Handball

Füchse feiern Retter Romero

Handballstar aus Spanien sichert dem Berliner Team mit acht Toren das 29:27 gegen Zagreb in der Champions League

- In der Schmeling-Halle herrschte Urlaubsstimmung. Immer wieder schallte der Sommerhit "Eviva Espana" aus den Lautsprechern, dazu johlten die 5385 Zuschauer lautstark und ließen auf den Rängen ihrer guten Laune freien Lauf. Auf dem Parkett kam auch Iker Romero kaum aus dem Jubeln heraus. Acht Tore erzielte der Spanier in der zweiten Halbzeit des Champions-League-Spiels seiner Füchse Berlin gegen Croatia Zagreb und führte den Hauptstadtklub zum 29:27 (12:13)-Erfolg. Für die Berliner war es im fünften Vorrundenspiel der Königsklasse bereits der vierte Sieg, mit dem sie auch den zweiten Platz in der Gruppe D hinter dem FC Barcelona festigten. Das Achtelfinale ist nun in greifbarer Nähe.

Nach dem Abpfiff rannten die Füchse-Spieler zu Romero und überhäuften den Rückraumspieler mit Glückwünschen. "Iker war heute unser Matchwinner", lobte Kapitän Torsten Laen. Und Trainer Dagur Sigurdsson schwärmte: "Wenn unser Spanier so gut drauf ist, kann man ihn kaum bremsen." Romero selbst aber blieb bescheiden: "Es ist doch nicht wichtig, wie viele Tore ich gemacht habe", sagte er, "ich versuche immer nur, der Mannschaft zu helfen. Wichtig ist der Sieg." Das sah auch der Coach so. "Das war ein richtiger Kampf und ein Spiel auf Augenhöhe", sagte Sigurdsson und war zufrieden, "weil meine Mannschaft sehr gut gespielt hat."

Gleich von Beginn an aggressiv und konzentriert auftreten, so hatte die Devise der Füchse gelautet. Und tatsächlich legten die Platzherren auch couragiert los. Die Abwehr dirigierte Denis Spoljaric gewohnt souverän. Der Kroate spielte einst viele Jahre für Croatia Zagreb, wurde 2004 Olympiasieger und gehörte damit zur "Goldenen Generation" der Kroaten. Aus der sicheren Defensive heraus bauten die Berliner ihre Angriffe auf. Im Tor zeigte sich Petr Stochl gut aufgelegt, so dass die Füchse zu Tempogegenstößen kamen. Einen solchen schloss Ivan Nincevic zum 4:1 in der 8. Minute ab, zuvor hatte der Linksaußen bereits einen Siebenmeter sicher verwandelt. Beide Treffer feierte der Kroate gestenreich. Kein Wunder, war er doch gegen seinen früheren Verein besonders stark motiviert.

War es zuletzt bei den Füchsen im Angriff oftmals nicht gut gelaufen, so funktionierten die Kombinationen gestern wie im Training. Der Ball lief durch die Reihen und die Füchse bauten ihren Vorsprung rasch aus, Spielmacher Bartlomiej Jaszka markierte nach 20 Minuten das 11:6. Es schien ein entspannter Handball-Abend zu werden. Doch diese Annahme erwies sich als falsch, denn mit einem Mal kam der Füchse-Express ins Stottern. Was wohl auch daran lag, dass Sigurdsson begonnen hatte durchzuwechseln. Die Gäste aus Zagreb nutzten das Zwischentief der Berliner, sie glichen erst zum 11:11 (28.) aus und gingen dann sogar in Führung. Erst kurz vor Ende der ersten Hälfte gelang Jaszka nach zehn Minuten Torlosigkeit wieder ein Treffer für die Füchse.

In der Pause entschloss Trainer Sigurdsson sich zum Torwartwechsel, so dass nun Silvio Heinvetter zwischen den Pfosten stand. Der Nationalkeeper hatte erstmals seine langen Haare zum Zopf gebunden und fügte sich mit einer sehenswerten Parade auch gleich gut ein. Aber natürlich reichte das nicht aus, seine Vorderleute mussten endlich wieder zum Rhythmus der ersten 20 Minuten zurückfinden. Und das taten sie. Konstantin Igropulo mit einem Hammer von halbrechts (35.) und Sekunden später Romero mit einem nicht minder harten Wurf von halblinks schafften den viel umjubelten Ausgleich zum 15:15. Alles war jetzt wieder offen.

Angetrieben von Spielmacher Jaszka und dem torhungrigen Romero warfen sich die Berliner in jeden Angriff hinein, die Partie war rasant und ausgeglichen. Einen Gegenstoß schloss Rechtsaußen Johannes Sellin zum 20:20 ab, nur ein paar Sekunden später erzielte der Jung-Nationalspieler das 21:20 (44.).

24:24 stand es zehn Minuten vor Schluss. Die Extraportion Energie hatte gestern vor allem Iker Romero. Mit Selbstvertrauen griff sich der Spanier den Ball und hämmerte ihn zum 26:25 (54.) ins gegnerische Tor. Er ließ danach noch drei weitere Treffer folgen. Dann war die Fiesta perfekt. "Iker bringt eine andere Dimension, wenn er auf dem Feld steht", sagte Ivan Nincevic, "er hat uns das Spiel gewonnen."