Diego Ribas da Cunha

"Ich bin keine Diva, ich bin jetzt ein richtiger Mann"

Diego will mit Wolfsburg wieder international spielen. Der Brasilianer glaubt sogar an Einsätze bei der Heim-WM 2014

Während seiner Zeit bei Werder Bremen wurde Diego Ribas da Cunha (27) von seinen Berufskollegen zum besten Spieler der Liga gewählt (2007). Wolfsburg aber gehörte anfangs zu seinen unglücklichen Stationen. Nach einem Jahr Ausleihe an Atlético Madrid und dem Trainerwechsel von Felix Magath zu Lorenz-Günther Köstner nähert er sich jetzt wieder seiner Glanzform. Im Gespräch mit Jens Bierschwale wirkt Diego aufgeräumt und zufrieden.

Berliner Morgenpost:

Ihre Mannschaft wirkt im Vergleich zu der Zeit unter Magath wie verwandelt. Woran liegt das?

Wir haben jetzt eine ganz andere Stimmung und Einstellung in der Mannschaft, was aber vor allem daran liegt, dass wir mehr Spiele gewonnen haben. Dann hast du automatisch auch mehr Spaß am Job. Grundsätzlich habe ich großes Vertrauen und glaube, dass wir gemeinsam noch Großes erreichen können. Deshalb spiele ich auch richtig gern für den VfL.

Liegt die Lust auch am neuen Trainer Lorenz-Günther Köstner?

Auch. Er musste die Mentalität im Team ändern, manche Spieler ein Stück weit aufbauen. Das hat er gut hinbekommen.

Unter Magath gelang Ihnen kein Scorerpunkt, unter Köstner haben Sie drei Tore erzielt und zwei Assists geliefert.

Was allerdings nicht wichtig ist. Ich sehe keinen Profi, der Spiele im Alleingang entscheidet. Und ich habe für mich inzwischen gut klar bekommen, dass ich nicht allein gewinnen kann und dass ich auch nicht allein verliere.

Mussten Sie dafür Ihren Hang zum Egoismus auf dem Spielfeld zurückstellen?

Ich bin jetzt 27 Jahre alt und habe sicherlich auch Fehler in meiner Karriere begangen. Aber ich habe daraus gelernt. Jetzt bin ich ein richtiger Profi, ein richtiger Mann. Das Leben ist doch ohnehin ein ständiger Wettbewerb, und ich versuche immer, mein Bestes zu geben. In Bremen hatte ich drei fantastische Jahre, mit Atlético Madrid habe ich die Europa League gewonnen - da hat nie jemand darüber gesprochen, ob ich auf dem Feld zu egoistisch bin.

Ist es grundsätzlich die Last eines Spielmachers, bei Misserfolg aber schnell zum Sündenbock abgestempelt zu werden?

Ja, so ist das manchmal im Fußball, auch wenn das nicht sonderlich objektiv ist. Als Spielmacher hast du eben eine große Verantwortung und stehst sehr im Fokus. In meiner ersten Saison in Wolfsburg hatte ich darunter zu leiden, weil ich gemeint habe, auf dem Spielfeld alles erledigen zu müssen. Dabei habe ich mich teilweise übernommen und viel von meiner Stärke eingebüßt. Auch das war ein Fehler, aber einer, aus dem ich gelernt habe.

Trotzdem ist Ihr Image in Deutschland sehr unterschiedlich, einige halten Sie für einen der großartigsten Spieler der Liga, andere für eine Diva.

Das sehe ich nicht so. Eine Zeitung wollte mich partout zur Diva abstempeln, von den Fans habe ich das noch nie gehört. Das Verhältnis zu den Deutschen ist großartig, ich bin jetzt schon im fünften Jahr in Deutschland und fühle mich hier richtig wohl. Die positiven Eindrücke überwiegen. Das ist wichtig für mich, denn ich möchte auch ein Vorbild für die Kinder sein. Ich suche immer nach Lösungen, um ein besserer Spieler und ein besserer Mensch zu werden.

Mit Ihren Fähigkeiten müssten Sie doch Champions League spielen.

Das will jeder Profi-Fußballer gern. Und ich hoffe, dass ich es bald wieder kann.

Mit Wolfsburg?

Natürlich, auch wenn das im Moment nicht sehr realistisch ist. Ich kann das gut akzeptieren, weil ich sehe, dass hier etwas zusammenwächst.

Zumindest die Europa League sollte bald sein.

Ja, schon. Aber im Moment ist es wohl nicht angebracht, groß darüber zu spekulieren. Wir sind vor dem Spiel gegen den HSV Fünfzehnter.

Erfolge mit Wolfsburg würden Sie auch wieder näher an die brasilianische Nationalmannschaft heranführen. Am Donnerstag hat Luiz Felipe Scolari das Team als Trainer übernommen.

Ich glaube, dass das eine gute Lösung für die Selecao ist. Er ist ein großartiger Trainer mit einer Winner-Mentalität. Genau so einen braucht das Nationalteam jetzt, er hat es immerhin als Letzter geschafft, Brasilien 2002 zum WM-Titel zu führen. Ich wünsche ihm jedenfalls alles Gute.

Hat er Ihre deutsche Handynummer?

Ich weiß es nicht. Wir haben vor einigen Jahren Kontakt gehabt, mal sehen, ob er sich wieder meldet. Ich glaube jedenfalls daran, dass ich noch mal meine Chance in der Selecao erhalten werde.

Um dann im eigenen Land 2014 Weltmeister zu werden?

Das wäre perfekt, keine Frage.