Europapokal

Sehnsucht nach Rampenlicht

Die Bundesliga überzeugt im Europapokal. Doch wie bei der Nationalelf fehlt noch ein Titel

- Doch, eine Vorrunde in der Europa League kann wichtige Erkenntnisse liefern. Den Verantwortlichen des VfB Stuttgart etwa führte sie vor Augen, wie gut ihre Mannschaft spielen kann. "Nahe an der Perfektion", lobte Manager Fredi Bobic die erste Halbzeit des 5:1 (4:0) bei Steaua Bukarest. Der "absolute Sahnetag", so Trainer Bruno Labbadia, egalisierte den höchsten Europapokal-Auswärtssieg der Klubhistorie und brachte die Schwaben nah an den Aufstieg in die Runde der letzten 32. Dazu fehlt in 14 Tagen noch ein Heimsieg gegen Molde FK.

In Mönchengladbach können sie mit 44.000 Fans im Schnitt auf die größte Resonanz aller 48 Europa-League-Starter verweisen. Zuvor 16 Jahre ohne kontinentalen Fußball mögen da eine Rolle gespielt haben, was die Fans am Donnerstag beim Gastspiel von AEL Limassol aus Zypern geboten bekamen, ließ sich jedoch streckenweise durch keine noch so ausgeprägte Sehnsucht beschönigen. Bis zu zwei späten Toren von Igor de Camargo begleiteten viele Pfiffe eine ingesamt schwache Leistung. So eine Vorrunde in der Europa League kann also auch trist sein, das war in Hannover nicht anders, wo die ebenfalls buhenden Fans das 0:0 gegen Twente Enschede nicht durch den Umstand entschuldigen wollten, dass die Ihren nur anderthalb Tage nach Abpfiff bei Bayern München antreten müssen. Wegen der nahenden englischen Woche in der Liga hatte derweil Bayer Leverkusen einige seiner Stammspieler gar nicht erst mit nach Charkiw genommen, wo eine B-Werkself prompt 0:2 verlor. Insgesamt lässt sich wohl resümieren: Eine Vorrunde in der Europa League ist vor allem dafür da, überstanden zu werden.

Das hatten Hannover und Leverkusen schon nach dem vierten Spieltag bewerkstelligt, Gladbach zog jetzt nach. "Toll fürs Renommee und finanziell attraktiv, weil wir ein weiteres Heimspiel haben" - wenigstens über diesen Aspekt des Abends konnte sich auch Sportdirektor Max Eberl freuen. Gewinnt auch der VfB sein finales Heimspiel gegen die Norweger, hätten alle vier Bundesligisten das Basisziel erreicht und würden in der Europa League überwintern. Diese Vollständigkeit gab es in der letzten Dekade schon 2007/08 und 2009/10.

Neu an ihr wäre, dass parallel auch alle drei deutschen Starter in der Champions League weder ausgeschieden noch in die Europa League abgestiegen sind. So gesehen liefert die Gesamtheit der beiden Wettbewerbe einen neuerlichen Beleg für die gewachsene Qualität der Bundesliga. Nur noch wie ein düsterer Film erscheint etwa die Saison 2003/2004, als alle fünf deutschen Teilnehmer im Uefa-Cup spätestens in der zweiten Runde scheiterten. Inzwischen fährt auch der Mittelbau der Liga verlässlich die notwendigen Punkte für die Uefa-Fünf-Jahres-Wertung ein, in der Deutschland kürzlich den dritten Platz von Italien eroberte. "Den werden wir in den nächsten Jahren nicht mehr abgeben", sagt Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler. "Wir haben sogar Tuchfühlung zu den Spaniern und den Engländern. Das spricht für unseren Fußball."

Damit der Aufschwung aber tatsächlich zu einer goldenen Epoche führt, fehlt noch ein Detail - ein Titel. Mittlerweile sind elf Jahre seit dem letzten vergangen, dem Champions-League-Sieg der Bayern 2001. Als eine Saison später Leverkusen in der Champions League gegen Real Madrid als auch Dortmund im Uefa-Cup gegen Feyenoord Rotterdam ihre Endspiele verloren, hätte wohl keiner vorausgesagt, dass auf die Bundesliga die längste Dürre warten würde, seit die europäischen Vereinswettbewerbe in der Spielzeit 1955/56 ins Leben gerufen worden waren. Spanische Mannschaften gewannen in derselben Zeitspanne neun Europapokale. Und der FC Porto allein drei.

Da auch die Nationalelf seit 1996 nichts gewonnen hat, gibt es nun schon in der zweiten Generation keine deutschen Fußballer mehr, die das Gefühl des internationalen Triumphs kennen.