Wintersport

Endlich herrscht Gleichberechtigung an der Schanze

Es ist noch nicht einmal 20 Jahre her, als von höchster Stelle die irrwitzige Erkenntnis verbreitet wurde, dass beim Skispringen die Wucht der Landung die Gebärmutter einer Frau zerstören könne.

Zugeschrieben wird diese Aussage dem heutigen Präsidenten des Ski-Weltverbandes, Gianfranco Kasper.

Am Freitag begann in Lillehammer die Weltcup-Saison der Skispringer erstmals mit einem Mixed-Teamwettbewerb, den Norwegen gewann. Die fliegenden Frauen sind damit auch in dieser Männerwelt endgültig akzeptiert, und Kasper unterstützt einen Antrag, dass die Flugshow der Geschlechter olympisch wird.

"Die Mädels kommen ja immer mehr in den Sport, und dieser neue Wettbewerb ist eine absolute Bereicherung. Natürlich müssen die Frauen beim Skispringen noch ein bisschen aufholen. Aber sie trainieren ja genauso hart und werden das schaffen", sagt Gregor Schlierenzauer. Der Österreicher ist neben Simon Ammann der wohl weltbeste Skispringer der letzten Jahre und er hat eine Veränderung in der Machowelt der Flieger festgestellt: "Früher hieß es immer: Das mit dem Skispringen trauen sich nur die ganz wilden Hunde. Aber jetzt gibt es auch wilde Mädels, und die haben ganz viel Spaß dabei."

Vor allen Dingen haben sie Freude daran, gemeinsam mit den männlichen Stars der Szene auf der großen Bühne aufzutreten. Im letzten Winter durften die Skispringerinnen erstmals einen Weltcup austragen, 2014 in Sotschi wird ihr Einzelwettbewerb erstmals olympisch sein. Da passt das erste Weltcup-Mixedspringen, in dem zwei Männer und Frauen gemeinsam antreten, perfekt in den Trend. "Vor allem für uns Damen ist es eine gute Chance, uns vor einem größeren Publikum zu beweisen. Das kann unserer jungen Sportart nur gut tun", sagt Weltmeisterin Daniela Iraschko, die schon 2003 über 200 Meter weit geflogen war.

Das Problem: Hinter der Österreicherin Iraschko, der Amerikanerin Sarah Hendrickson und der 16 Jahre alten Sara Takanashi (Japan) klafft eine Lücke. "Ohne den Damen zu nahe treten zu wollen: Im Moment schaut es so aus, dass dort noch nicht diese Dichte vorhanden ist", sagt Männer-Bundestrainer Werner Schuster. Die Entscheidung bei der ersten Mixed-WM im Frühjahr werde nur über die Frauen gehen. "Die Österreicher haben genau zwei Mädchen. Wenn beide fit sind, können sie Gold abholen. Sobald eine krank ist, wird es schwer", glaubt Schuster. Die Deutschen, bei der Premiere Vierter, rechnen sich Chancen aus. "Wir sind eine Familie, wir haben richtig Spaß. Bei der WM ist vielleicht eine Medaille drin", sagte Springer Andreas Wank.