Motorsport

"Einen wie Alonso darf man nie abschreiben"

Der Brite Damon Hill sieht trotzdem Vettel im Vorteil

- Damon Hill (52) kennt sich aus mit spektakulären Saison-Finals in der Formel 1. Der Brite kam 1994 als WM-Zweiter zum letzten Rennen nach Adelaide/Australien, sein Rückstand auf den Führenden Michael Schumacher betrug nur einen Punkt. Beide lieferten sich rundenlang ein Duell auf Biegen und Brechen. Dann kollidierten sie. Schumacher rutschte in den Reifenstapel und schied sofort aus. Hill versuchte noch, seinen Wagen an der Box reparieren zu lassen - vergeblich. Am Ende war Schumacher zum ersten Mal Weltmeister. Im Interview mit Simon Pausch spricht Hill, der heute für das britische Fernsehen arbeitet, über den Zweikampf zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso.

Berliner Morgenpost:

Mister Hill, wer wird denn nun Weltmeister?

Damon Hill:

Bei jedem anderen Gegner würde ich sagen, dass Sebastian Vettel 13 Punkte Vorsprung definitiv reichen werden. Aber einen Konkurrenten wie Fernando Alonso darf man nicht abschreiben. Er fährt so clever und herausfordernd, dass er immer etwas Außergewöhnliches schaffen kann. Alles ist möglich in Brasilien.

Trotzdem fährt Vettel als Favorit nach Sao Paulo?

Ja, er hat einen Vorteil, keine Frage. Wenn ich es in Prozent ausdrücken müsste, würde ich sagen: Die Titelchancen stehen 65 zu 35 zu Gunsten von Vettel.

Alonso ist 31 und damit sechs Jahre älter als Vettel. Welche Rolle spielt seine größere Erfahrung in einer solchen Situation?

Gemessen an den Erfolgen, die Vettel bereits gefeiert hat, wirkt er noch sehr jung, das stimmt. Aber er hat sich längst als Fahrer mit einer großen Erfahrung etabliert. Er ist ja auch schon eine ganze Weile dabei. Seine Routine ist eine seiner Stärken - obwohl er noch vergleichsweise jung ist. Irgendwann kann er daher vielleicht sogar Michael Schumachers Marke von sieben WM-Titeln attackieren.

Wenn er in Brasilien den Titel holt, steigt er nominell schon in diesem Jahr auf in eine Liga mit Juan Manuel Fangio und Ihrem alten Rivalen Schumacher.

Man kann ihre Leistungen nicht miteinander vergleichen. Damals wurden viel weniger Rennen gefahren, der Sport war gefährlicher. Dennoch ist die Herausforderung auch heute riesig. Schauen Sie sich das Feld an: Da muss sich Vettel gegen fünf andere Weltmeister behaupten.

Kann er den siebenmaligen Weltmeister Schumacher übertreffen?

Das ist noch ein sehr weiter Weg. Aber er kann ganz bestimmt in diese Region vorstoßen. Wenn Vettel in Brasilien gewinnt, holt er danach in seiner Karriere ganz sicher auch noch zwei weitere Weltmeisterschaften. Mindestens.