Basketball

Albas Krimi bekommt ein Happy End

Zittersieg gegen Polens Meister Gdynia bedeutet den Einzug in die Zwischenrunde mit den 16 besten Teams Europas

- Alba Berlin hat den Sprung unter die besten 16 Basketball-Mannschaften Europas geschafft - ohne seine beste Leistung abgerufen zu haben. Gegen den polnischen Meister Prokom Gdynia quälte sich die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic vielmehr zu einem 67:64 (36:28)-Sieg, dem vierten Erfolg im achten Vorrundenspiel. Weil außerdem Elan Chalon bei Maccabi Tel Aviv verlor, können die Berliner sicher für die Top 16 planen, die sie zum zweiten Mal nach der Saison 2008/2009 erreichen. "Es war das erwartet schwere Spiel für uns. Wir sollten alle sehr glücklich sein über diesen Sieg", sagte der Alba-Trainer, der dennoch alles andere als glücklich aussah.

"Ist mir egal, wie wir gewinnen, wenn es auch nur mit einem Punkt ist", hatte Sportdirektor Mithat Demirel orakelt. Und Spielmacher Heiko Schaffartzik wollte nur gewinnen, "irgendwie". Als hätten sie vorhergesehen, wie eng es werden würde. Keine Spur von Überheblichkeit vor dem Aufeinandertreffen mit dem Tabellenletzten der Vorrundengruppe B, warum auch, schließlich hatten die Berliner das Hinspiel 66:77 in Gdynia verloren. Es war ihr schwächster Auftritt in diesem sonst so respektablen Herbst gewesen.

Nervosität nicht zu übersehen

Aber auch gestern war längst nicht alles überzeugend, was ihnen einfiel. Die Verteidigung war bis auf die Rebounds in Ordnung, doch in der Offensive war den Gastgebern angesichts der Bedeutung des Spiels große Nervosität anzumerken. "Es lag ein riesiger Druck auf unseren Schultern", sagte Nationalspieler Yassin Idbihi, "wir wussten, wir mussten gewinnen. Es stand so viel auf dem Spiel." Der Verlauf in den ersten drei Vierteln war trotzdem vielversprechend. Denn Obradovic tigerte zwar anfangs unzufrieden an der Seitenlinie auf und ab. Doch nach einigen Startschwierigkeiten kam seine Mannschaft besser in ihren Rhythmus.

Dabei war es auch Albas Glück, dass den Gästen außer Distanzwürfen, vorzugsweise von Lukasz Koszarek, Jerel Blassingame oder Alex Acker, über weite Strecken nicht allzu viel einfiel, um den Abstand klein zu halten. Nach einer 8:0-Serie lagen die Polen zwar vorübergehend mal in Führung. Allerdings trafen sie schlechter, je näher sie an den Alba-Korb heranrückten. Denn dort packte die Berliner Defense sehr entschlossen zu und erlaubte keine einfachen Punkte. So entwickelte sich nach das Geschehen mehr und mehr, wie es auch Obradovic besser gefiel, auch im offensiven Zusammenspiel. Denn Idbihi und Deon Thompson gelang es auf der anderen Seite sehr wohl, unter dem Korb zu punkten. Und nun gelang es der Berliner Mannschaft, die Polen nicht nur noch besser zu kontrollieren, sondern sich auch bis auf zehn Punkte abzusetzen (33:23, 19. Minute). Zur Halbzeit machte das Team aus Gdynia nun wirklich nicht den Eindruck, die Partie in ihre Richtung lenken zu können.

Von der Tribüne aus verfolgte als einer von 8220 Zuschauern der nach seiner Knieoperation noch in der Reha steckende Puertoricaner Nathan Peavy, wie der Vorsprung seiner Kollegen zu Beginn der letzten zehn Minuten bis auf 14 Punkte gewachsen war (55:41). Was jedoch dann folgte, war wie aus dem Nichts ein fast kompletter Einbruch der Leistung. "Die liegen uns nicht", sagte Geschäftsführer Marco Baldi, "deshalb hatte ich so ein krampfiges Spiel erwartet. Aber wir haben es uns am Ende auch selbst schwer gemacht. Es war ein bisschen, als hätten wir Angst vor dem Gewinnen."

Was zuvor immer besser zu gelingen schien, war dahin. Alba verlor völlig die Kontrolle über seinen Gegner aus Polen, der in der heimischen Liga nur einen enttäuschenden sechsten Rang belegt. Nach einer 12:1-Punkteserie für sie lagen die Gäste vier Minuten vor dem Ende plötzlich nur noch drei Zähler zurück (53:56), alles war wieder offen. Albas Abwehr zeigte ein katastrophales Reboundverhalten - immer wieder kamen so die Gäste zu zweiten und dritten Angriffschancen, weil sie nach Fehlwürfen den Ball zurückeroberten.

"Das waren nicht akzeptable letzte Minuten und nicht akzeptable Rebounds", ärgerte sich Obradovic. Die Partie stand auf der Kippe, auch wenn es Gdynia nie gelang, noch einmal in Führung zu gehen. 15 Sekunden vor dem Ende traf Piotr Pamula zum 62:63-Anschluss. Albas Amerikaner zeigten jedoch an der Freiwurflinie starke Nerven. Erst verwandelte DaShaun Wood zwei Freiwürfe zum 65:62, kurz darauf erhöhte Zach Morley auf 67:64. Erst als ihr Landsmann auf Prokoms Seite, Jerel Blessingham, fünf Sekunden vor Schluss seine beiden Freiwürfe an den Ring setzte, war die Entscheidung gefallen - hauchdünn zu Gunsten der glücklichen Berliner.

"Es war in der Schlussphase vor allem DaShaun Wood, der einen Weg fand, seinem Team zu helfen", lobte Obradovic den Spielmacher. Er ergänzte aber auch: "Die Mannschaft kann viel besser spielen, das hat sie in den vorangegangenen Wochen gezeigt." Aber letztlich zählte das Motto: Hauptsache gewonnen. Von einem "unheimlich wichtigen Sieg", sprach Idbihi. Und angesichts der Qualifikation für die Top 16 nach bereits acht der insgesamt zehn Vorrundenspiele fand Baldi: "Man kann nur den Hut ziehen vor der Leistung der Mannschaft. Für den Klub ist dieses Weiterkommen immens wichtig."