen kriegt man ja nicht allzu häufig zu Gesicht."

"Swansealona" mischt die Liga auf

Tremmel passt mit seiner Art zu Swansea City, dem urig familiären Klub, der als Einlaufsong das rebellische "Thunderstruck" von AC/DC durch die Boxen des Liberty Stadiums donnern lässt und der im zweiten Jahr der Ligazugehörigkeit noch ein Idyll ist in der kommerzwütigen Premier League. "Ja, der Verein hat eine eigene Note. Man weiß um seine Außenseiterrolle", erklärt Tremmel. Die ganze Region, abgesehen von Cardiff, sei extrem stolz, dass ein walisischer Verein in der Premier League spielt - und das ziemlich erfolgreich (derzeit Platz zehn). "Das Drumherum - diese unglaubliche Freundlichkeit und Leidenschaft der Leute - ist etwas ganz Besonderes", findet Tremmel.

Besonders ist auch, dass Swansea für sehr technischen Fußball steht - deshalb der Spitzname "Swansealona". In der Vorsaison witzelten Fans bereits: "Der FC Barcelona ist das Swansea City Spaniens." Derweil spielt eine kleine spanische Armada um Topscorer Michu in Wales. Golf-Star Sergio García schaute jüngst vorbei und bekannte: "Ich bin Fan von Real Madrid und von den Schwänen." Garcías Schwester ist mit Pablo Hernández im Team liiert.

Überall findet man Schafe

Tremmels Frau macht derzeit ihr Jura-Staatsexamen in Berlin. Beide sehen sich nur alle 14 Tage. Doch wer meint, der gebürtige Münchner wolle nach der touristisch attraktiven Station RB Salzburg aus Wales am liebsten Reißaus nehmen, irrt. "Wales kommt sehr schlecht weg in ganz Europa. Aber es ist toll, landschaftlich unglaublich schön", sagt Tremmel, der mit den Bradley-Wiggins-Koteletten und dem roten Haar glatt als Brite durchgeht. Swansea, zweitgrößte Stadt in Wales, liegt direkt an der Südküste. Tremmel sieht vom Balkon aus das Meer. Das Klischee "Wales gleich Schafe" stimme indes: "Die sieht man hier überall. Das haben wir jetzt erst wieder im Liga-Cup in Middlesbrough zu spüren bekommen. Da gab's Frotzel-Gesänge über unsere Schafe."

The Swans zeigten Humor und zogen unbeirrt ins Halbfinale ein. Zuvor hatten Tremmel und Co. im Liga-Pokal in Liverpool gewonnen. "Das kann mir keiner mehr nehmen." Nach dem 2:0 bei Arsenal hatte der Deutsche zwischenzeitlich die beste Quote aller Premier-League-Keeper (88 Prozent gehaltene Schüsse). Dann kamen zwei Dämpfer für den Tabellenzehnten (3:4 gegen Norwich und 0:1 gegen Tottenham), aber wieso sollte "Swansealona" nicht auch der Coup gegen Spitzenreiter und Rekordmeister Manchester United gelingen? Und Stammtorwart Vorm muss bei seiner zu Weihnachten angepeilten Rückkehr erst mal an "Big G" vorbei.