Schwimmen

Britta Steffen übt heftige Kritik an ihrer Präsidentin

Der deutsche Schwimmsport kommt nicht zur Ruhe.

- Kurz vor Beginn der Kurzbahn-DM in Wuppertal übte Peking-Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen harsche Kritik am Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und seiner Präsidentin Christa Thiel. "Letztlich ist meine Erfahrung, dass du dich auf den DSV nicht immer verlassen kannst", sagte Steffen in einem gemeinsamen "Sport Bild"-Interview mit ihrem Lebensgefährten Paul Biedermann: "Wenn du sie brauchst, dann sind sie nicht da. Rückhalt vom Verband verspüre ich eher selten. Wenn du erfolgreich bist, dann darfst du mit Frau Thiel ein Foto machen und danke sagen."

Die vor knapp zwei Wochen nur knapp wiedergewählte Thiel sieht Steffen deshalb auch nicht als Idealbesetzung für die Führungsposition im DSV an. Für diesen Posten stellt Steffen ein anderes Anforderungsprofil. "Meine Intention ist, jemanden an die Spitze zu setzen, der Leidenschaft für den Schwimmsport hat. Diese habe ich bei Frau Thiel noch nicht erlebt", sagte Steffen: "Die Position müsste meiner Meinung nach mit jemandem besetzt werden, der aus dem Schwimmsport kommt." Christa Thiel wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Auch die seit Langem ungelöste Vertragssituation vieler DSV-Trainer stößt Steffen auf. "Die Trainer haben Angst, ihren Job zu verlieren. Dabei haben sie fertige, gute Pläne in der Schublade, die nur noch umgesetzt werden müssten", sagte die 29-Jährige. Der Verband zeige trotz des schwachen Abschneidens der deutschen Schwimmer bei den Spielen in London mit nur einer Silbermedaille zu wenig Initiative: "Beim DSV passiert nichts. Beim DSV hat sich nichts verändert, und niemand will Veränderungen. Wir verschwenden viel Zeit, die wir nicht haben."

Biedermann kritisierte zudem die DSV-Jugendarbeit. London habe gezeigt, "dass sich in der Nachwuchsförderung einiges ändern sollte", sagte er. Daher beteilige er sich als Pate weiterhin an einem Nachwuchsprojekt, um mit Hilfe eines Geldgebers "zu einer besseren und flächendeckenderen Schwimmausbildung bei Kindern und Erwachsenen beizutragen". Es sei toll, "dass ein Sponsor aufbaut, was ansonsten eher die Aufgabe einer anderen Institution wäre", sagte Biedermann.