Eishockey

Finalturnier wird für Eisbären zum Charaktertest

In Wien droht nicht nur der Ausfall von NHL-Star Briere

Weitgehend still saß Don Jackson da. Es ging um die European Trophy, das kontinentale Turnier einiger der stärksten Eishockeyligen Europas. Deutschlands Meister, der EHC Eisbären, hat es dort ins Viertelfinale geschafft, am Donnerstag treffen die Berliner in Wien auf Gastgeber Vienna Capitals (20.30 Uhr, Servus TV). Ein gutes Los eigentlich, fast das beste, dass die Mannschaft von Jackson erwischen konnte, um vielleicht das Halbfinale zu erreichen. Doch der Trainer hatte nicht viel zu sagen, so etwas wie Vorfreude war ihm selbst mit viel gutem Willen kaum anzusehen.

Zuletzt hatte sich der US-Amerikaner oft erregt über seine Mannschaft, ihr Auftreten in fremden Stadien mit dem von Ballerinen verglichen. Leichtfertig wurden gute Resultate verspielt. Allein das scheint die Lust auf Auswärtspartien beim Trainer derzeit zu drücken, und die aktuelle Lage im Kader taugt auch nicht gerade dazu, an ein Ende der trüben Tage zu denken. Mit Claude Giroux fehlt das Genie der Berliner nun schon seit vier Wochen, in Wien wird auch der andere NHL-Star, Daniel Briere, wohl nicht dabei sein. Seine Rippen sind geprellt. Ebenso fällt Matt Foy aus, die Arbeitsmaschine der Eisbären muss wegen zweier Haarrisse in den Rippen mehrere Wochen pausieren. Ob Verteidiger Jens Baxmann, der am Dienstag nach einer Rippenprellung erstmals wieder mittrainierte, tatsächlich spielen kann, wird sich erst zeigen.

Immerhin, bei Briere blieb eine MRT ohne Befund, trainieren konnte er in dieser Woche dennoch nicht. Giroux dagegen ist nach einer Nackenprellung wiederhergestellt, zieht es aber vor, derzeit in Ottawa zu trainieren, wie Manager Peter John Lee mitteilte. In der Hoffnung, dass der Ausschluss der Spieler in der NHL bald vorüber ist und die Saison dort doch noch beginnt. Wonach es allerdings nicht aussieht, alle Spiele bis Ende des Jahres wurden gestrichen.

Die Ausfälle sind für die Berliner eine erhebliches Handicap, zumal derzeit der Rhythmus im Team nicht stimmt. Das schmälert die Aussichten deutlich gegen den Tabellenführer aus Österreich. Der wird gemeinsam mit Co-Gastgeber Slovan Bratislava als schwächste Mannschaft im Achterfeld eingeschätzt, genau wie die Slowaken konnten sich die Wiener nur dank Ausrichter-Bonus qualifizieren.

Vom vermeintlich einfachen Weg ins Halbfinale ist unter den gegeben Umständen nicht mehr zu reden. "Wir müssen unseren Weg spielen und nicht so viel denken", sagt Jackson nur. Das heißt: Schnell und einfach nach vorn und nicht so launisch, uninspiriert und verschnörkelt wie zuletzt. Zumal die Wiener vor heimischer Kulisse alles daran setzen werden, weiter im Turnier zu bleiben. "Das wird ein heißer Kampf", sagt Kapitän André Rankel. Dem müssen sich die Berliner anpassen, wenn sie eine Chance haben wollen. Dass ihnen das liegt, haben sie oft gezeigt in den vergangenen Jahren, meist dann, wenn die Umstände widrig und die personellen Probleme groß waren. Dann offenbarte die Mannschaft stets ihren großen Charakter. Ohne den wird es in Wien wohl nicht funktionieren.