Sichere Stadien

DFB und DFL nicht kompromissbereit bei Sicherheitskonzept

Dem stillen Boykott im Stadion folgte lauter Protest auf den Straßen.

- Die Fans des deutschen Fußballs machen weiter gegen das umstrittene Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) mobil - die Funktionäre fordern hingegen ein schnelles Ja für das sichere Stadionerlebnis. Vor der mit Spannung erwarteten DFL-Mitgliederversammlung am Mittwoch demonstrierten am Wochenende bundesweit Tausende Fußball-Anhänger gegen das Konzeptpapier. In Dresden trugen etwa 800 Fans die deutsche Fankultur symbolisch zu Grabe - nach dem Erfolg des Stimmungsboykotts, der erneut die Stadien in den ersten 12 Minuten und 12 Sekunden in beunruhigende Stille tauchte, das nächste, deutliche Zeichen an die Spitzen von DFL und DFB.

Die wiederum braucht angesichts des politischen Drucks die Verabschiedung der 16 Anträge. Bei einem Scheitern des Sicherheitskonzepts wird wohl die Politik handeln, was deutlich härtere Restriktionen für die Fans zur Folge haben könnte. "Ich wüsste nicht, was eine Verschiebung bringen sollte. Unsere gemeinsame Position ist völlig klar: Wir sind für den Erhalt von Stehplätzen. Wir sind für eine verstärkte Präventivarbeit in den Fan-Projekten, da sind wir auch bereit, höhere Finanzmittel zur Verfügung zu stellen", sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Interview mit der "Bild am Sonntag". Ein Stadion, stellte Niersbach allerdings klar, sei "kein rechtsfreier Raum". Die Maßnahmen seien "im Sinne der großen Masse der Fans, für 99,95 Prozent der Zuschauer". Es sei zwar vermessen zu glauben, dass mit dem Sicherheitskonzept alle Probleme gelöst wären: "Aber wir brauchen klare und stabile Leitplanken, die in allen Stadien halten."

Auch der designierte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig gab sich im Interview mit dem Deutschland-Radio überzeugt, dass das Sicherheitskonzept beschlossen wird. Eine Verschiebung wäre "auch das falsche Signal", sagte Rettig, der jedoch Fehler aufseiten der DFL sieht: "Wir haben den Fan in seiner Gesamtheit zu spät mitgenommen."