Fußball

Klaus Allofs und der zähe Abschied von Werder Bremen

Schuldzuweisungen begleiten seinen Flirt mit Wolfsburg

- Die Hobbys von Klaus Allofs sind in Bremen stadtbekannt. Werders Geschäftsführer ist ein Pferdenarr und häufig auf den Rennbahnen der Republik zu Gast. Er hört gern Musik der Popband Depeche Mode und nascht gern Weingummi. Über seine beruflichen Vorlieben jedoch herrscht eine Verwirrung wie noch nie in seinen 13 Amtsjahren.

So lange waren er und Trainer Thomas Schaaf das Gesicht von Werder Bremen. Mit cleveren Transfers brachte er den Klub nach dem Rückzug Otto Rehhagels zeitweilig zurück an die Spitze, wurde einmal Meister und zweimal Pokalsieger. Doch diese Ära geht nun offenbar zu Ende: Allofs steht kurz vor einer Unterschrift beim VfL Wolfsburg, um Felix Magath als Manager zu beerben. Die offizielle Verkündung soll noch diese Woche erfolgen.

Werders sechsköpfiger Aufsichtsrat wurde daher aufgefordert, sich am Sonntag und Montag zur Verfügung zu halten. Gemeinsam mit Allofs und Schaaf soll dann beraten werden, wer neuer Sportdirektor werden soll und welche Ablöse für den Manager verlangt wird. Als aussichtsreichster Kandidat für die Allofs-Nachfolge gilt Dietmar Beiersdorfer. Der ehemalige Manager des Hamburger SV steht im Moment zwar bei Zenit St. Petersburg in Russland unter Vertrag, gilt aber als Freund von Schaaf, der ihn schon im Sommer 2009 als Manager zu Werder locken wollte - damals war für kurze Zeit unklar, ob Allofs weitermachen wollte.

Trainer Schaaf könnte folgen

Wie bei Scheidungen üblich, verläuft auch die Trennung der derzeit längsten Fußballehe der Bundesliga nicht ohne gegenseitige Schuldzuweisungen. Offenbar informierte Allofs seine Vorgesetzten nicht über seine Verhandlungen mit Wolfsburg - entsprechend erbost waren Teile des Kontrollgremiums. Hinter vorgehaltener Hand wird ihm "ein charakterlich mieses Spiel" vorgeworfen, nachdem der Klub sich immer bemüht habe, "seine Wünsche zu erfüllen". Erst vor einem Jahr wurde Allofs' Vertrag bis 2015 verlängert.

Damals wollte der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke den 55-Jährigen loswerden. Angeblich, weil er dem erfolgreichen Manager die hohen Beliebtheitswerte missgönnte. Aber Schaaf setzte sich für Allofs ein und knüpfte seine eigene Vertragsverhandlung an dessen Verbleib. Weil dem Trainer im Klub kaum jemand widerspricht, knickte Lemke ein. Jetzt sorgt Schaaf erneut für Wirbel. Nicht wenige in Bremen glauben, dass der Trainer seinem Sportdirektor nach Wolfsburg folgen könnte. Zu der Situation um Allofs äußerte sich Schaaf nach dem 1:2 (1:0) in Schalke nicht - ebenso wenig beantwortet er die Frage, ob der VW-Konzern auch an herangetreten ist. Sollte neben Allofs auch Schaaf gehen, käme das einerseits einem sportlichen Supergau an der Weser gleich. Andererseits haben die Vereinsoberen die Saison schon vor dem ersten Spiel zum Jahr des Umbruchs erklärt.