Schwimmen

Steffen ist in ihrer neuen Heimat angekommen

Seit Dezember trainiert und lebt die Berlinerin in Halle

- Gleich an ihrem ersten Trainingstag in ihrer neuen Heimat brach Schwimmstar Britta Steffen das Eis. Für das traditionelle Spendenschwimmen des Vereins SV Halle/Saale zog die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 wie selbstverständlich eine halbe Stunde ihre Bahnen. Rentner und Kinder feuerten sie an und schlossen die manchmal unnahbar wirkende Berlinerin sofort ins Herz. "Ich wusste, dass hier nicht die Prinzessin kommt, aber danach wussten es auch alle anderen", sagte ihr neuer Heimtrainer Frank Embacher.

Der Start in den neuen Lebensabschnitt ist also geglückt. Seit Anfang Dezember trainiert und lebt die Weltrekordlerin Seite an Seite mit ihrem Freund Paul Biedermann. Das erste gemeinsame Heim sei bereits gefunden, doch der Einzug sei erst zum Jahreswechsel geplant, verriet Embacher. So lange wohne das Schwimm-Traumpaar noch bei Biedermanns Eltern. Sportlich sind beide schon einen Schritt weiter, das wollen sie auch bei der Kurzbahn-WM zeigen, die bis zum Sonntag in Istanbul stattfinden. "Britta hat sehr intensiv trainiert. Sie spornt Paul richtig an, das hatte ich gehofft", sagte Embacher über die Eindrücke der ersten gemeinsamen Trainingstage: "Manchmal hat sie ihm auch zugerufen: Jetzt musst du aber auch mal vor mir sein".

13 Siege im Weltcup

Biedermann hatte zuletzt zugegeben, nach dem medaillenlosen Abschneiden bei den Sommerspielen in London in ein Motivationsloch gefallen zu sein. Um Olympia zu verdauen, müsse er in Istanbul schon "zweimal Weltmeister werden und zweimal Weltrekord schwimmen", sagte der 26-Jährige. Embacher verriet, dass er zwar seine Lehren aus den Olympiarennen gezogen habe, diese in die tägliche Trainingsarbeit aber noch nicht umsetzen konnte. "Paul ist noch nicht so weit, dass er offen für konkrete Umstellungen wäre", sagte der Coach.

Früher hat Britta Steffen die Kurzbahn vernachlässigt. In dieser Saison hat die Berlinerin alle acht Weltcups bestritten und insgesamt 13 Siege eingefahren. Bei der Kurzbahn-DM in Wuppertal blieb sie ungeschlagen. Ob sich der Schritt weg von ihrem langjährigen Heimtrainer Norbert Warnatzsch hin zu Embacher sportlich auszahlt, wird sich erst mittelfristig zeigen. Für die Titelkämpfe in Istanbul ist die frühere Weltmeisterin aber zuversichtlich. "Ich hatte nicht so viele Erholungstage nach den acht Weltcupstationen und der Deutschen Meisterschaft, dennoch konnte ich letzte Woche gut in Halle trainieren und freue mich auf die Weltmeisterschaft", sagte die 29-Jährige.

In Istanbul werden die beiden Ausnahmeathleten, die zuletzt scharfe Kritik an der verbandsinternen Aufarbeitung des Olympia-Debakels geübt hatten, auch den neuen Schwimm-Bundestrainer begrüßen. Der soll am Freitag vor Ort vorgestellt werden. Dabei soll es ich um den Essener Henning Lambertz handeln.