Pferdesport

Schockemöhle plant um: Totilas künftig seltener Deckhengst

Schluss mit lustig: Der zehn Millionen Euro teure Wunderhengst Totilas wird sich 2013 mit seinem Reiter Matthias Rath auf den Sport konzentrieren und muss deshalb in der Zucht kürzertreten.

- "Mit Totilas ist alles schief gelaufen, was schief laufen konnte", sagte Mitbesitzer Paul Schockemöhle als Bilanz eines enttäuschenden sportlichen Jahres. "Im nächsten Jahr wird der Sport im Vordergrund stehen". Vollständig aufs Decken verzichten muss Totilas nicht. Züchter Schockemöhle erklärte: "Wir wollen aber einen anderen Weg gehen. Er soll nicht mehr kurz vor Turnieren decken."

Man wisse trotz Gesprächen mit Veterinären nicht, ob diese Maßnahme helfe, aber man wolle es zumindest versuchen. "Es gibt Hengste, denen macht eine Doppel-Belastung aus Sport und Zucht nichts aus, anderen schon", erklärte der ehemalige Springreit-Europameister aus Mühlen. Mehr Sport, weniger Zucht: Das bedeutet für Schockemöhle, der den Hengst Ende 2010 gemeinsam mit der Kronberger Millionenerbin Ann Kathrin Linsenhoff in den Niederlanden gekauft hatte, weniger Einnahmen. Immerhin 4000 Euro soll eine Portion des Spermas von Totilas kosten. Wird die besamte Stute trächtig, kommt die gleiche Summe noch mal hinzu. Bei rund 700 Stuten im Jahr wären das mehr als fünf Millionen Euro.

Paul Schockemöhle aber ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der weiß, dass er diesen hohen Preis nur halten kann, wenn das Pferd auch im Dressur-Rechteck herausragt. Und genau dies war in diesem Jahr nicht oft der Fall. Seit der Trennung von seinem vorherigen Reiter Edward Gal liest sich Totilas' Bilanz niederschmetternd: keine Einzel-Medaille bei der Europameisterschaft in Rotterdam im August 2011, danach Turnierpause. Beim Auftrainieren im Dezember verletzte sich das Pferd am Bein, wieder folgte eine lange Pause bis ins Frühjahr. Danach gab es peinliche Widersetzlichkeiten bei der Hengstschau in Vechta - und dazu unbeständige Leistungen auf Turnieren. Dann erkrankte auch noch Reiter Matthias Rath am Pfeifferschen Drüsenfieber. Damit platzte auch der Start bei den Olympischen Spielen in London. "Irgendwann reißt so eine Serie auch wieder. Das ist überall so", hofft Schockemöhle.