Chronologie

Auf die Sexvorwürfe folgte eine Schlammschlacht

Der Fall Amerell/Kempter sorgte in Fußball-Deutschland für großes Aufsehen. Eine Chronologie der Ereignisse

- Kaum ein Thema beschäftigte die Fußballszene in Deutschland so sehr, wie die Turbulenzen um Schiedsrichter Manfred Amerell und seinen Kollegen Michael Kempter. Die Berliner Morgenpost dokumentiert den Verlauf:

17. Dezember 2009: Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter wendet sich an den Schiedsrichterchef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Volker Roth, und teilt ihm mit, von Obmann Manfred Amerell sexuell bedrängt worden zu sein.

15. Januar 2010: Roth informiert den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger.

4. Februar: Der DFB beruft eine Präsidiumssitzung zum Fall Amerell ein. In der Folge melden sich weitere Schiedsrichter beim DFB und geben an, von Amerell sexuell belästigt worden zu sein.

10. Februar: Die Vorwürfe gelangen an die Öffentlichkeit, Amerell bestreitet sie.

12. Februar: "Aus gesundheitlichen Gründen" zieht sich Amerell als Sprecher der deutschen Schiedsrichter zurück.

24. Februar: Der DFB erklärt den Fall nach dem Rücktritt für abgeschlossen.

8. März: Amerell reicht bei der Staatsanwaltschaft München Strafanzeige gegen Kempter und drei weitere Schiedsrichter wegen Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen und Verleumdung ein.

17. März: Amerell erstreitet beim Landgericht Augsburg eine einstweilige Verfügung gegen DFB-Präsident Theo Zwanziger. Er darf demnach die Affäre nicht mehr mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche vergleichen.

18. März: Kempter erwirkt vor dem Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen Amerell. Dem 63-Jährigen wird damit verboten, private E-Mails oder SMS von Kempter an ihn "zu veröffentlichen und/oder zu verbreiten".

12. April: Zwanziger scheitert vor dem Landgericht Augsburg mit einem Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung.

16. April: Amerell zeigt Kempter beim Kontrollausschuss des DFB an. Er wirft ihm vor, bei einem Leistungstest 2008 Ergebnisse zugunsten von zwei Kollegen manipuliert zu haben.

26. Mai: Mangels hinreichenden Tatverdachts beendet die Staatsanwaltschaft Augsburg die Ermittlungen gegen Amerell wegen sexueller Nötigung und gegen Kempter wegen Verleumdung. Die Verfahren gegen drei weitere Schiedsrichter (falsche eidesstattliche Versicherung, üble Nachrede, Verleumdung) werden ebenfalls eingestellt.

24. Juli: Amerell reicht beim Landgericht Hechingen eine Schadenersatzklage gegen Kempter ein. Wegen übler Nachrede und Verleumdung möchte er in diesem Zivilprozess 150.000 Euro erstreiten.

5. November: Zwanziger darf nach einem Urteil des Amtsgerichts Augsburg weiter behaupten, dass Amerell Amtspflichten verletzt habe.

10. Februar 2011: Der erste Verhandlungstag im Schadenersatzprozess Amerell/Kempter endet ohne Ergebnis. Es kommt zur Schlammschlacht.

17. Februar: Amerell lehnt einen Vergleichsvorschlag des Gerichts ab. Darin war von Schadenersatz keine Rede mehr.

8. April: In einem anderen Verfahren verliert Amerell erneut gegen DFB-Präsident Zwanziger. Das Oberlandesgericht München hebt die einstweilige Verfügung des Landgerichts Augsburg auf, nach der Zwanziger die Affäre um Amerell und Kempter nicht mehr mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche vergleichen darf.

13. April: Amerell stellt einen Befangenheitsantrag gegen die Hechinger Richter. Der wird abgelehnt.

27. April: Amerell stellt eine Selbstanzeige beim Kontrollausschuss des DFB. Er möchte damit erwirken, dass ihn der Verband "zur Klärung noch offener Fragen" offiziell anhört.

10. Mai: Amerell-Anwalt Jürgen Langer bestätigt, dass sein Mandant Strafanzeige gegen Kempter gestellt hat. Amerell wirft ihm versuchten Prozessbetrug vor, weil Kempter vor Gericht andere Angaben gemacht habe als beim DFB.

12. Mai: Das Landgericht Hechingen weist die Schadensersatzklage von Amerell gegen Kempter ab. Amerell will in Berufung gehen.

16. August: Der DFB strebt einen Mediationsprozess mit Amerell an. Vermittler soll der evangelische Bischof Wolfgang Huber sein.

25. Oktober: Gegen mehrere deutsche Topschiedsrichter wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Auch Kempter ist im Visier der Staatsanwaltschaft. Amerell hatte bei der Finanzdirektion Augsburg Anzeige erstattet.

28. Oktober: Amerell kündigt Strafanzeige gegen das DFB-Präsidium und Zwanziger an. Sein Vorwurf: Der DFB habe Kempters Anwalt bezahlt.

2. November: Der DFB erwirkt vor dem Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen Amerell. Danach darf er die Behauptung, der DFB habe Kempters Anwalt bezahlt, nicht mehr aufstellen.

8. November: Amerell macht dem DFB überraschend ein neues Schlichtungsangebot. Beide Seiten hatten zuvor ihre Bereitschaft zu einem Mediationsverfahren zurückgezogen.

7. Dezember: In der Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart akzeptieren Amerell und Kempter einen Vergleichsvorschlag des Gerichts.

24. April 2012: Amerell kündigt an, den DFB wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte verklagen zu wollen.

11. Dezember: Die Polizei findet Amerell tot in seiner Münchner Wohnung auf.