Bundesliga

Konzentration statt Kampfansagen

Die Bayern geben sich vor dem Spitzenspiel gegen Dortmund ungewohnt bescheiden

- Entscheiden Sie jetzt ! Welcher ist der nervigste der aktuell so beliebten Alles-Sprüche? A) Es wird alles immer teurer. B) Mit dem Euro und den Griechen, das ist doch alles Wahnsinn. C) Heutzutage geht alles immer früher los. Alles hören wir oft, alles ist platt. Aber an Spruch C) ist was dran. Das Weihnachtsgebäck verkaufen die Supermärkte schon im September. Die "Bravo" lesen heute bereits Neunjährige. Und nun schließen sich auch die Münchner Fußballprofis diesem Trend an - so früh wie dem FC Bayern war noch keinem Bundesligaklub Platz eins nach der Hinrunde sicher.

Übertragung in 203 Länder

Wieder mal ein Rekord, nach dem besten Saisonstart der Geschichte, einem Auswärtsrekord und einer historischen Tordifferenz. In 14 von 17 Fällen gewannen die Bayern als Halbserien-Spitzenreiter den Titel - die Wahrscheinlichkeit auf die Meisterschaft beträgt also 82 Prozent. Mit einem Sieg morgen (18.30 Uhr, Sky) über Borussia Dortmund können sie eine der frühesten Vorentscheidungen in 50 Jahren Bundesligageschichte schaffen. Das Fernsehen zeigt die Partie in 203 Ländern - Rekord. Ein "Treffen der Giganten", nennt es Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Die Münchner siegten am 14. Spieltag 2:0 (1:0) beim SC Freiburg und haben zehn Punkte Vorsprung auf Bayer Leverkusen sowie elf auf den Tabellendritten Dortmund. Die Mannschaft und die Verantwortlichen des Rekordmeisters spielen die Zwischenbilanz herunter. Es sei ja noch gar nichts erreicht. Ein gutes Spiel gegen Dortmund sei jetzt alles, was zähle. "Herbstmeister, das ist ja kein Titel", sagt Thomas Müller. Er fühlt sich an den vergangenen Januar erinnert. Die Bayern hatten Dortmund in der Hinrunde hinter sich gelassen und waren als Tabellenführer ins Trainingslager nach Katar gereist. "Da haben wir eine Woche nur das Gesülze gehört, dass wir jetzt Herbstmeister sind und wie wir feiern im Mai. Du brauchst aber immer noch eine Rückrunde", so der Nationalspieler.

Müller beschreibt, was in dieser Saison anders ist: Die Mannschaft erlaube sich keine Fehler - tatsächlich haben die Bayern erst ein Ligaspiel verloren und nur einmal Unentschieden gespielt. Die Abwehr um Zugang Dante sei sehr sicher, und in der Offensive habe Heynckes dank des Großeinkaufs im Sommer die Qual der Wahl. Und doch können die Bayern nicht so gelassen in die Partie gegen Dortmund gehen, wie es ihr großer Vorsprung vermuten lässt.

Für sie geht es um Prestige. Bayern gegen Dortmund, das ist inzwischen ja eine eigene Meisterschaft, ein Kräftemessen auf allen Ebenen. Für Hoeneß und Klubchef Karl-Heinz Rummenigge wäre das Wochenende gelaufen, wenn BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in ihrem Stadion jubeln würde. Markenwert, Beliebtheit, Umsatz, Anzahl der Stars - München ist weit vorn, doch Dortmund holt auf.

Zuletzt fünf Niederlagen in Folge

Und diese Entwicklung wollen die Bayern sportlich stoppen. Ihr Problem: Das wollen sie schon lange, und es gelingt nicht. Von den wichtigen Spielen gegen die Borussia verloren sie zuletzt fünf in Folge. "Das ist ein sehr wichtiges Spiel für beide. Vielleicht noch mehr für uns, weil wir gegen Dortmund zuletzt viermal in der Bundesliga verloren haben", sagt Bayern-Star Franck Ribery.

So viele Liganiederlagen gegen eine Mannschaft in Folge - das hat es in der Bundesligageschichte des FC Bayern noch nicht gegeben. "Wir hatten große Probleme gegen sie. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir es besser machen können", sagt Mittelfeldprofi Toni Kroos. In München ist in diesen Tagen eine besondere Stimmung zu spüren. Ein besonderer Druck, dieser Dortmund-Druck. Das 2:5 im Pokalfinale war im Mai - ist aber nicht vergessen. Die Bayern gehen die Partie sehr zurückhaltend an, markige Sprüche gibt es nicht. Motto ist offensichtlich: Konzentration statt Kampfansagen. Das Pokalfinale war ja mehr als eine Niederlage, es war Demütigung, Vorführung. Sollten die Bayern Meister werden, jedoch beide Spiele gegen den BVB verlieren, würde ein großer Makel bleiben. Viele im deutschen Fußball würden wohl sagen: Dortmund bleibt national die beste Mannschaft.

Egal wie das Spiel ausgeht: Der Sonnabend wird uns wohl weitere Alles-Sprüche bringen. Gewinnen es die Bayern, sagen sie vielleicht: "Jetzt ist alles gut." Gewinnen die Dortmunder, heißt es wahrscheinlich: "Noch ist alles möglich."