Bundesliga

Neuer Spielmacher für Alba

Je'Kel Foster hilft aus bis Saisonende. Beim Ligagipfel heute gegen Meister Bamberg muss der Amerikaner aber noch zuschauen

- Da wunderten sich sogar die Verantwortlichen bei Alba Berlin. "Das ging schneller als gedacht", sagt Geschäftsführer Marco Baldi. Eigentlich galt die volle Konzentration dem Bundesliga-Gipfel heute in der O2 World (15 Uhr, Sport1) gegen die Brose Baskets Bamberg. Danach, zu Beginn der kommenden Woche, hoffte der Basketballklub, Vollzug melden zu können bei der Suche nach einem Ersatz für den am Knie verletzten Spielmacher Vule Avdalovic. Doch nun waren gestern Vormittag auf einmal bereits die notwendigen Papiere des abgebenden Vereins und des wechselwilligen Spielers da.

Der Neue heißt Je'Kel Foster, kommt vom belgischen Spitzenklub Spirou Charleroi und bekommt in Berlin einen Vertrag bis zum Ende der Saison.

Der US-Amerikaner ist in der Bundesliga kein Unbekannter. Der 29-Jährige spielte in Ludwigsburg (2006/2007), führte 2009 Oldenburg zum Meistertitel und stand 2011/2012 bei Bayern München unter Vertrag. Er erzielte dort 15,4 Punkte und kam auf 5,1 Assists. Eigentlich galt sein Kontrakt in München noch für ein weiteres Jahr, aber in der Sommerpause gab es Dissonanzen, die damit endeten, dass die Bayern Foster den Laufpass gaben, der danach in Belgien anheuerte.

Bei Bayern München abserviert

Gestern Abend kam Foster in Berlin an. Heute Vormittag steht die obligatorische sportmedizinische Untersuchung auf dem Programm. Am Nachmittag wird er allerdings nur auf der Tribüne sitzen, wenn sein neues Team auf den Meister der vergangenen drei Jahre treffen wird. "Natürlich ist es ein Vorteil, dass man den Spieler genau kennt", sagt Baldi. Zudem sei gut, dass Foster "voll im Saft steht". Für Charleroi erzielte Foster in acht Ligaspielen 11,3 Punkte und kam auf 1,8 Assists.

Baldi sieht den Zugang "nicht als reinen Pointguard", er erfülle jedoch genau das Anforderungsprofil von Cheftrainer Sasa Obradovic, der ja fast immer mit mindestens zwei Guards spielen lässt. "Er wird sich gut mit Heiko Schaffartzik und DaShaun Wood ergänzen", glaubt Obradovic. "Guter Wurf, Teamplayer, erfahren", sagt Baldi über Je'Kel Foster. Der 29-Jährige wurde frei, weil Charleroi (dort spielt auch der ehemalige Alba-Profi Derrick Allen) im Eurocup ausgeschieden ist und die Belgier jetzt ihr Team umbauen.

Foster sollte also heute gleich einen guten Eindruck erhalten, was in Berlin auf ihn zukommen wird. Besseren Anschauungsunterricht kann er sich gar nicht wünschen. Nihad Djedovic, sein neuer Teamkollege, bringt die Sache auf den Punkt: "Es geht darum, wer die Nummer eins in Deutschland ist." Zwar ist der Bosnier auch erst seit einigen Monaten beim Klub, aber er hat schnell verstanden, dass ein Spiel zwischen Alba Berlin und den Brose Baskets Bamberg etwas ganz Besonderes ist, das Duell schlechthin. "Vor allem auch für die Fans", hat Djedovic festgestellt.

Entsprechend heiß sind alle vor der Partie. Die Anhänger beider Teams haben sich in den entsprechenden Fan-Foren schon "warm gelaufen". Da sind auf YouTube Albafans zu sehen und zu hören, die sich mit mehr oder weniger lustigen Bemerkungen zum Thema "Wir schlagen Bamberg, weil..." äußern. In der Pressemitteilung der Bamberger liest man zwischen den Zeilen, dass man die Berliner Aktion für ziemlich daneben hält.

Auf höchster Ebene hingegen ist man sehr freundlich miteinander umgegangen. Gegenseitig wurde sich brav gratuliert. Denn beide Mannschaften haben ja das Top 16 in der Europaliga erreicht. "Eine grandiose Geschichte", sagt Bambergs Geschäftsführer Wolfgang Heyder. Baldi erklärt: "Bei aller Rivalität: Es ist sensationell, dass beide Mannschaften das geschafft haben." Alle hätten "Bamberg die Daumen gedrückt".

Doch jetzt ist sich selbst wieder jeder der nächste. Und niemand fragt danach, dass den Spielern die Strapazen der vergangenen Tage noch in den Knochen stecken. Die Bamberger mussten am Donnerstag in die Verlängerung gehen, um sich das Weiterkommen in der Europaliga durch ein 92:90 gegen Partizan Belgrad zu sichern. Alba kam nach dem Trip nach Tel Aviv (62:78 bei Maccabi) erst am Freitagabend wieder zurück in die Heimat.

Spiel eins von zehn möglichen

Beide Teams müssen mit der Doppelbelastung Bundesliga und Europaliga leben. Jetzt kommen für das Duo in Europa weitere 14 Spiele hinzu. Heyder spricht von einer "unmenschlichen Belastung", Baldi von "aufreibenden Monaten". Gewöhnen könne man sich an die Doppelbelastung nicht, meint Schaffartzik: "Das bleibt ein permanenter Willenskampf, der unsere gesamten Kräfte abruft." Baldi ist sich sicher, dass "alle alles geben werden", weil es "wie ein Endspiel" sei.

Bisher hatten die Auftritte der Mannschaften auf europäischer Ebene das Duell der Erzrivalen in den Schatten gestellt. Jetzt steht es voll im Fokus. "Das Spiel ist ein Klassiker, der durch die Teilnahme beider Mannschaften an den Top 16 zu neuem Glanz erwacht", meint Heyder. Und der Clou bei der Sache ist ja auch noch, dass sich Berliner und Bamberger nun auch in der europäischen Beletage gegenüberstehen. Sie haben die gleiche Achtergruppe erwischt, die durch Real Madrid, Panathinaikos Athen, ZSKA Moskau, Unicaja Malaga, Efes Istanbul und Zalgiris Kaunas vervollständigt wird.

Es ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams in dieser Saison, es könnte jedoch ein Dauerbrenner werden. Theoretisch können die beiden Teams bis zum Juni kommenden Jahres zehn Mal gegeneinander spielen: zweimal in der Bundesliga-Punkterunde, einmal im Pokal, zweimal in der Europaliga - und fünfmal in einer Best-of-five-Serie im Play-off.

Doch nun findet erst einmal Teil eins statt. "Mehr geht nicht", sagt Baldi, "es spielt Erster gegen Zweiter, auch wenn die Tabelle etwas anderes sagt." Die Bamberger führen mit 20:2 Punkten vor Ulm (18:8), Alba ist Vierter (16:4), wobei die Berliner drei Spiele weniger als die Ulmer ausgetragen haben. "Mit unserer Leidenschaft und den Fans im Rücken können wir es schaffen", sagt Baldi. Und bald hilft ja nun auch Je'Kel Foster mit.