Eishockey

Aus der Traum für die Eisbären

Berliner Eishockeyteam unterliegt im Viertelfinale um die European Trophy bei den Vienna Capitals 2:3 nach Verlängerung

- Die ganz großen Tage im Wiener Eishockey, die gibt es nicht so oft. Deshalb wurde es schon vorher etwas hymnisch. Musik von den Toten Hosen lief, "An Tagen wie diesen". In dem Song klingen Gefühle mit, Sehnsucht, die Lust nach großen Tagen eben. Und so einer war das Viertelfinale in der European Trophy gegen den EHC Eisbären ja für die Vienna Capitals. Sie durften dabei sein bei den besten Acht im besten Klub-Turnier des Kontinents.

Sie dürfen es auch weiterhin, denn überraschend schlugen die Capitals den Deutschen Meister mit 3:2 (0:0, 1:0, 1:2, 1:0) nach Verlängerung. Für die Berliner lohnte sich die Reise also nicht, statt eines langen Trophy-Wochenendes wurde es nur ein Kurztrip, was vor allem den 200 anwesenden EHC-Fans wenig Vergnügen bereitete.

Motivation war bei Wien genug vorhanden. Allein die seltene Chance zu zeigen, dass man mit den Klubs aus den großen Ligen mithalten kann, genügte als Ansporn. Aber es gab ja noch mehr Anreize. Sich gegen die Deutschen, den in Hassliebe verbundenen großen Nachbarn, zu profilieren etwa. Auch spielen bei den Capitals einige Profis, die schon in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) aktiv waren, und nun demonstrieren wollten, dass es sie in der oft abschätzig betrachteten österreichischen Liga nicht viel schlechter getroffen hat.

Aber die große, die internationale Bühne war doch das, was allen, auch den lautstarken Fans in der Arena, das Herz am meisten erwärmte. Wien ist Hauptstadt, und an solchen Orten sind Erwartungen immer riesig. Davon können die Eisbären unendliche Geschichten erzählen. Aber im Gegensatz zu den Wienern erfüllen die Berliner diese auch. Die Capitals hingegen wurden in den vergangenen 50 Jahren nur einmal Meister, 2005 war das. Die Berliner feierten in den zurückliegenden acht Spielzeiten sechs Titel. Und 2011 wurden sie Champion der European Trophy.

Aber die Caps sind wieder dabei, in der Liga belegen sie Platz eins und hatten dort zuletzt noch am Dienstag gegen Salzburg gespielt (4:2), den Vorjahressieger der Trophy. Dagegen mussten den Eisbären sechs Tage nicht im Wettkampf antreten. Ruhephasen tun der Mannschaft von Don Jackson gewöhnlich gut, doch gegen die aufgedrehten Gastgeber wirkten die Berliner erst einmal, als würden sie gerade aus einem längeren Urlaub kommen. Permanent wurden sie überrannt, bekamen die schnellen Angreifer des Gegners kaum zu fassen.

Einen Mann wie Daniel Briere hätten die Eisbären, denen Claude Giroux und Matt Foy fehlten, da gut gebrauchen können, um Ruhe ins Spiel zu bringen. Der NHL-Star war zwar dabei, erhielt nach einer Rippenverletzung aber nur sporadische Einsätze in Überzahl. Sein erster Auftritt allerdings war denkwürdig, bevor er überhaupt seinen ersten Wechsel hatte, regte er sich über eine Bully-Entscheidung so auf, dass er aufs Eis gelaufen kam und reklamierte (14.). Danach war er für die Wiener Fans nicht mehr der große NHL-Star, sondern der Buhmann.

Die Sache mit dem Außenseiter: Wien galt als das leichteste Los im Viertelfinale. Zwar fanden die Eisbären besser ins Spiel, aber in den Griff bekamen sie die Capitals nicht. Vielmehr entwickelte sich ein aufgeregtes Spiel, in dem beide Mannschaften vor allem versuchten, Tore zu erzielen - und weniger, sie zu verhindern. Allerdings zeigten sich die Wiener dabei in der Defensive immer noch besser aufgestellt als die Eisbären.

Das war zuletzt auch schon in der heimischen Liga der Trumpf der Caps. Bis auf eine Großchance von Frank Hördler (27.) erlaubten sie den Eisbären dann auch nicht viele freie Schussbahnen. Dagegen musste sich Torhüter Rob Zepp regelmäßig gegen Konter wehren. Als Josh Soares freistehend irgendwie angeschossen wurde, konnte er jedoch nicht parieren (39.). Der Treffer hatte sich abgezeichnet.

Umwerfen lassen sich die Eisbären von solchen Situationen aber nur selten, wenn es um etwas geht. Sie können kämpfen. Doch gegen die Wiener brachten sie einfach zu selten die nötige Konsequenz in ihre Aktionen, gerade so, als hätten sie den Österreichern einen derartigen Willen nicht zugetraut. Die wurden nicht müde, den Berlinern die Passwege zu verstellen; sie liefen unermüdlich eng am Mann, so dass bei Jacksons Team kaum ein vernünftiges Kombinationsspiel entstand. Erst spät glückte mal ein Zusammenspiel, das Mads Christensen mit einem Tor abschloss (48.). Doch zuvor hatte Daniel Woger für die Capitals den zweiten Treffer erzielt (47.). Kurz vor Schluss allerdings gelang Darin Olver im Nachstochern noch der Ausgleich (60.), der die Berliner in die Verlängerung rettete und noch einmal Dramatik in die Partie brachte. Was nicht viel nutzte, da André Lakos dann den Siegtreffer erzielte, als Constantin Braun auf der Strafbank saß (63.).

Damit stehen die Gastgeber, die diesen großen Tag noch lange feierten, nun im Halbfinale und treffen am Sonnabend auf Lulea Hockey. In Bratislava treffen Tappara Tampere und Färjestad aufeinander.

Die Eisbären bekamen die Auswirkungen der Niederlage übrigens bald zu spüren: Am Freitagmorgen um 5:15 Uhr war Abfahrt vom Hotel zum Flughafen.