Wintersport

Berlinerin Jenny Wolf will wieder Königin des Eis-Sprints sein

Die vergangenen Wochen waren anstrengend. Es gab viel zu tun, Training, Studium.

- Jenny Wolf schrieb eine Magisterarbeit, ihre zweite. Mit der ersten schloss sie ein Germanistikstudium ab, nun besteht die Eisschnellläuferin wohl auch die Betriebswirtschaftslehre. Gestresst fühlt sich die Berlinerin trotzdem nicht. "Es ist eher schädlich, wenn ich wenig zu tun habe. Wenn ich viel zu tun habe, läuft es immer gut", sagt Wolf. Vergangene Saison hatte sie es mal versucht mit einer ruhigeren Herangehensweise - und keine schöne Erfahrung damit gemacht. Erstmals seit 2006 schaffte sie es über 500 Meter nicht auf das Podest. "Für mich persönlich ist das schon fast vergessen", sagt die einstige Sprint-Königin.

Sie strahlt dabei, als hätte es dieses schwache Jahr tatsächlich nie gegeben. Jenny Wolf fühlt sich wieder stark, die Kraft ist zurück. "Wie eine Verrückte hat sie den Sommer über trainiert", berichtet Bundestrainer Markus Eicher und macht ein Gesicht, als hätte er noch nie eine Sportlerin so hart an sich arbeiten sehen. Mit ihren Zeiten bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin gelang Wolf sogar der beste Saisonstart überhaupt, beim Weltcup-Auftakt vor drei Wochen reichte es nur nach einem Strauchler dann allerdings wieder nur zu Rang fünf.

"Es geht darum, in Tritt zu kommen und so zu laufen, wie ich es jahrelang getan habe", sagt die fünffache Weltmeisterin vor ihrem Start in Nagano/Japan. "Ich bin in Form. Ich muss das jetzt nur noch auf dem Eis umsetzen." Dafür machte die 33-Jährige im Sommer wieder einen Schritt zurück und übte so, "wie ich es früher gemacht habe". Weg vom Experiment mit der Erholung hin zum bewährten Programm, "über viel Training" versucht sie es nun. "Das ist der bessere Weg, das hat sich ja gezeigt", erzählt Wolf.

So ein Fortschritt beflügelt, lässt das Training leichter von der Hand gehen. Alleiniger Antrieb war das bei Wolf aber nicht. Die vielen Niederlagen im zurückliegenden Wettkampfjahr trugen ihren Teil bei, schärften den Ehrgeiz noch einmal. Von doppelter Motivation für jedes Mal, dass sie geschlagen wurde, spricht sie. Genauso wirkt das Ziel Olympia 2014 in Sotschi. Nach dem zweiten Platz von Vancouver 2010 hatte sie die Spiele in Russland lange als geringen Reiz betrachtet und in den vergangenen beiden Jahren auch immer mit dem Karriereende kokettiert. Nun will sie Sotschi angehen, 2013 zur Einzelstrecken-Weltmeisterschaft, ein Jahr später bei Olympia. "Ich bin überzeugt, dass die Siege wieder über Jenny Wolf gehen werden", sagt Bundestrainer Eicher. Hätte Jenny Wolf eine andere Meinung, würde sie nicht mehr antreten. Einfach nur dabei zu sein, das ist nichts für die Sprinterin, die wieder die Königin auf der kurzen Distanz sein will.