Personalien

Er will auch mal spielen

Kenneth Jonassen erlebt bei EBT Berlin Abwechslung von seinem Alltag als Badmintontrainer

- Kenneth Jonassen hatte die Partie gegen Carl Baxter zwar gewonnen, doch so richtig freuen konnte sich der Badmintonspieler von EBT Berlin über diesen Erfolg nicht. Wochenlang hatte er im Frühjahr 2011 als Cheftrainer des britischen Verbandes alles daran gesetzt, seine besten Athleten noch stärker zu machen. Dann aber traf er im Endspiel um die Meisterschaft mit den Berlinern auf Bonn-Beuel - und sorgte mit einem Erfolg ausgerechnet über jenen Carl Baxter für eine Vorentscheidung im Kampf um den Titel. "Dieser Sieg fühlte sich damals irgendwie falsch an", sagt Kenneth Jonassen.

Am Sonntag beim Heimspiel von EBT gegen den BC Düren (14 Uhr, Sporthalle Samariterstraße) trifft der 38-Jährige nun erneut auf einige britische Sportler. Doch er hat Glück: Ein direktes Duell mit einem seiner Schützlinge sehen die Ansetzungen diesmal nicht vor.

Kenneth Jonassen ist ein Wanderer zwischen den Welten. Von Montag bis Freitag weilt er in Milton Keynes, etwa 70 Kilometer nördlich von London. Dort ist er als Cheftrainer verantwortlich für die Badminton-Asse von der Insel. "Der Trainerjob ist mein Hauptberuf", sagt er. Alle paar Wochen aber setzt sich Jonassen in den Flieger und macht sich auf in Richtung Deutschland, um EBT in der Bundesliga zu unterstützen. "Die Spiele sind jedes Mal eine willkommene Abwechslung", sagt der Däne. In Berlin kann er einfach nur Spieler sein - ohne die Verantwortung tragen zu müssen.

Wie schwer diese wiegen kann, erfuhr Kenneth Jonassen im Sommer bei den Olympischen Spielen. Vom Spielfeldrand aus musste er untätig mitansehen, wie die britischen Spieler allesamt bereits früh die Segel strichen. Die Kritik am Cheftrainer ließ danach nicht lange auf sich warten. "Als Spieler bist du selbst in Kontrolle deines eigenen Schicksals", sagt Jonassen. "Als Trainer kannst du hingegen nur Tipps geben und bist danach zum Zuschauen verdammt - und trotzdem fallen alle Misserfolge auf dich zurück."

Pendler zwischen zwei Ländern

Seine eigene Leistung hat bislang nicht unter dem stressigen Trainerberuf unter der Woche und der ständigen Pendelei zwischen Großbritannien und Deutschland gelitten. Der Europameister von 2008 und frühere Weltranglisten-Zweite war maßgeblich an den beiden EBT-Meistertiteln von 2011 und 2012 beteiligt und gehört auch in diesem Jahr wieder zu den stärksten Spielern im Kader.

In der laufenden Saison ist Kenneth Jonassen bisher sogar noch ungeschlagen. Berlins Manager Manfred Kehrberg bezeichnet den Routinier auch deshalb als "unersetzlich", schätzt ihn aber vor allem als äußerst mannschaftsdienlichen Spieler. "Er hat großen Anteil daran, dass die Mannschaft zu einem echten Team geworden ist", sagt Kehrberg. Jonassen habe zudem eine besondere Gabe, gerade in engen Partien seine beste Leistung abrufen zu können.

Eines dieser Spiele steht EBT am Sonnabend bevor. Einen Tag vor dem Heimspiel gegen Düren reisen die Berliner zum Auftakt der Rückrunde zum 1. BV Mülheim. Beide Mannschaften stehen nach der ersten Hälfte der Saison punktgleich an der Tabellenspitze. Im Hinspiel trennte man sich 3:3. "Ich erwarte ein großartiges Spiel", sagt Kenneth Jonassen. Der 38-Jährige sieht EBT auf dem Papier leicht favorisiert, doch das könne sich auf dem Parkett auch ganz schnell umkehren. "Die Liga ist in diesem Jahr noch enger zusammengerückt, viele Vereine haben aufgerüstet", erklärt er. Trotzdem soll am Ende der Saison der dritte Titel in Folge herausspringen. "Wir sind nach den beiden ersten Meisterschaften noch längst nicht satt", meint Jonassen.

Bis 2005 galt der Däne als der Spieler mit dem weltweit schnellsten Schmetterschlag im Einzel. Bei einem Turnier beschleunigte er den Federball bis auf 298 Stundenkilometer. Der Rekord hat ihm eigentlich nie besonders viel bedeutet, doch mittlerweile schaut Kenneth Jonassen fast ein bisschen wehmütig auf diese Highspeed-Zeiten zurück. "Manchmal könnte ich heutzutage so viel Kraft gut gebrauchen", sagt er. Er habe den Eindruck, dass das mit den Jahren irgendwie weniger geworden sei. "Aber vielleicht werde ich auch einfach nur alt."