Wintersport

Höfl-Riesch trotzt allen Widrigkeiten

Ski alpin: Slalomsieg in Finnland bringt der verletzten Olympiasiegerin "viel Selbstvertrauen"

- "Eigentlich" ist ein liederliches Wort. Klein, einschränkend, aber zum Glück auch so beschaffen, dass es Auswege offen lässt. "Eigentlich", hatte Maria Höfl-Riesch (27) also vor ihrem Start im Slalomrennen in Levi gesagt, "eigentlich müsste ich sechs Wochen pausieren." Eine Entzündung in der Hüfte piesackt die Skirennläuferin, doch für Ruhe bleibt im Weltcupzirkus naturgemäß keine Zeit.

Also nahm die Bayerin sich trotzig ein Herz - und gewann kurzerhand. "Es hat mich beim Rennen überhaupt nicht behindert", feixte Höfl-Riesch erleichtert. Die Dinge hätten wahrlich schlechter laufen können als mit einem elften Rang vor zwei Wochen im Riesenslalom in Sölden und ihrem 24. Weltcupsieg nun in Finnland. Es ist ihr dritter Sieg in Levi, und "einen schöneren Start in die neue Weltcupsaison hätte ich mir nicht vorstellen können. Ein großes Kompliment und Dankeschön an unsere Physiotherapeutin, die mich fürs Rennen fit bekommen hat, und an meinen neuen Servicemann! Beide haben super Arbeit geleistet."

Saisonvorbereitung in Chile

Zeit zum Auskosten blieb allerdings nicht viel. Noch am Sonnabend flog Höfl-Riesch mit ihren Teamkolleginnen, von denen Christina Geiger als Elfte zweitbeste Deutsche gewesen war, nach Frankfurt. Von dort aus hob Sonntagmorgen das Flugzeug Richtung Denver ab. Im US-Bundesstaat Colorado stehen in Aspen übernächstes Wochenende zwei weitere Technikwettbewerbe an, in der Woche darauf dann kommen in Lake Louise die langen Latten zum Einsatz - für zwei Abfahrten und einen Super-G.

Im Sommer hat Höfl-Riesch wieder drei Wochen lang in Chile ausgiebig an Form, Fitness und Material für die schnellen Disziplinen gefeilt. Ob es reicht, die übermächtige Lindsey Vonn zu übertrumpfen? Mal sehen. Jedenfalls brachte der Erfolg "sehr viel Selbstvertrauen".

Ob Felix Neureuther hingegen die Reise über den Atlantik überhaupt antreten wird, ist noch unklar. Der Partenkirchener quält sich mit den Folgen eines Bandscheibenvorfalls - was ihn allerdings nicht davon abhielt, den zweitbesten Saisonstart seiner inzwischen auch schon nicht mehr ganz taufrischen Karriere hinzulegen. Den Hang in Levi wedelte Neureuther (28) als Siebtschnellster hinunter, er staunte anschließend selbst ein bisschen darüber, zumal nach gerade einer Handvoll Trainingstagen auf Schnee in den vergangenen sieben Wochen: "Von den Schmerzen ging es, aber ich kann mich nicht so locker und frei bewegen."

Ein spezielles Korsett hielt den maladen Oberkörper stabil. Sein Rückstand auf Andre Myhrer aus Schweden, der vor dem Österreicher Marcel Hirscher (+0,06 Sekunden) siegte, betrug 1,10 Sekunden. "Plan wäre, am 18. nach Amerika zu fliegen", sagte Neureuther, "aber ich bin mir da nicht sicher. Mal schauen, wie es mit dem Kreuz weitergeht."

Philipp Schmid überrascht

Dass in Neureuther und Höfl-Riesch ausgerechnet die beiden besten Deutschen der vergangenen Jahre auch zu Beginn der neuen Saison wieder vornewegfahren, spricht für sich. Dennoch war Alpindirektor Wolfgang Maier vom Deutschen Skiverband (DSV) auch von der Leistung anderer angetan - allen voran Philipp Schmid. Vor einigen Jahren noch war Schmid mangels Leistung aus dem DSV-Kader gefallen. Er ergriff jedoch die Initiative und bereitete sich auf eigene Faust vor, bevor er in die Förderung zurückkehrte. In Levi feierte der 26-Jährige mit Platz zehn sein bestes Weltcupergebnis. Schmids Leistung müsse angesichts dieser Vorgeschichte "umso mehr respektiert werden", findet Maier.

Sein Gesamtfazit fiel wohlwollend aus: "Wir sind zufrieden mit dem Auftakt im Slalom. Das war eine deutliche Steigerung im Vergleich zu Sölden."