Volleyball

Und jetzt erobern wir Europa

Unerwartet schnell finden sich die BR Volleys in der Champions League zurecht. Heute winkt der Einzug in die K.o.-Runde

Die Gruppenphase der Champions League endet für den deutschen Volleyball-Meister BR Volleys heute Abend mit dem Spiel bei Ceske Budejovice. Man könnte jetzt kompliziert werden, hin- und herrechnen, was passieren soll und was nicht geschehen darf, damit die Berliner das Achtelfinale erreichen oder verpassen. Trainer Mark Lebedew bevorzugt allerdings die unkomplizierteste aller Lösungen. "Das Gute ist, dass jetzt alles in unserer Hand liegt", sagte der Australier, "wenn wir gegen die Tschechen gewinnen, sind wir definitiv durch. Das ist für uns die beste Motivation."

Sieg gegen Russen als Durchbruch

So ist die Ausgangslage, und jetzt wird es doch etwas kompliziert: Sein Team ist derzeit mit elf Punkten das beste aller Zweitplatzierten aus den sieben Vorrundengruppen. Sechs dieser Zweitplatzierten kommen neben den Gruppensiegern weiter. Eine dieser 13 Mannschaften trägt nämlich das Top Four aus und ist damit automatisch für die Vierer-Endrunde qualifiziert. Die restlichen zwölf kämpfen im K.o.-Modus um drei freie Plätze. Die BR Volleys wollen sich nicht bewerben, aber sie wollen ins Achtelfinale. Das Hinspiel gegen Budweis haben sie 3:0 gewonnen. Sie sind heute erneut Favorit. Denn auch das gehört zur Ausgangslage: Nach sieben Jahren Abstinenz von der Volleyball-Königsklasse ist Berlin auf Anhieb zu einer sehr guten Adresse geworden.

Das liegt zum einen an den knapp 4000 Zuschauern, die bisher durchschnittlich zu den Heimspielen der BR Volleys in der Champions League pilgerten. Das liegt aber vor allem an dem verblüffenden 3:1-Sieg gegen Lokomotiv Nowosibirsk vor einer Woche, gegen den Tabellenführer der russischen Superliga. Er war ein Signal nach außen und nach innen. "Das war ein unglaublicher Sieg", freute sich Mittelblocker Tomas Kmet, "ein solches Spiel gelingt dir vielleicht dreimal in einer Saison. Sie sind die stärkste Mannschaft in der besten Liga der Welt. Und wir haben ja nicht knapp gewonnen."

Lebedew fasste es so zusammen: "Die Stimmung im Team war schon vorher gut. Aber natürlich stärkt ein solches Erlebnis sowohl den Zusammenhalt als auch das Selbstbewusstsein." Sogar der Schwede Nils Jon Nilsson, einer der Lokomotiv-Stars, lobte: "Wenn wir nicht auf unserem Toplevel spielen, passiert so etwas. Man muss aber auch ganz ehrlich sagen: Die Berliner sind wirklich ein gutes Team."

Es gibt Statistiken, die das untermauern und zeigen, dass die Rückkehr der Berliner in die Champions League ein beinahe schon verblüffender Erfolg ist. Unter all den Topspielern Europas liegt Robert Kromm gleich in zwei Bestenlisten vorn. 104 Punkte hat der 2,12 Meter große Außenangreifer in den fünf Vorrundenspielen erzielt, mehr als jeder andere. 91 Mal haben neben Aufschlägen oder Blocks des 28-Jährigen Schmetterschläge zu direkten Punkten geführt - Platz zwei hinter Ivan Miljkovic von Fenerbahce Istanbul (92). Und niemand auf dem Kontinent hat mehr Blockpunkte gesammelt als der Berliner Slowake Tomas Kmet (22). Und Rang 16 in dieser Kategorie belegt Felix Fischer mit zwölf Blocks in fünf Spielen.

"Wir sollen uns jetzt nicht zu groß machen", sagte der deutsche Nationalspieler, "nicht übermütig werden. Aber man darf auch sagen: Dass wir die Russen schlagen, hätten uns nicht viele in Europa zugetraut." Gerade in der heimischen Schmeling-Halle bekomme die Mannschaft noch einmal einen gewaltigen Schub durch die Unterstützung der Fans, sagte Felix Fischer: "Wir brauchen uns zu Hause vor niemandem zu verstecken, auch nicht in der Champions League."

Heute allerdings müssen die Berliner noch einmal in der Fremde bestehen. Und sie müssen sich in der Bierstadt Budweis auf einen motivierten Kontrahenten einstellen, denn auch für die Tschechen geht es noch um etwas: Sie können sich einen Platz im Viertelfinale des zweitklassigen CEV-Cups sichern, den übrigens die Berliner sicher hätten, falls sie in der Champions League ausscheiden. "Wir müssen vorsichtig sein und uns unser Ziel ständig vor Augen halten", fordert Lebedew.

Auslosung am Donnerstag

Bisher lief die Saison mit 13 Siegen in 15 Pflichtspielen besser als erwartet; allein das Scheitern im deutschen Pokal an Haching trübte etwas die gute Laune.

Doch wenn das Achtelfinale in der Champions League erreicht würde, wäre das mehr als ein Trost. Die Auslosung findet Donnerstag statt. Fischer ist sich sicher: "Wer uns als Gegner bekommt, der kommt bestimmt nicht gern nach Berlin."