Gesundheit

Blatter fordert Opern-Verhältnisse beim Fußball

Fifa-Präsident will Alkohol- und Tabak-Verbot im Stadion

- Es weihnachtet, die Menschen machen sich Gedanken um das Wohl ihrer Liebsten und Schutzbefohlenen. Sepp Blatter, Präsident des Weltfußball-Verbands Fifa, sieht sich da offenbar in einer besonderen Verantwortung. Er hat die wohl größte Familie der Welt. Dreimal war er verheiratet, und er hat eine Tochter. Eigentlich, dass hat er oft genug betont, sei er aber mit dem Fußball verheiratet.

Der globale Fußball ist seine Familie. Unermüdlich versucht er ihn zu verbessern, das will ihm niemand absprechen. All' die unappetitlichen Korruptionsfälle im Reiche Blatters wollen wir um Weihnachten herum nicht thematisieren.

Dieser Tage hat der mächtigste Mann des Fußballs ein schönes Geschenkpaket für seine Groß-Familie geschnürt, das eine interessante Idee enthält. Blatter will das drogenfreie Stadion. Die Idee kam ihm auf einem Weinfest, präzise der Gala des Branchenverbands der Walliser Winzer. Er sei dafür, dass in den Stadien künftig Alkohol- und Rauchverbot herrsche. Er habe "in der Oper und im Theater noch nie jemanden rauchen sehen". Ingo Schiller, Geschäftsführer von Hertha BSC, wundert sich: Ob Oper oder Theater, er sehe dort regelmäßig in den Pausen das Publikum angeregt plaudern mit einem Glas Champagner oder Weißwein in der Hand.

Rauchfreie Zonen bei Hertha

Im Übrigen, hat schon Otto Rehhagel gewusst, "ist der Fußball das Theater der kleinen Leute". Das stimmt auch nicht mehr ganz, aber es steckt einige Wahrheit drin. Der kleine Mann will nach einer harten Arbeitswoche ein bisschen Spaß und Wohlfühl-Atmosphäre beim Fußball. Weshalb Karl-Heinz Rummenigge erst neulich betonte: "Drei Dinge gehören zusammen: Fußball, Bratwurst und Bier." Von Zigaretten sprach er nicht. Mancher will darauf im Stadion dennoch nicht verzichten, mag das Bundesgesundheitsministerium noch so sehr warnen. In der Bundesliga und auch im Olympiastadion bei Hertha BSC gibt es rauchfreie Zonen, etwa in VIP-Räumen oder Familien-Blocks. Unter freiem Himmel werden sie eigentlich nirgends eingefordert. Weshalb es in unseren Stadien vieles gibt, aber gewiss keine Raucher-Debatte. Dass sie nun Blatter anstößt in einer Zeit, da die Ultras auf die Barrikaden gehen mit dem Vorwurf, die Verbände wollten eh' lieber ein Theater- oder Opern-Publikum, hat die Wirkung eines klassischen Eigentors. Die DFL, deren Konferenz über die Sicherheit im Stadion gerade unter Polizeischutz stattfand, wird sich herzlich bedanken.

Wollen wir die Dinge jedoch nicht dramatisieren: Blatter-Ideen werden, ungeachtet seiner Machtfülle, gewöhnlich nicht umgesetzt. Sie dienen eher der Volksbelustigung. Im Internet kursieren Ranglisten seiner schlechtesten Ideen. Ganz weit oben: Im April 1995 wollte Blatter dem Privatfernsehen zu Liebe Auszeiten einführen, zwei pro Halbzeit. Die Werbepausen im Spiel sollten ab der Saison 1996/97 Standard werden. Im Januar 1996 überkam Blatter das Mitleid mit den Stürmern dieser Welt, weshalb er die Tore vergrößern lassen wollte. Der Verdacht, dass er womöglich eine Aluminium-Fabrik betreibe, ließ sich nicht erhärten. Nun, die Tore blieben, wie sie sind, und Sepp Blatter blieb, wie er ist. Kreativ, umtriebig, unmöglich. Ferner auf seiner Ideen-Liste: weg mit dem Elfmeterschießen bei WM-Finales, weg mit Unentschieden bei WM-Vorrunden, und eigentlich wollte er auch keine Verlängerung mehr sehen, seit es kein Golden Goal mehr gäbe.

Blatter hat in all den Jahren seiner schier unendlichen Amtszeit nicht nur destruktive Kritik geübt. Vor der Frauen-WM 2011 etwa ließ er verlauten, es sei für die Zuschauer attraktiver, wenn die Spielerinnen künftig in Hotpants aufliefen. Phantasien eines älteren Herrn. Eine US-Nationalspielerin war sogleich Feuer und Flamme für den neuesten Blattschuss aus der Schweiz. "Aber nur wenn Sepp Blatter seine Pressekonferenzen künftig im Badeanzug gibt." Darauf warten wir noch und auf viele schöne neue Ideen des guten Menschen aus dem Wallis. Aber das nächste Weinfest kommt bestimmt.