Turnen

Philipp Boy kann die Bremse im Kopf nicht lösen

Das Turn-Ass aus Cottbus tritt mit 25 Jahren zurück

- Philipp Boy wirkt erleichtert, doch ein wenig Wehmut schwingt in seiner Stimme mit. 124 Tage nach seinem letzten Wettkampf bei den Olympischen Spielen hat der zweimalige Mehrkampf-Vizeweltmeister aus Cottbus wie erwartet das Ende seiner erfolgreichen Turn-Karriere verkündet.

"Meine Entscheidung steht schon ein paar Tage fest. Es fällt mir nicht leicht, das zu beenden, was ich mein ganzes Leben gemacht habe", sagte der 25-Jährige in Stuttgart am Rande des Turn-Weltcups. Entscheidend seien psychische Probleme nach seinem schweren Sturz vor einem Jahr in Stuttgart.

"Seit diesem Sturz hatte ich die Bremse im Kopf. Ich konnte das Problem nicht lösen", sagte Boy, der sicherlich auch in manchem Moment an Ronny Ziesmer gedacht haben dürfte, der seit seinem schweren Trainingsunfall mit 25 Jahren querschnittsgelähmt ist. "Da ist in erster Linie meine Gesundheit, meine vielen Verletzungen. Ich habe alles durch vom Schien- bis zum Wadenbeinbruch", gab Boy zu. Und es gäbe auch noch "die wirtschaftliche Seite. Ich habe es satt zu hoffen, dass nach all meinen Erfolgen mal ein großer Sponsor kommt. Man kann nicht nur von Luft und Liebe leben."

Er werde dem Turnen verbunden bleiben, aber definitiv nicht Trainer werden. "Ich habe schon so viel Magnesia in der Lunge." Beruflich werde er sich weiter um seine zwei Imbiss-Geschäfte in Cottbus kümmern.

Als Boy bei Olympia alle Einzelfinals verpasst hatte, sei "die Entscheidung eigentlich schon dort gefallen. Aber ich wollte keinen unüberlegten Schritt machen".