Eishockey

Magischer Zepp schließt für die Eisbären alle Lücken

Es kommt nicht von ungefähr, dass siegreiche Eishockeyspieler zuerst zu ihrem Torhüter laufen und ihn an Helm oder Schläger betätscheln.

- Denn in keiner anderen Sport kann ein Goalie zum größeren Rückhalt werden als auf dem Eis. Wäre dieser Brauch nicht schon längst Tradition, wäre er am Sonntag um 20.03 Uhr erfunden worden. Beim 3:0-Sieg der Eisbären beim Tabellenführer, den Kölner Haien, war Berlins Torhüter Rob Zepp der alle überragende Mann.

Es sei schon "harte Arbeit gewesen", sagt Zepp. "Andererseits ist es gar nicht schlecht, wenn man permanent in Bewegung ist und seinen Rhythmus finden kann. Das Adrenalin, das du dann pumpst, bleibt auch noch eine Weile im System. Erst später in der Nacht, wenn die Freude über den Sieg vorbei ist, kommt dann die Müdigkeit."

Nach dem Köln-Spiel dürfte diese noch ein wenig größer gewesen sein, denn die Woche zuvor verlief nicht wirklich optimal. Von der Nationalmannschaft und dem Deutschland Cup zurückgekehrt, war Zepp ganz normal wieder ins Training eingestiegen. Am Freitagmorgen kam jedoch für den 31-Jährigen, seine Frau und seine Kinder ein Magen-Darm-Infekt wie aus dem Nichts. "Zum Nachmittag hin wurde es bei mir schon besser, zum Spiel gegen Krefeld war ich aber nicht in der Halle", erklärt Zepp. "Am Sonnabend habe ich wieder trainiert und am Sonntag dann gespielt."

Und wie. 35 Mal schossen die Kölner auf sein Tor, wobei die Geschosse, die seinen Kasten nur haarscharf verfehlten, von der Statistik nicht erfasst wurden. Ob den Schoner, den Stock, die Brust oder die Fanghand - 35 Mal brachte Zepp noch irgendetwas zwischen den Puck und das Netz. Manchmal schien es, als wären seine Gliedmaßen ausfahrbar gewesen. Dauerbeschuss und dennoch kein Gegentor und das vor 12.784 Zuschauern in fremder Halle beim Tabellenführer - der "Shut-out", das "Zu Null" war am Ende der Lohn für "Mr. Perfect".

Die Eisbären schossen übrigens 22 Mal auf das von ihrem ehemaligen Kollegen Youri Ziffzer gehütete Kölner Tor. Bekanntermaßen trafen Andre Rankel, Jens Baxmann und T.J. Mulock. Für gewöhnlich erzielt allerdings die Mannschaft, die öfter aufs Tor schießt, auch mehr Treffer (wenn sie nicht auf Zepp trifft). Mit besserer Defensivarbeit ließe sich die Zahl der gegnerischen Torschüsse reduzieren. "Das wissen wir, und wir reden untereinander auch viel darüber", sagt Zepp, "ich glaube auch, dass eine gewisse Entwicklung zu sehen ist. Wir sind zwar noch nicht da, wo wir sein wollen, aber das Spiel in Köln wird uns sicherlich weiteren Schwung geben."