Fußball

Bloß kein Endspiel gegen Bate Borissow

Warum die Bayern in Valencia unter Druck stehen

- Taxifahrer sind Orakel. Zumindest für Uli Hoeneß. Vor dem Bundesligaspiel bei Fortuna Düsseldorf ließ sich der Präsident des FC Bayern chauffieren, und der Mann am Steuer sagte, dass die Münchner an diesem Tag "einen auf den Sack" kriegen würden. "Da wusste ich genau, dass wir gewinnen werden", erzählt Hoeneß. Sein Klub siegte 5:0.

Insofern ist das Verhalten der spanischen Taxifahrer und Fans für ihn wahrscheinlich besorgniserregend. Heute (20.45 Uhr, Sky) treten die Bayern in der Champions League beim FC Valencia an, und freche Sprüche sind von den Gastgebern kaum zu hören. Selbstbewusst? Ja. Übermütig? Nein. Die nationale Dominanz der Bayern sorgt beim Tabellenachten der spanischen Liga für Respekt, den das schwache 1:1 beim 1. FC Nürnberg vom Sonnabend nicht mindert. "Wir spielen auf Sieg. Ich will dort gewinnen", sagt Trainer Jupp Heynckes.

Mindestens ein Pokal muss her

Wie wichtig der Klub die Partie nimmt, bewies seine Aufstellung in Nürnberg. Dort hatte er Kapitän Philipp Lahm und Angreifer Mario Gomez geschont. Die 90 Minuten in Valencia sind für den FC Bayern der erste wahre internationale Härtetest seit dem verlorenen Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea am 19. Mai im eigenen Stadion. OSC Lille und Bate Borissow, die anderen Gruppengegner, sind unangenehm, Borissow sogar so unangenehm, dass die Weißrussen das Hinspiel 3:1 gewannen. Doch das Duell mit Valencia, auswärts, für die Nationalspieler die sechste Partie in 17 Tagen - das ist was anderes. Die Spanier sind in der Königsklasse seit acht Heimspielen in Folge unbesiegt und in Gruppe F punktgleich mit dem deutschen Rekordmeister. "Es ist ein sehr wichtiges Spiel", sagt Bayerns Franck Ribery. Der Offensivstar fehlte gegen Nürnberg wegen einer Rippenprellung. "Das ist keine einfache Verletzung, aber ich muss spielen", sagt er.

Das verlorene Finale ist weit weg, doch ganz raus ist es aus dem Verein noch nicht. Bei der Mitgliederversammlung vergangene Woche tauchte das für die Bayern so schlimme Wort "Chelsea" öfter auf. Der Rekordmeister sehnt sich nach einer erneuten Finalteilnahme. Die sei nicht planbar, sagen die Verantwortlichen. Aber mit einem Sieg in Valencia wäre der erste Schritt geschafft, der Klub als Gruppensieger für das Achtelfinale qualifiziert, sofern Borissow nicht gegen Lille gewinnt.

Montagvormittag flogen Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit der Mannschaft nach Spanien. Dort gelte es zu verhindern, dass die letzte Gruppenpartie gegen Borissow zu einem "kleinen Finale" gerät, so Rummenigge. Bloß nicht noch mehr Druck! Davon haben die Bayern nach zwei titellosen Saisons in Folge genug, mindestens ein Pokal muss her. "Als Fazit der vergangenen Saison bleiben drei zweite Plätze. Das mag für viele Klubs okay sein, für uns sollte es nicht zur Norm werden", so Rummenigge.

Wichtiges Spiel für Martinez

Für zwei Profis ist das Spiel eine Rückkehr: Nationalstürmer Mario Gomez zählt erstmals nach über drei Monate langer Verletzungspause zum Aufgebot, und 40-Millionen-Zugang Javi Martinez spielt seit seinem Wechsel von Athletic Bilbao im August erstmals mit dem neuen Klub in seiner Heimat. Aus seinem Geburtsort Aiegi reisen 50 Familienmitglieder und Freunde nach Valencia, er freue sich sehr. Wahrscheinlich werden ihn seine Liebsten auch von Beginn an in Aktion erleben: Heynckes wird Martinez im defensiven Mittelfeld voraussichtlich den Vorzug vor Anatoli Timoschtschuk geben. In der Champions League gehörte Martinez in allen Partien zur Startelf. Trotz des 2:1 im Hinspiel warnt er vor seinen Landsleuten: "Damals hatten sie einen Durchhänger, inzwischen haben sie einen guten Lauf."

Der Abend in Valencia ist für Martinez eine große Chance, seinen Status beim FC Bayern zu verbessern. Bislang hat er seine Rolle noch nicht gefunden. Heynckes hat bisher viel Geduld mit dem 24-Jährigen gehabt, ihm aber auch klargemacht, dass er mehr erwartet. Martinez steht als Rekordtransfer der Liga unter besonderer Beachtung, lange wird die Schonphase nicht mehr dauern. Er ist engagiert, lernt mit einem Lehrer fleißig Deutsch. Doch ihm fehlt noch dieses eine besonders starke Spiel, das den Knoten platzen lässt. Was eignet sich dafür besser als eine wichtige Partie in der geliebten Heimat?