Handball

Füchse zittern sich zum Sieg

Mit dem 21:19 gegen Lemgo bleiben die Berliner zu Hause ungeschlagen und Tabellendritter

- Wem sie diesen Erfolg zu verdanken hatten, das wussten die Spieler der Füchse Berlin offenbar ganz genau. Also nahmen sie Torhüter Petr Stochl beim Freudentanz in ihren Reigen auf. Der Tscheche hatte mit seinen Reflexen großen Anteil daran, dass die Mannschaft den TBV Lemgo mit 21:19 (11:13) niederrang und in der Handball-Bundesliga seit mehr als einem Jahr zu Hause ungeschlagen bleibt. Der dritte Tabellenplatz wurde gefestigt. Und auch die 9000 Zuschauer in der ausverkauften Schmeling-Halle waren am Ende vermutlich zufrieden.

Obwohl das vorher Gebotene zwar überaus spannend, aber spielerisch nicht überzeugend war. Die Füchse zitterten sich förmlich zum Sieg gegen einen Kontrahenten, der auf einem Abstiegsplatz steht. "21 Tore - dass man damit ein Spiel gewinnt, muss man sich erst mal klarmachen", sagte Sven-Sören Christophersen erleichtert. Vier Treffer hatte der Nationalspieler selbst erzielt, ebenso viele wie Ivan Nincevic und Johannes Sellin.

Richwien direkt ins Krankenhaus

Damit waren sie schon die besten Schützen in einer kampfbetonten Partie. In der es aber ohnehin nicht so sehr ums Torewerfen, sondern mehr ums Toreverhindern ging. "Wir haben nur sechs Gegentreffer bekommen in der zweiten Halbzeit, das macht mich zuversichtlich", sagte Christophersen. Lob gab es dazu auch von Trainer Dagur Sigurdsson: "Die Abwehr mit Stochl war richtig gut. Das war schon ein bisschen wie letztes Jahr, darauf kann man aufbauen."

Der Isländer hatte sein Team umgestellt. Auf der mittleren Aufbauposition durfte erstmals der Norweger Borge Lund in der Startformation ran, weil der an einem Infekt erkrankte Bartlomiej Jaszka anfangs nur zusah. Das Experiment glückte nicht besonders gut. Zwar begannen die Berliner verheißungsvoll, führten nach einem prächtigen Zusammenspiel zwischen Lund und Konstantin Igropulo 3:1. Alles schien seinen erwarteten Lauf zu nehmen, schließlich wollten die Füchse nach den vorangegangenen schweren Enttäuschungen im deutschen Pokal (28:32 in Nettelstedt) und in der Bundesliga (18:29 in Flensburg) mit Leidenschaft und mannschaftlicher Geschlossenheit wieder positiv von sich reden machen. Aber die wackeren Westfalen spielten da nicht mit.

Zunächst gewann ihr Nationaltorhüter Carsten Lichtlein das Duell mit seinem Berliner Pendant Silvio Heinevetter. Seine Paraden trieben die Füchse zur Verzweiflung, besonders bei Siebenmetern. "Das hat uns viel Frust gebracht", erkannte Sigurdsson. Der gerade aufkeimende Rhythmus ging schnell verloren. Nincevic (2), Mark Bult, Iker Romero und Igropulo scheiterten in der ersten Halbzeit bei sechs Versuchen fünf Mal von der Linie an Lichtlein. Nach der Pause verwandelte der nervenstarke Junior Sellin zweimal, ehe auch er einen Strafwurf vergab. Es war zum Haareraufen. Christophersen juxte: "In der Abwehr waren wir sicher griffiger. Aber in der Offensive waren wir so schlecht auch nicht. Wir müssen eben nur noch ein paar Siebenmeter treffen."

Ein Schock war, dass sich Markus Richwien, ein weiterer Nationalspieler, beim Torwurf verletzte, als er umknickte. "Beim Röntgen wurde festgestellt, dass sein Bandapparat schweren Schaden genommen hat", berichtete Manager Bob Hanning, "er bleibt die Nacht im Krankenhaus." Heute soll er weiter untersucht werden. Mit einer längeren Pause ist aber zu rechnen. Jedenfalls das Champions-League-Spiel am Donnerstag gegen Zagreb findet ohne Richwien statt.

Hanning auf die Tribüne verbannt

Hanning hatte das Geschehen aus ungewohnter Perspektive blickend beobachtet; er saß auf der Tribüne. Am Freitag im Regionalligaspiel der zweiten Füchse-Mannschaft in Hannover hatte er eine Rote Karte gesehen und ist national zwei Wochen lang gesperrt. In der Offensive machte der Geschäftsführer ein "deutliches Steigerungspotenzial" aus. Da wurde zu viel hin- und hergekreuzt, zu wenig zwingende Wurfchancen wurden erarbeitet. Trotzdem war er zufrieden. "Die Defensive ist gut. Die Mannschaft kämpft mit Leidenschaft. Warum werden von uns Dinge erwartet, die wir nicht leisten können?"

Doch der Erfolg vertrieb schnell die negativen Gedanken. Vor allem wegen der zweiten Halbzeit. Vor der Pause hatten die Gastgeber zeitweise mit vier Toren (9:13/26. Minute) zurückgelegen. In Führung gingen sie erst beim 17:16 (52.) wieder - eine lange Durststrecke. "Positiv war aber", schloss Christophersen, "dass sich niemand versteckt hat. Alle haben es immer weiter versucht." Und im entscheidenden Moment auch getroffen. Deshalb glaubt der Rechtshänder: "Wir bewegen uns in eine gute Richtung."