Erfolg

Aufstieg ist leider kein Schulfach

Handballerin Bianca Trumpf riskiert durch Erfolg mit den Spreefüxxen ihre Zukunft als Lehrerin

Mit der ersten Liga hatte Handballerin Bianca Trumpf eigentlich abgeschlossen. Vorbei die Zeiten, in denen die Rückraumspielerin der Spreefüxxe Berlin ihr Leben komplett nach dem Sport ausrichtete und pro Woche bis zu zehnmal in der Halle stand, wie es im Oberhaus üblich ist. Stattdessen kümmerte sie sich um ihre berufliche Zukunft. Die 29-Jährige ist angehende Grundschullehrerin, im kommenden Jahr wird sie in Berlin ihr Referendariat beginnen. Nebenbei spielt Bianca Trumpf allerdings weiterhin für die Füchse-Frauen in der Zweiten Liga. Dort steht die beste Torjägerin der Liga nun vor einem Dilemma: Mit jedem Treffer, den sie erzielt, bringt sie ihren Klub näher an die Bundesliga heran - obwohl sie dort doch eigentlich gar nicht mehr hinwollte.

Gestern schlugen die Spreefüxxe - derzeit Dritter - in der Sporthalle Charlottenburg den aktuellen Tabellenzweiten, die SG BBM Bietigheim, mit 29:28 (18:17). Es war ein echtes Spitzenspiel, durch den Erfolg konnten die Gastgeber nach Pluspunkten mit den Schwaben gleichziehen, die allerdings noch eine Partie weniger absolviert haben als die Berlinerinnen. "Wenn alle fit sind, können wir jeden schlagen", hatte Trumpf vorher noch zu Recht erklärt. Sie erzielte zehn Treffer.

Bislang lautete das Saisonziel der Spreefüxxe offiziell Klassenerhalt, doch inzwischen scheut sich Managerin Britta Lorenz auch nicht mehr vor der Aussage, oben mitspielen zu wollen. Zu einem möglichen Aufstieg der Spreefüxxe sagt sie: "Die erste Liga wäre für uns sportlich schwer und finanziell sehr schwer zu stemmen". Die Vereine im Oberhaus hantieren zum Teil mit Budgets von über einer Million Euro - weit mehr als die Füchse, die sich trotz des prominenten Namens mit einem niedrigen sechsstelligen Etat begnügen müssen.

Frau kann nicht davon leben

Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass viele Bundesliga-Spieltage unter der Woche stattfinden. Die Spielerinnen der Spreefüxxe, allesamt Amateure, müssen dann arbeiten oder weilen in der Uni.

Aus diesem Grund entschied sich einst auch Bianca Trumpf, einen Schlussstrich unter ihre Erstliga-Karriere zu ziehen. Eine Saison lang war sie für den TV Beyeröhde, einen Verein aus Wuppertal, im Oberhaus auf Torejagd gegangen, danach zwei Jahre für den Frankfurter Handball Club. Während der Zeit in Frankfurt/Oder begann sie zu studieren, wenngleich es ihr anfangs doch sehr schwer fiel, Sport und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. "Das war kein Teilzeitstudium, sondern ein Teilzeit-Teilzeitstudium", sagt sie. Damals konnte sie noch damit leben, doch mit der Zeit wuchs die Erkenntnis, dass sie für ihre Zukunft vorsorgen müsse. "Im Handball verdient man nicht so viel, dass man später davon leben kann", sagt Bianca Trumpf und fügt hinzu: "Erst recht nicht im Frauenhandball!"

Für die junge Mannschaft der Spreefüxxe ist die Handballerin mit ihrer Erfahrung Gold wert. "Sie ist sehr, sehr wertvoll für uns", lobt Managerin Britta Lorenz. "Sie übt viel Druck aus und beschäftigt den gegnerischen Rückraum, so dass Lücken auch für die anderen Spielerinnen entstehen."

Trotzdem würde sich Bianca Trumpf selbst nie als Star der Mannschaft bezeichnen, trotz ihrer bereits 103 Treffer in der laufenden Saison. "Wir sind als Team erfolgreich. Ohne die Hilfe der Anderen könnte ich gar nicht so viele Tore erzielen", sagt sie bescheiden.

In Berlin fühlt sich die 29-Jährige wohl - so sehr, dass sie sogar ihren Vorsatz brechen und es doch noch einmal in der ersten Liga versuchen würde. "Wenn ich mit den Spreefüxxen aufsteige, dann würde ich nicht Nein sagen und mir die Doppelbelastung ans Bein binden", sagt sie und lacht: "Notfalls nutze ich eben die langen Busfahrten, um meinen Unterricht vorzubereiten und Klassenarbeiten zu korrigieren."