Hertha BSC

Luhukay bremst Lasogga: Kein Einsatz in 2012

Herthas Abstiegslehre: Lieber ein Überangebot im Sturm

- Rings um Hertha BSC herum wird reichlich spekuliert. Da wird das letzte Punktspiel des Jahres am Sonnabend gegen den FSV Frankfurt zum "Abschiedsspiel für Adrian Ramos" hochgejazzt (13 Uhr, Olympiastadion). Weil der Stürmer aus Kolumbien für viele Millionen Euro im Winter verkauft werde. Bei Immerhertha.de, dem Blog der Berliner Morgenpost, wird diskutiert, ob Pierre-Michel Lasogga zu seinem 21. Geburtstag ein Geschenk erhält: Einen klitzekleinen Einsatz für den Publikumsliebling gegen Frankfurt, nachdem Lasogga seit Mai wegen eines Kreuzbandrisses pausieren musste. Trainer Jos Luhukay staunt bei solchen Fragen. "Man darf nicht die lange Zeit vergessen, die Pierre verletzt war. Wenn jemand sieben Monate verletzt war, kann er nicht nach zwei Wochen Training gleich schon wieder spielen." Somit wird Lasoggas Geburtsgeschenk in einem 1a-Platz auf der VIP-Tribüne bestehen.

Kein Angebot für Ramos

Auch bei Ramos hat sich ungeachtet diverser Schlagzeilen die Lage nicht verändert. Manager Michael Preetz hat im rbb-Sportplatz sein Mantra wiederholt: "Über allem in dieser Saison steht der Aufstieg. Dafür brauchen wir eine starke Mannschaft. Wir wollen, dass Adrian in der Rückrunde für Hertha BSC spielt."

Gleichwohl gilt die Aussage, dass bei einem Multimillionen-Angebot für Ramos, der Verein sich mit dem Spieler zusammensetzen werde. Nur: Das Transferfenster ist vom 1. bis 31. Januar geöffnet. Die Anzahl der Angebote für Ramos, Stand heute, liegt bei null.

Hinter diesen Schattengefechten wird indessen etwas anderes deutlich: Hertha BSC ist in der Offensive sehr gut und sehr breit aufgestellt. Da konkurrieren jetzt schon Ramos (sechs Saisontore), Sami Allagui (4), Sandro Wagner (3), Änis Ben-Hatira (3), Ben Sahar (2) um die Einsatzzeiten. Alle sind verschieden, was sie eint ist ein brennender Ehrgeiz. Und zum Jahresbeginn 2013 stößt nun noch Lasogga dazu.

Das macht sechs Kandidaten für ein oder zwei Positionen. Damit hat Hertha genau die gegenteilige Situation verglichen mit der vergangenen Saison, die bekanntlich mit dem Bundesliga-Abstieg geendet hat. Diese Konstellation des Überangebotes ist bei der Kaderzusammenstellung gewollt worden von Manager Michael Preetz und Trainer Luhukay.

Eine Situation weitgehend ohne Konkurrenz lässt die Stürmer zwar ruhig schlafen lässt. Im Vorjahr wussten Ramos und Lasogga, dass sie eh' meist aufgestellt würden. Als Ramos jedoch in eine anhaltende Formkrise rutschte, hatte Hertha keine Qualität im Kader, um das auszugleichen. Deshalb entschied sich die sportliche Leitung für ein Überangebot im Sturm. Wenn bei Hertha im Lauf einer Partie etwa Wagner, Allagui oder Sahar eingewechselt werden, knirschen die Gäste-Trainer mit den Zähnen. Dieses Trio würde bei jedem Konkurrenten in der Startelf stehen. Der Erfolg gibt dem Hauptstadt-Klub soweit recht. Hertha ist nicht nur sein 16 Spielen ungeschlagen und liegt dicht hinter Spitzenreiter Braunschweig auf Platz zwei. 34 Treffer bedeuten auch Liga-Bestwert.

40 Prozent mehr Gehalt in Liga eins

Allerdings weiß Manager Preetz beim Stichwort Überangebot in der Offensive: "Das ist ein schmaler Grat." Weil Stürmer ungeduldige, nervöse Typen sind, die sich zeigen wollen. Ob Wagner, Allagui oder Sahar, alle geben unumwunden zu: Natürlich wollen wir mehr spielen. Am liebsten Wochenende für Wochenende in der Startelf. Es spricht für ihren Charakter, dass die größte Unruhe, die bisher zu verzeichnen war, in einer Allagui-Aussage bestand: "Wenn ich weiter so wenig spiele, kann ich mir nicht vorstellen, meinen Vier-Jahres-Vertrag hier zu erfüllen."

Trainer Luhukay moderiert die Spannung in der Offensive bisher sehr gut. Selbst Sahar, der dachte, er würde überhaupt nicht mehr eingesetzt werden, spielte seit Anfang November bei allen sechs Begegnungen in Folge.

Mit der Rückkehr des bekanntermaßen ebenfalls sehr ambitionieren Lasogga wird es noch etwas diffiziler für Luhukay, die Balance zu wahren. Aber es gibt ein überragendes Argument für alle Beteiligten, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen: Im Fall des Aufstieges verdient in der Bundesliga jeder Stürmer 30 bis 40 Prozent mehr Gehalt.